Ein heilender Blick, der die Massen verzückt

«Die Leute schwanken, zittern und weinen»: Im Kongresshaus lässt Heiler Braco seine angeblichen Wunderkräfte wirken. Er bewegt sich dabei auf dünnem Eis.

Kann alles und tut wenig: Braco.

Kann alles und tut wenig: Braco.

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Braco, ein Name, der bei vielen Anhängern der Esoterik und Alternativmedizin die Augen zum Leuchten bringt und ihnen ein verklärtes Lächeln ins Gesicht zaubert. Braco ist alles – und nichts. Er kann alles – und tut wenig. Braco ist ein Phänomen, das Wunder vollbringen soll. Mindestens bezeugen es seine Anhänger. Und davon gibt es viele. In Europa, den USA und Japan. Und in der Schweiz. Dies stellt der Wunderheiler am Sonntag im Kongresshaus unter Beweis, wenn Hunderte, vielleicht Tausende anreisen.

Der 44-jährige Braco tingelt durch die Welt und lässt seine Augen über die erwartungsfrohen Massen schweifen. Er sagt nichts, und trotzdem glauben die Besucher, seine Heilkräfte zu spüren. Der Schweiger redet durch seine Augen, angeblich. Seine Blicke treiben den Besuchern Tränen in die Augen. Trotzdem sieht er sich als «ganz normalen Menschen ohne besondere Fähigkeiten».

Fotos von kranken Angehörigen

Das seltsame Ritual im Kongresshaus ist gut organisiert. Helfer werden die Besucher zur Kasse und in den Saal schleusen. Diese tragen Blumen und Fotos ihrer Angehörigen mit sich, die psychisch oder körperlich leiden. Für eine einzelne Session bleiben exakt 30 Minuten. Wenn die Türen geschlossen sind, konzentrieren sich die Besucher auf den grossen Moment. Dann tritt Braco auf die Bühne und schaut in die Menge. Er steht einfach da und blickt über die Köpfe hinweg. Er schaue die Menschen nicht einzeln an, sondern sehe sie als Einheit, heisst es auf seiner Homepage. Nach etwa fünf Minuten verschwindet er so diskret wie er gekommen ist.

Obwohl Braco aus Zagreb (Kroatien) behauptet, ein gewöhnlicher Mensch zu sein, hat er laut eigenen Angaben die «aussergewöhnliche Gabe, Sie auf eine höhere Ebene des Bewusstseins zu bringen, auf die Ebene, in der Ihre Gedanken die Kraft haben, diesen Punkt, Ihr Problem, zu beeinflussen».

Diesen «Punkt» haben alle Besucherinnen und Besucher. Sie kommen an Krücken und in Rollstühlen. Sie haben Aids, Krebs, leiden unter einer Psychose. Aber sie haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Die Hoffnung auf ein Wunder, bewirkt durch den Blick des aussergewöhnlichen Mannes.

Leute schwanken und weinen

Der Wunderheiler weiss, dass er sich auf dünnem Eis bewegt. «Braco gibt keinerlei Heilungsversprechen, er stellt keine Diagnosen und führt keine Behandlungen durch», verkündet er auf seiner Homepage und rät, bei Beschwerden den Arzt aufzusuchen, wohl zur rechtlichen Absicherung. Die Anhänger des Heilers interessieren allerdings die Videos brennender. «Bracos Blick weckt etwas in uns, das uns Liebe zurück gibt und unser Herz, unsere Seele und unseren Körper heilt», verkündet der Sprecher. «Es ist ein Wunder», erklärt eine Frau mit tränenerstickter Stimme, «das ist unglaublich.» «Die Leute schwanken, zittern und weinen, als ob Zeit und Raum aufgelöst seien», erklärt eine weitere Besucherin.

Und dann kommen Patienten zu Wort, die die grössten Hoffnungen auslösen: «Ich hatte Leber- und Zwölffingerdarm-Krebs», berichtet ein Mann. Ärzte hätten ihm nach einer Session bei Braco bestätigt, dass sie keine Spuren von Krebs mehr in seinem Körper finden könnten. Tatsächlich sind die rund 20 Bücher und vielen Videos, die Braco an seinen Veranstaltungen verkauft, voll von Zeugnissen: Patienten berichten von angeblichen Wunderheilungen selbst von schwersten Krankheiten.

Was sagt Braco zum Rummel um seine Person? Nichts. Er hat noch nie ein Interview gegeben. Er schweigt gegenüber der Öffentlichkeit wie er auch bei seinen Sessions schweigt. Eine clevere Taktik, denn wer nicht redet, kann kaum belangt werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2011, 12:16 Uhr

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