Eine Präsidentin ohne Glanz

Corine Mauch ist keine Präsidentin für ganz Zürich. Lob erhält sie vor allem aus ihrer eigenen Partei. Kritik an ihrer Person tut sie gerne als Wahlkampfgetöse ab.

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Ihren Wahlkampf hat sich Corine Mauch wohl anders vorgestellt - ruhiger, harmonischer. Doch Jens Gloor und Carlos Garotta, die beiden Ex-Betreiber der stillgelegten Nervous-Bar, haben Mauch in den letzten Wochen mehrmals Schlagzeilen eingetragen. Nun droht Mauch ein Gerichtsprozess wegen versuchter Nötigung. Bei öffentlichen Auftritten beansprucht sie Polizeischutz - eine Seltenheit in der Schweizer Politik. Ohne die Schuldfrage in diesem Fall geklärt zu haben, lässt sich festhalten: Mauch hat im Umgang mit den beiden Männern bislang kein glückliches Händchen gehabt. Eine tickende Zeitbombe wie die Affäre um die Nervous-Bar gehört vor dem Wahlkampf entschärft.

«Ideologische Sozialistin»

Ein rauer Wind weht Mauch auch im Parlament entgegen. Die SVP sieht in ihr eine «ideologische Sozialistin», die sich - seit ihrem Auftritt in Kopenhagen - als «weltpolitische Gegenspielerin» der Grossmächte in Klimafragen versuche. Kein Gehör habe sie hingegen für die wahren Sorgen der Zürcher, moniert die SVP. Lieber verlustiere sie sich als Kulturministerin, statt die Probleme des Gewerbes zu lösen - etwa die «zu geringe Parkplatzzahl» in der Stadt. Auch der Freisinn zeigt sich verärgert. Mauch habe keine Akzente gesetzt, sagt Fraktionschef Michael Baumer. Und er mokiert sich über Details: dass Mauch «schulmeisterliche Reden» im Parlament halte.

Diese Kritik als plumpe Wahlkampfrhetorik wegzuwischen, wäre zu einfach. Corine Mauch ist noch keine Stadtpräsidentin für alle Zürcherinnen und Zürcher. Die Verstimmung reicht über die Mitte bis ins linke Lager. CVP-Fraktionschef Christian Traber erwartet von Mauch, Zürich künftig «öfter und prägnanter» zu vertreten. Auch die Grünen sind nicht rundum glücklich: Mauch müsse nicht nur verwalten, sondern auch neue Ideen präsentieren, sagt Fraktionschef Markus Knauss. Und er fragt sich, ob Mauch in der Lage ist, den Stadtrat hin zu einer akzentuierten ökologischen Politik zu führen.

Auch im Fokus der Zürcher Prominenz

Selbst aus SP-Kreisen werden Zweifel laut: an Mauchs Fähigkeit, Zürich zu repräsentieren - einer ihrer Kernaufgaben also. Dies sei, so sagt ein hoher SP-Politiker maliziös, eben nicht jedem gegeben. Tatsächlich wirkt Mauch bei ihren Auftritten vielfach angestrengt, arm an rhetorischer Brillanz und frei von Charisma. Dazu passt, dass sie auch schon falsche Reden eingepackt hat, diese vom Blatt abliest und sich verhaspelt. Der Zürcher Prominenz entgeht dies nicht. Der Werber Frank Baumann etwa musste sich während Mauchs Auftritt im Zirkus Conelli «regelrecht fremdschämen».

Ihre politischen Freunde sehen dies freilich anders. Mauch sei fleissig, scharf im Denken, herzlich, sie führe den Stadtrat souverän und politisiere - anders als ihr Vorgänger Elmar Ledergerber - zwar weniger laut, dafür umso effektiver. Lob gibts auch von der Lesbenorganisation Schweiz: Mauch engagiere sich für die lesbischschwule Bewegung vorbildlich.

Mauch: Alles Wahlkampfgetöse

Mauch selber - sie hat sich jüngst als hochbegabt bezeichnet - reagiert zunehmend gereizt auf die Kritik an ihrer Person. Und sie zeigt sich schnell einmal befremdet, wenn sie von Journalisten - für ihren Geschmack - falsche Fragen serviert bekommt. Tadel an ihrer Politik, gerade jene aus dem grünen Lager, tut sie als Wahlkampfgetöse ab. Fehlender Gestaltungswillen? Mitnichten. Mauch verweist auf ihre Erfolge: die Anstellung des neuen Kulturdirektors Peter Haerle sowie die jüngst gefundene Lösung für den Schiffbau. Sie betont, der Stadtrat habe im Kampf gegen die Wirtschaftskrise eine «wirtschafts-, finanz- und sozialpolitische Strategie» beschlossen - auf ihr Betreiben hin.

Und anders als die SVP behaupte, pflege sie sehr wohl «intensive und gute Beziehungen» zur Zürcher Wirtschaft. So argumentiert eine Stadtpräsidentin, die sich seit ihrem Start im Frühjahr nach allen Seiten hin erklären muss. Ihr Glück ist es, dass sie am 7. März dank der rotgrünen Hausmacht keine ernsthafte Konkurrenz befürchten muss. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.02.2010, 09:50 Uhr

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