Ein «monumentaler Bankpalast»

Der Stadtrat hat den Hauptsitz der UBS an der Bahnhofstrasse unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude gilt als wichtiges Zeugnis der prachtvollen Gründerzeit.

Glasdach und viel Marmor – die kostbare Schalterhalle von 1918 bleibt weitgehend erhalten. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

Glasdach und viel Marmor – die kostbare Schalterhalle von 1918 bleibt weitgehend erhalten. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

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Die im letzten «Tagblatt» ausgeschriebene Unterschutzstellung ist nicht die Strafe dafür, dass die UBS seit Jahren keine Gewinnsteuern bezahlt. Vielmehr plant die Bank eine Totalsanierung, weshalb sie sich mit der Stadt darauf einigen musste, was erhalten bleibt und was nicht. Unter Schutz stehen zum Beispiel die Tresorräume im Untergeschoss, welche die Normalverdiener nie zu Gesicht bekommen. Im detaillierten Beschluss des Stadtrates lässt sich immerhin erahnen, wie es dort unten aussieht: schwarz-weisse Bodenbeläge aus Kunststein, raumhohe, umlaufende Schliessfachwände, Pfeiler, Stuckatur, eine Gittertür und eine massive Tresortür. Selbstverständlich ist auch die Schalterhalle unter Schutz mit ihrem Glasdach, den Marmorverkleidungen und dem gerasterten Steinboden.

Griechische Säulen

Das Gebäude an der Bahnhofstrasse 45 mit dem sinnigen Namen Münzhof wurde von der Schweizerischen Bank­gesellschaft in den Jahren 1914 bis 1918 erbaut. Die bekannten Zürcher Architekten Pfleghard & Haefeli waren federführend. Von ihnen stammen auch das Warenhaus Manor, das Haus zur Trülle, das Bezirksgebäude oder die Kreuzkirche. Für die Denkmalpflege ist der Münzhof in seiner «monumentalen Erscheinung beispielhaft für einen Bankpalast der prachtorientierten Gründerzeit». Er präsentiert sich im Stil des Neoklassizismus mit Säulen auf der Frontseite, die über drei Geschosse reichen.

Die Wertschätzung, die der Stadtrat dem Hauptsitz der UBS zuteilwerden lässt, reicht über den ursprünglichen Münzhof hinaus. Auch die Nachbar­gebäude an der Bahnhofstrasse 47, Pelikanstrasse 9 und 11 sowie Nüschelerstrasse 10 sind unter Schutz gestellt. Sie stammen aus den Jahren 1954/57 und 1996/99. Die einen treten als «anonymer Geschäftshaustyp» auf, das andere in Stahl und Glas. Die Abfolge der Baustile zeugt vom veränderten Selbstbild einer Bank, deren Architektur sich vom steinernen Bankpalast zu einem offenen, modernen Geschäftshaus gewandelt hat.

Offener und moderner

Mit der anstehenden Totalsanierung der Gebäudetechnik will die UBS ihren Hauptsitz offener und moderner machen. So entstehen im Erdgeschoss entlang der Bahnhof- und der Nüschelerstrasse Läden und ein Café. Der Umbau erfolgt nach den Plänen des Architekturbüros EM2N, das in einem Wettbewerb so prominente Konkurrenten wie Max Dudler und David Chipperfield ausstechen konnte.

2017 soll der Umbau vollendet sein. Schon in diesem Sommer beendet eine andere Bank an der Bahnhofstrasse ihre Renovation: die Zürcher Kantonalbank an der Bahnhofstrasse 9. Auch ihr Hauptsitz wurde vor dem grossen Umbau unter Schutz gestellt, aber nicht als «Bankpalast» wie jener der UBS, sondern mit Baujahr 1961/70 als neuer «Prototyp einer Bank in der City» im Sinne des «American Way of Life».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2015, 22:54 Uhr

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