Eine Nummer für alles

Der Kantonsrat hat sich dazu durchgerungen, eine neue telefonische Anlaufstelle für medizinische Notfälle einzurichten. Zufrieden mit der neuen Lösung sind längst nicht alle.

Braucht das Kind ärztliche Hilfe? Unter der Nummer 0800<nobr> </nobr>33<nobr> </nobr>66<nobr> </nobr>55 soll man ab 1. Januar 2018 Rat erhalten.

Braucht das Kind ärztliche Hilfe? Unter der Nummer 0800 33 66 55 soll man ab 1. Januar 2018 Rat erhalten. Bild: Keystone

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Der Zürcher Kantonsrat hat am Dienstag in zweiter Lesung beschlossen, eine einheitliche Telefonnummer für medizinische Notfälle einzurichten. Sie nimmt bereits am 1. Januar 2018 ihren Betrieb auf.

Die Notfallnummer lautet 0800 33 66 55 – in Anlehnung daran, dass die Anlaufstelle für Notfälle 365 Tage im Jahr besetzt ist. Diese Nummer ersetzt jedoch nicht die Notfallnummer 144. Sie ist für alle Notfälle gedacht, die nicht einen sofortigen Transport ins Spital benötigen.

Spitäler entlasten

Ziel des neuen Notfall-Callcenters ist es, die Notfallabteilungen der Spitäler zu entlasten. Vorgesehen ist, dass die Triage-Stelle die Patienten an jene Ärzte oder Zahnärzte weiterleitet, die gerade Notfalldienst haben. Allenfalls reicht aber auch der Ratschlag aus, sich an eine Apotheke zu wenden oder den Arzt am nächsten Tag aufzusuchen.

Bislang musste der Kanton diesen Notfalldienst nicht selber organisieren – die medizinischen Standesorganisationen der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker konnten ihn aus eigener Kraft gewährleisten. Es wurde jedoch zunehmend schwieriger. Immer weniger Ärzte betreiben eine eigene Hausarztpraxis, immer mehr arbeiten Teilzeit.

Zufrieden mit der neuen Lösung sind aber längst nicht alle. So forderte die SVP, die gesamte Vorlage an den Regierungsrat zurückzuweisen. Es sei nicht richtig, dass die Gemeinden zu dieser neuen Organisation gezwungen würden. Zudem gebe es offene Fragen zum Thema Ausschreibung. Es hätte vielleicht durchaus auch andere Anbieter gegeben als die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ). «Und zu guter Letzt stellt sich die Frage, ob die Menschen diesen Dienst überhaupt nutzen und ob sie wirklich weniger ins Spital gehen», sagt SVP-Kantonsrat Roger Liebi.

Kritik an fehlender Ausschreibung

Auch anderen Kantonsrätinnen und Kantonsräten war es mit der vorliegenden Gesetzesänderung nicht ganz wohl. Vor allem die fehlende Ausschreibung sorgte für Kritik.

Die heutige Lösung mit der Ärztegesellschaft sei doppelt so teuer wie die bisherige Lösung, sagte Daniel Häuptli (GLP, Zürich). «Es hätte neben der AGZ durchaus auch private Anbieter gegeben.» Da würden Steuergelder verschwendet.

Die SP wiederum kritisierte die SVP, welche ihre Kritik in der zweiten Lesung vorbrachte. «Diese Einwände hätten Sie schon vor geraumer Zeit anbringen können», sagte Esther Straub (Zürich) an die Adresse der SVP. Der Kanton habe eingreifen müssen, weil die Gemeinden und die AGZ nicht miteinander klargekommen seien. «Dass dieses Gezänk hier fortgesetzt wird, ist grotesk.»

Nachbesserungen werden erwartet

Überraschenderweise zog die SVP ihren Rückweisungsantrag danach zurück, sodass der Rat doch noch über die Gesetzesänderung abstimmen konnte. Die Vorlage wurde schliesslich mit 142 zu 18 Stimmen bei einer Enthaltung gutgeheissen.

Angenommen wurde auch die Dringlichkeit der gesamten Vorlage, sodass die Nummer bereits auf den 1. Januar 2018 in Betrieb genommen werden kann. Angesichts der Kritik ist es jedoch absehbar, dass Vorstösse eingereicht werden, um die Vorlage «nachzubessern». Allenfalls wird auch die öffentliche Ausschreibung nachgeholt. Dies wäre wegen der nun abgeschlossenen Leistungsvereinbarung allerdings erst 2021 möglich. (sda)

Erstellt: 19.12.2017, 14:30 Uhr

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