«Es ist DIE Orgel für mich»

Seit 12 Jahren ist Margrit Fluor Organistin im St. Peter und damit Chefin über 2500 Pfeifen, wie sie sagt. An der Orgel dort mag sie besonders, dass es ein Allround-Instrument ist.

Margrit Fluor an ihrem labilen Instrument. Foto: Sabina Bobst

Margrit Fluor an ihrem labilen Instrument. Foto: Sabina Bobst

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Sie haben gerade geübt. Gings gut?
Soso lala. Ich bin etwas müde, aber zufrieden ist man sowieso nie. Das ist aber auch das Schöne am Orgelspiel. Es gibt mir die Motivation, weiterzuüben, und ich übe auch wirklich gern.

Was fasziniert Sie an der Orgel?
Der Raum, der Klang darin. Man hat ein Orchester unter den Händen, ist sozusagen Chef von 2500 Pfeifen, die nicht in der Gewerkschaft sind. (lacht) Kurz, ich kann machen, was ich will: spielen, ausprobieren, arrangieren . . .

. . . um als Gottes DJ den St. Peter mit himmlischer Musik zu erfüllen?
Das bin ich natürlich nicht. Was ich spannend finde, ist das Zusammenspiel von Wort und Musik. Ob als Einheit oder Kontrast, die Worte geben der Musik mehr Kraft.

Ist es nicht andersrum?
Es ist gegenseitig. Während des Studiums begriff ich das noch nicht so. Da wollte ich einfach spielen und tat mich auch schwer mit der Liturgie, und dass Orgeln überhaupt in der Kirche stehen. Interessant wurde es für mich, als ich eintauchte und dieses Zusammenspiel zu begreifen begann.

Sie spielen mit dem Rücken zum Publikum, stört Sie das?
Man spürt zwar, wenn die Leute zuhören, ist aber schon ziemlich weit weg. Unten hat es auch ein Örgeli, und spiele ich dort, fühle ich mich eigenartigerweise weniger nervös.

Komponist Robert Schumann sagte: «Es gibt kein Instrument, das am Unreinen und Unsauberen im ­Tonsatz wie im Spiel alsogleich Rache nähme als die Orgel.» Stimmt das?
Man sagt noch viel mehr: etwa, dass Organisten unrhythmisch seien. Aber unrecht hat Robert Schumann nicht. Rein klingt eine Orgel nie. Bis man alle Pfeifen gestimmt hat, dauert es eine Woche. Kommt dann ein Föhnsturm, ist alles weg. Die Orgel ist ein sehr labiles Instrument.

Und vom Spiel her?
Auch das ist komplex. Um etwa eine fünfstimmige Fuge zu spielen, muss man den Kopf schon beieinander haben. Habe ich zu wenig geschlafen wie heute, merke ich das jedenfalls sofort.

Die Orgel im St. Peter, ist das DIE Orgel in Zürich?
Es ist weniger DIE Orgel für Zürich, als DIE Orgel für mich. In der Predigerkirche oder im Grossmünster stehen typische barocke Orgeln. Meine im St. Peter ist ein Allround-Instrument, auf dem man auch einmal ein romantisches Stück spielen kann.

Das könnten Sie im Grossmünster nicht?
Doch, aber es klingt anders und wäre anstrengender zu spielen.

Sind Orgeln denn derart ­verschieden?
Das sind sie, ja. Es ist wie in der Architektur. Jedes Land und jede Zeitepoche hat seine oder ihre Eigenheiten.

Sie könnten sich aber schon an die Orgel im Grossmünster setzen und losspielen?
Ich müsste sie zuerst kennenlernen und die Register ausprobieren.

Worin besteht der Unterschied konkret?
Es ist ein Unterschied wie zwischen ­einer mechanischen Schreibmaschine und einer Computertastatur. Die Traktur, der Weg von der Taste zur Pfeife, funktioniert hier elektrisch, im Grossmünster mechanisch.

Das bedeutet?
Dass Welten dazwischen liegen. Die Tastatur der Grossmünster-Orgel verlangt viel mehr Kraft. Auf meinem Instrument schleicht sich dafür schneller ein falscher Ton ein, weil die Tasten weniger Widerstand haben. Das alles merkt aber nur, wer spielt. Für den Laien ist eine Orgel eine Orgel.

Spielen Sie immer im klassischen Bereich?
Nicht nur. Wir haben viele Hochzeiten hier im St. Peter, und nicht selten wünscht sich das Brautpaar Popsongs im Gottesdienst. Die sind zwar nicht meine Welt, ich versuche sie aber trotzdem so zu arrangieren, dass sie gut ­klingen.

Erstellt: 23.11.2014, 22:12 Uhr

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