Ein halbes Jahr warten, bis der Bioabfall abgeholt wird

Seit Anfang Jahr gibts in Zürich ein neues Abo für organischen Abfall – zur Freude vieler Mieter. Doch ausgerechnet die Bewohner der städtischen Siedlungen haben das Nachsehen.

Zur Jahreswende war das Abo für städtische Siedlungen noch nicht zu haben: Bioabfall und anderer Müll in Zürich. (Archivbild)

Zur Jahreswende war das Abo für städtische Siedlungen noch nicht zu haben: Bioabfall und anderer Müll in Zürich. (Archivbild) Bild: Keystone

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«Ich habe mich schon etwas gewundert, dass es bei uns so lange gedauert hat, bis die Bioabfallsammlung eingeführt wurde», sagt eine Bewohnerin der städtischen Wohnsiedlung Riedtli gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. «Gerade die städtische Liegenschaftenverwaltung hätte hier doch mit gutem Beispiel vorangehen sollen.»

Bis vor wenigen Wochen hätten die Bewohner nicht gewusst, wann und ob in der Siedlung überhaupt entsprechende Container aufgestellt werden. «Zuvor waren wir über den Stand der Dinge schlicht nicht informiert worden», sagt die langjährige Riedtli-Mieterin.

Alle Siedlungen betroffen

Dieselben Erfahrungen mussten auch die Mieter der anderen städtischen Siedlungen machen. Erst Mitte Juni bekamen sie Post von der städtischen Liegenschaftenverwaltung. Darin hiess es: «Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass die Liegenschaftenverwaltung beschlossen hat, ab dem 1. Juli die Bioabfallsammlung auch in Ihrer Siedlung einzuführen.»

Dabei wäre es theoretisch möglich gewesen, die Container für Bioabfall schon Anfang Januar aufzustellen. Auf diesen Zeitpunkt ersetzte ERZ nämlich das langjährige Gartenabfallabo durch ein Bioabfallabo.

In einer Medienmitteilung von Ende September 2012 bewarb ERZ das neue Angebot und pries die Vorteile der Sammlung und Vergärung von Bioabfall. Damit leiste die Stadt «einen Beitrag zum Erreichen der 2000-Watt-Gesellschaft», hiess es damals.

Kurzfristige Bekanntmachung

Anschliessend wurden auch die ERZ-Kunden über den geplanten Abowechsel benachrichtigt. «Im Oktober informierten wir zunächst die Kunden eines Gartenabfallabos über das neue Angebot», sagt ERZ-Sprecherin Leta Filli. Mit dem Schreiben verbunden war die Kündigung des alten Gartenabos.

Wer das neue Bioabfallabo lösen wollte, musste laut Filli selbst aktiv werden und einen neuen Vertrag abschliessen. «Es handelt sich um eine freiwillige Dienstleistung», betont sie.

Auch die städtische Liegenschaftenverwaltung wurde erst zu diesem Zeitpunkt informiert – und durch die kurze Vorlaufzeit wohl auch etwas auf dem falschen Fuss erwischt. «Die Koordination war nicht optimal», räumt Markus Feer, Bereichsleiter Wohnen bei der städtischen Liegenschaftenverwaltung, auf Anfrage ein. Die Verwaltung ist unter anderem für 50 städtische Siedlungen mit mehr als 6400 Wohnungen zuständig.

«Aufgrund der massiven Werbung durch ERZ» sei es vereinzelt zu Nachfragen von Mieterinnen und Mietern gekommen, sagt Feer. Ihnen wurde gesagt, es seien noch «ein paar Überlegungen» nötig, etwa hinsichtlich der Kosten oder der Standorte der Sammelcontainer. Feer spricht in diesem Zusammenhang von einer «Evaluationsphase». Die meisten Mieter hätten darauf «sehr verständnisvoll» reagiert.

Tests in zwei Pilotsiedlungen

Die Einführung der neuen Container wurde zunächst in den beiden Siedlungen Unteraffoltern II und III erprobt, wie Feer erklärt. Dabei habe sich allerdings gezeigt, dass einige Bewohner zur Entsorgung des Küchenabfalls nicht nur kompostierbare Säcke, sondern auch herkömmliche weisse Gratis-Plastiksäcke der Grossverteiler verwendeten.

Die Verwaltung sah sich deshalb gezwungen, mehrere Hinweisschreiben zu verschicken. Darauf hat sich die Situation laut Feer etwas gebessert.

«Ich bin froh, dass wir mit der Einführung in allen Liegenschaften noch etwas gewartet haben. Sonst wäre es zum Fiasko gekommen», ist Feer überzeugt. «So aber waren wir auf Anfang Juli bereit, das neue Abfuhrangebot in allen städtischen Siedlungen einzuführen.»

«Das Problem hat zwei Seiten»

ERZ-Sprecherin Filli weist darauf hin, dass man mit dem neuen Abo eine Motion des Gemeinderates umgesetzt habe. Eine repräsentative Umfrage von 2009 habe ergeben, dass die Mieter der Bioabfuhr viel positiver gegenüberstehen als die Vermieter. «Das Thema hat also zwei Seiten.»

Ein halbes Jahr nach der Einführung des neuen Abos zieht Filli eine positive Bilanz. «Ende Juni zählten wir 13'560 Abonnenten.» Zum Vergleich: Der Brief vom letzten Oktober ging noch an 11'000 Gartenabo-Kunden. «Das Angebot stösst also auf Zustimmung», sagt Filli. (ep/sda)

Erstellt: 15.07.2013, 12:06 Uhr

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