Einkaufen wie bei Tante Emma

Zwei Unternehmerinnen planen eine «Supermarkt-Revolution» – bald auch in Zürich. Hier haben jedoch andere diese Idee bereits umgesetzt.

Bietet über 100 Grundnahrungsmittel zum Abfüllen und reduziert damit den Abfall: Der Bachser Märt in der Kalkbreite. (Foto: TA Archiv)

Bietet über 100 Grundnahrungsmittel zum Abfüllen und reduziert damit den Abfall: Der Bachser Märt in der Kalkbreite. (Foto: TA Archiv)

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Sara Wolf arbeitet gemäss eigenen Worten an einer «Supermarkt-Revolution». Dafür zog die 31-jährige Toggenburgerin vor vier Jahren nach Berlin. In der deutschen Hauptstadt eröffnete sie vergangenen September gemeinsam mit einer Kollegin den Laden Original Unverpackt (OU). Das Konzept ist so einfach wie bestechend: ein Supermarkt, der aus ökologischen Gründen ausschliesslich Güter ohne Einwegverpackung anbietet. Produkte wie Milch, Pasta oder Schnaps werden vom Kunden in ein mitgebrachtes Gefäss abgefüllt.

Bulk-Shopping – Verkauf von unverpackten Waren aus grossen Behältern – heisst der Trend, der auf grosse Resonanz stösst. Selbst der amerikanische Fernsehsender CBC oder die «Huffington Post» berichteten über die Geschäftsidee. «Wir haben einen Nerv der Zeit getroffen. Die Leute rennen uns die Bude ein», sagt Wolf gegenüber der «Aargauer Zeitung». Nun wollen die Freundinnen aus ihrer Idee Kapital schlagen. Das Lädeli mit aktuell 400 Produkten im Sortiment soll zur länderübergreifenden Supermarktkette heranwachsen. Per Franchise-System werden Partner gesucht, die ihr eigenes OU-Lädeli eröffnen. Die Geschäftsgründerinnen stellen dafür ihr Know-how in Seminaren zur Verfügung.

«Nichts Neues»

Am Prenzlauer Berg in Berlin und anderen deutschen Metropolen sollen die nächsten Filialen eröffnet werden. Im nächsten Jahr nimmt Wolf auch die Schweiz ins Visier. In Basel und Zürich stehe man mit potenziellen Geschäftspartnern in Kontakt. Zürcher Quartierladenbesitzer freuen sich über die bevorstehende Konkurrenz: «Aus ökologischer Sicht begrüssen wir das Konzept. Die Verwendung der Plastiksäckli ist in den letzten Jahrzehnten komplett ausgeartet», sagt Heiri Schwarzenbach, Betreiber vom Kolonialwarenhandel und von der Kaffeerösterei Schwarzenbach im Niederdorf.

Gemäss Schwarzenbach ist das OU-Konzept «nichts Neues»: «Ich würde eher von einer Rückbesinnung als von einer Revolution sprechen.» Bei ihm könne jeder Kunde die Produkte in sein eigenes Gefäss abfüllen – «und dies schon seit Jahrzehnten», sagt Schwarzenbach. Es brauche allerdings strenge hygienische Vorschriften, die sich nur in kleineren Läden umsetzen liessen: «Es sollte sich nicht jeder Kunde beliebig aus offenen Gefässen bedienen. Sind zu viele Leute im Laden, wird die Situation unkontrollierbar.»

Nachfrage im Bachser Märt «immens»

Obwohl das Abfüllkonzept auf Gegenliebe stösst, möchte Schwarzenbach die Idee zurzeit nicht weiter vorantreiben: «Meine Kunden kennen die Möglichkeit. Zusätzliche Werbung braucht es dafür nicht.» Einen Schritt weiter geht der Zürcher Unternehmer Patrick Honauer. Im vergangenen August – noch vor der ersten OU-Filiale – eröffnete er in der Kalkbreite den Bachser Märt. Dort werden diverse Produkte wie Teigwaren, Kürbiskernenöl, Maisgriess, Milch, Wein, Schnaps oder Essig unverpackt angeboten. «Die Nachfrage ist immens. Auch Kunden, die ausserhalb von Zürich leben, kaufen bei uns ein», sagt Verkäufer Daniel Scala.

Vor diesem Hintergrund gibt es für Bulk-Shopping auch in Zürich ein grosses Potenzial. Auch wenn die Idee von Unternehmerin Wolf wenig revolutionär erscheint. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2015, 13:48 Uhr

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