«Einige Taxifahrer sehen ihr Auto als eigenes Wohnzimmer»

Tiziano Pelli, Direktor von Schweiz Tourismus Italien, fordert einheitliche Wagen und schärfere Kontrollen bei den Zürcher Taxifahrern. Deren Interessengemeinschaft wehrt sich.

Keine einheitliche Qualität: Taxis am Zürcher Hauptbahnhof.

Keine einheitliche Qualität: Taxis am Zürcher Hauptbahnhof. Bild: Sophie Stieger

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Regelmässig reist Tiziano Pelli nach Zürich, um Verwandte zu besuchen. Jedesmal nimmt der Direktor von Schweiz Tourismus Italien in der Stadt ein Taxi, das ihn zur Klusstrasse bringen soll. Pelli kennt Zürich gut. Er ist hier aufgewachsen. «Oft muss ich mich aufregen, weil die Taxifahrer nicht den richtigen Weg nehmen», ärgert er sich.

Hin und wieder stellt er die Fahrer auf die Probe, indem er den Ortsunkundigen spielt und Englisch spricht: «Dann wird noch eher ein Umweg gefahren.» Der krasseste Fall, den er erlebte: Ein Fahrer fuhr vom Hauptbahnhof über die Talackerstrasse und das Bellevue, bevor er Richtung Klusplatz steuerte.

Zudem stören ihn die teils schmuddeligen Wagen. «Einige Taxifahrer sehen ihr Auto als eigenes Wohnzimmer.» Der Kunde könne nicht darauf vertrauen, dass er in ein sauberes, rauchfreies Auto steige. Die Qualitätsstandards müssten laut Pelli unbedingt angehoben werden. Seine Vorschläge: einheitliche Vorgaben der Stadt, wie es in einem Taxi auszusehen habe. Zudem Kontrollfahrten durch ein Gremium – inkognito.

IG Taxi wehrt sich

Von einheitlichen Taxis hält Dolores Zanini, Präsidentin von IG Taxi, gar nichts: «Natürlich muss das Auto sauber sein», meint sie. Aber sie selbst habe ein Raucherfahrzeug, und viele Kunden seien darüber erfreut. Zudem sei es für Taxifahrer kaum möglich, sich einheitliche Wagen zu leisten: «Wir sind schon jetzt finanziell unter Druck, das wäre einfach zu viel.» Viel wichtiger findet sie, dass die «rund 200 illegal in der Stadt fahrenden Landtaxis» schärfer kontrolliert werden. «Die haben höhere Tarife und kennen sich nicht aus.» Schon drei Anfragen für ein Gespräch habe sie deswegen an Polizeivorsteher Daniel Leupi geschickt. «Er will aber nicht mit uns reden.»

Erster Kontakt der Touristen

Nicht alle Forderungen von Tourismus-Direktor Pelli sind jedoch neu. Schon vor einem Jahr hatte der Präsident von Zürich Tourismus, Elmar Ledergerber, ähnliche Vorschläge gemacht: Weniger Taxis, härtere Prüfung der Ortskenntnisse von Fahrern und einheitliche blau-weisse Lackierung für die Autos. Letzteres vor allem stiess auf taube Ohren. Der Gemeinderat hatte eine entsprechende Einzelinitiative vor sechs Jahren abgelehnt.

Für Tiziano Pelli ist jedoch klar: «Es wäre vorbildlich, wenn Zürich eine Vereinheitlichung der Taxis und ein höheres Qualitätsniveau verlangt.» Denn «der Taxifahrer ist ein wichtiges Aushängeschild», da er oft der erste persönliche Kontakt eines Touristen sei.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.04.2011, 11:14 Uhr

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