«Eine Viertelmilliarde für etwas mehr Stimmung»

Die klare Zustimmung zum Hooligan-Konkordat könnte den Gegnern eines neuen Stadions Auftrieb geben, denn beim Hardturm gibt es Sicherheitsbedenken. Doch der Aufbau eines Gegnerkomitees harzt.

Gegner formieren sich: Visualisierung des geplanten Hardturmstadions.

Gegner formieren sich: Visualisierung des geplanten Hardturmstadions. Bild: Stadt Zürich

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Gestern Sonntag sagten 85,5 Prozent der Stimmenden im Kanton Ja zum verschärften Hooligan-Konkordat. Damit ist klar: Die Zürcher haben genug von gewaltbereiten Fussballfans. Noch in diesem Herbst entscheidet die Stadtbevölkerung auch darüber, ob ein neues Hardturmstadion gebaut wird. Wie der ehemalige Kommandant Philipp Hotzenköcherle in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger ausführte, hat die Stadtpolizei grosse Sicherheitsbedenken beim neuen Hardturm. Er schätzt die jährlichen Kosten für Polizeieinsätze auf bis zu eine Million Franken. Die Frage ist nun, welche Rolle diese Bedenken im kommenden Abstimmungskampf spielen.

Für Gian von Planta, Gemeinderat der Grünliberalen und Gegner des neuen Stadions, ist es möglich, dass einzelne Stimmbürger deswegen ein Nein zum Stadion in die Urne werfen werden: «Es gibt hier eine emotionale Komponente: Viele sind nicht bereit, jenen Fans ein neues Stadion zu bezahlen, die keinerlei Bereitschaft zeigen, auf Gewalt zu verzichten.» Dennoch will er den Sicherheitsaspekt nicht ins Zentrum des Abstimmungskampfes setzen: «Krawalle wird es so oder so geben, ob die Spiele nun im Letzigrund oder im Hardturm ausgetragen werden.»

Kosten im Vordergrund

Die Frage sei vielmehr, ob die Steuerzahler nahezu eine Viertelmilliarde Franken und jährliche Betriebskosten von 8,3 Millionen auf sich nehmen wollen: «Dies nur, damit die Fussballfans eine bessere Stimmung haben als im Letzigrund.» Die bei der Bevölkerung unbeliebten Hooligans für den Abstimmungskampf zu nutzen, kommt für von Planta nicht infrage. «Bei den Gesamtkosten spielt die Sicherheit eine untergeordnete Rolle.»

Die beiden städtischen Fussballclubs sehen kaum einen Zusammenhang zwischen der Zustimmung zum Hooligan-Konkordat und der Abstimmung zum neuen Stadion, wie Patrick Lienhart, Sprecher des FCZ, erklärt: «In erster Linie herrscht eine negative Stimmung gegenüber gewalttätigen Fans, dies zu Recht. Eine generell negative Stimmung gegenüber Fussballfans stellen wir aber nicht fest.» Deshalb gehe man beim FCZ nicht davon aus, «dass diese Thematik einen entscheidenden Einfluss auf die Abstimmung haben wird».

Ähnlich klingt es beim Grasshopper Club. Dessen Sprecher Adrian Fetscherin sagt, das neue Stadion bringe für die Sicherheit und den Komfort die viel besseren Möglichkeiten als der Letzigrund: «Zweifler müssten daher umso mehr für das geplante neue Stadion auf dem Hardurmareal sein.»

Komitee stösst auf verhaltenes Interesse

Gemeinderat von Planta ist derzeit daran, ein überparteiliches Komitee zusammenzustellen, welches gegen das 216-Millionen-Projekt, «bei dem die Stadt sämtliche Kosten und Risiken trägt», antritt. Verbündete für seinen Kampf wird er wohl zunächst unter jenen Gemeinderäten suchen, die sich bereits im Stadtparlament gegen das Hardturm ausgesprochen haben oder sich der Stimme enthielten. Die Signale sind dort allerdings verhalten. Die als mögliche Stadtratskandidatin gehandelte Fabienne Vocat (Grüne) macht keine klare Zusage, obwohl sie im Gemeinderat gegen das Stadion stimmte: «Ein erstes Treffen für die Bildung eines Komitees findet nächste Woche statt. Ich werde mir dort eine definitive Meinung bilden.» Grundsätzlich findet Vocat aber: «Wenn sich die Stadt Zürich ein zweites Kunsthaus für die Elitärkultur leisten kann, sollte sie auch ein zweites Stadion für die Massenkultur bauen.»

Auch SP-Gemeinderat Mark Richli, der sich im Gemeinderat der Stimme enthielt, will abwarten. «Bevor sich die Delegiertenversammlung der SP nicht entschieden hat, werde ich keinem Komitee beitreten.» Zwar sei er nach wie vor gegen die Art der Finanzierung des neuen Stadions, mit seinen Anliegen sei er aber in seiner Fraktion unterlegen. «Wenn die Delegierten klar hinter dem Stadion stehen, ist das Komitee für mich vom Tisch. Eine gewisse Loyalität muss sein.»

Aus diesem Grund geht von Planta auch von einem kaum zu gewinnenden Abstimmungskampf aus. «Gegen alle grossen Parteien anzutreten, ist immer schwierig.» Hinzu kommt, dass nun auch die Fussballclubs die Werbetrommel rühren, wie FCZ-Sprecher Lienhart angibt: «Im Sinne einer Roadshow wird in den nächsten Wochen ein Stadionbus durch die gesamte Stadt fahren und an verschiedenen Plätzen der Bevölkerung den Fussball in Zürich und das geplante neue Stadion näherbringen.» Damit sollen auch Personen angesprochen werden, welche sich bislang noch nicht so intensiv mit dem Fussball befassen.

Erstellt: 10.06.2013, 15:35 Uhr

Sucht nach Verbündeten für ein Gegnerkomitee: Gian von Planta, GLP-Gemeinderat.

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