«Erst muss sich das Revierverhalten der Männer ändern»

Das Frauendeck der Badi Oberer Letten polarisiert. Die Gegner sagen, das Deck sei schlecht besucht, die Befürworter behaupten das Gegenteil.

Bleibt bestehen, obwohl es umstritten und angeblich schlecht besucht ist: Frauendeck (vorne) im Flussbad Oberer Letten.

Bleibt bestehen, obwohl es umstritten und angeblich schlecht besucht ist: Frauendeck (vorne) im Flussbad Oberer Letten. Bild: Nicola Pitaro

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Der Stadtrat ist bereits zurückgekrebst. Er will nun von seinem Plan ablassen, das Frauendeck im Rahmen der Renovation des Flussbads Oberer Letten aufzuheben. Die Interessengemeinschaft (IG) Frauendeck gibt sich aber noch nicht damit zufrieden. Sie verlangt eine Denkpause bei der Renovationsplanung und fordert den Gemeinderat auf, den Zusatzkredit an seiner Sitzung morgen Mittwoch abzulehnen. Zuerst müssten an einem Runden Tisch «potenzielle Nutzungskonflikte» diskutiert werden, wie die IG in einer heute verschickten Mitteilung verlangt.

Damit ist der geplante neue Gastrobereich gemeint. Die IG ist überzeugt, dass sich dadurch Besucherinnen des Frauendecks gestört fühlen würden. Zudem kritisiert sie die abendlichen Events, die auch auf dem Frauendeck stattfinden.

Gemischter Bereich ist «chronisch überfüllt»

Alles halb so schlimm, ist Stephan Roth überzeugt. Der Pächter des Pier West, des Gastrobetriebs im Flussbad, stellt sich hinter den ursprünglichen Entscheid des Stadtrats: «Ich kann gut nachvollziehen, wieso er das Frauendeck aufheben wollte.» Es sei schlecht besucht und nehme daher zu viel Platz ein, da der gemischte Bereich gleichzeitig chronisch überfüllt sei.

Dem widerspricht Rayelle Niemann von der IG Frauendeck. Sie behauptet gar das Gegenteil: «Das Frauendeck ist jeden Tag sehr voll.» Roths Argumentation sei aber verständlich, schliesslich vertrete er dort seine Geschäftsinteressen. Falls er hin und wieder ein weniger dicht besuchtes Deck antreffe, liege dies wohl an den zahlreichen Events im Flussbad. Dadurch würden sich eben viele Frauen zurückziehen, die eigentlich Ruhe und Entspannung auf dem separaten Deck suchen. «Solange sich das Revierverhalten der Männer nicht ändert, braucht es das Frauendeck», fügt Niemann hinzu.

Petition erhielt knapp 5000 Unterschriften

Die IG-Frauendeck-Initiantin stellt auch die Umfrage von Tagesanzeiger.ch infrage: Von 907 Lesern halten 56 Prozent getrennte Bäder als nicht mehr zeitgemäss. «Das ist ja immer eine ganz besondere Klientel, die bei diesen Umfragen mitmacht», kommentiert Niemann. Viel repräsentativer sei da ihre Petition, die innerhalb von sechs Wochen von knapp 4800 Leuten unterschrieben worden sei. «Alt und Jung, Männer und Frauen unterstützen uns», unterstreicht Niemann.

Noch sind aber die genauen Pläne der Stadt nicht bekannt. Pier-West-Pächter Stephan Roth stand zwar dem Sportdepartement beratend zur Seite, kennt die Pläne aber auch noch nicht. Solange will er sich auch nicht über die Zukunft des Flussbads äussern. Eines sei aber klar: Wenn in Zukunft nur noch ein «Kiöskli» bleiben würde, sähe der Obere Letten bald wieder aus wie vor zehn Jahren, bevor das Pier West ihr Gastroangebot startete. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.07.2010, 15:01 Uhr

Umfrage

Braucht die Badi ein Frauendeck?

Ja klar, die Frauen brauchen Privatsphäre.

 
19.5%

Nein, heutzutage sind gemischte Bäder üblich.

 
61.3%

Egal, es soll bleiben wies ist: Frauendeck am Tag, Lounge am Abend.

 
19.2%

2031 Stimmen


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