Es braucht eine Durchmischung

Die neue Einwanderungswelle tut der Stadt Zürich gut. Für eine gute Durchmischung muss aber mehr getan werden. Res Strehle zur neuen Serie über Zürichs Ausländer.

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Seit der Jahrtausendwende erlebt die Stadt Zürich die dritte grosse Einwanderungswelle nach jener Ende des 19. Jahrhunderts und jener nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie die früheren tut auch die neue ­Einwanderung der Stadt gut, macht sie vitaler, fröh­licher, internationaler. Womöglich macht sie Zürich erst zur richtigen Stadt – wenn Stadt heisst, Differenzen auszuleben und in der Differenz zu anderen ­Kulturen und Lebensweisen offener zu werden.

Das setzt Kenntnis und Verständnis für andere Lebensweisen voraus und auch ein anderes Verständnis von Integration: Die Ausländer müssen sich der einheimischen Kultur nicht angleichen, sie sollen einzig die nicht verhandelbaren Grundwerte wie Demokratie, Integrität, Freiheit und Gleichberechtigung ­teilen und sich im Übrigen nicht abschotten.

Kettenreaktion

Der «Tages-Anzeiger» geht ab heute in einer fünfteiligen Serie der Frage nach, wie Zürichs grösste Ausländergruppen ticken und welche Veränderungen sie im Zürcher Stadtleben bewirkt haben. Der Befund zeigt eine Art Kettenreaktion: In den begehrteren Stadtquartieren haben Expats Schweizer ersetzt, in den günstigeren nimmt der Anteil der Schweizer im Verhältnis zur ausländischen Wohnbevölkerung zu. Der Anstieg der Mietpreise hat in diesen Quartieren dazu geführt, dass Niedrigverdiener verstärkt aus der Stadt gedrängt werden. Das wiederum gefährdet auf Dauer die Durchmischung und damit genau jene ­Qualität, die eine Stadt ausmacht.

Zürich ist wie Basel und Genf städtebaulich auf dem Weg zum Lebensstil einer europäischen ­Metropole. Im Vergleich zu deutschen Städten ­ähnlicher Grösse sind diese drei Schweizer Metropolitanregionen heute internationaler. Und im ­Unterschied zu den beiden anderen stösst Zürichs Wachstum nicht an nationale Grenzen. Wenn die dritte Einwanderungswelle anhält, werden die Verantwortlichen künftig aber mehr dafür tun müssen, dass Stadtquartiere und Agglomeration gut durchmischt bleiben. Dazu gehören bauliche Verdichtung, der ­Ausbau des öffentlichen Verkehrs und bezahlbarer Wohnraum überall.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2015, 23:47 Uhr

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