«Es ist ein Geben und Nehmen zwischen Coiffeuren und Chirurgen»

Der Zürcher Starcoiffeur Valentino schildert, wie Schönheitschirurgie und Coiffeursalons zusammenarbeiten.

«Unser erster Lohn ist die Zufriedenheit der Kundin»: Der Zürcher Coiffeur Valentino empfiehlt nur Mediziner, die er kennt. Foto: Thomas Burla

«Unser erster Lohn ist die Zufriedenheit der Kundin»: Der Zürcher Coiffeur Valentino empfiehlt nur Mediziner, die er kennt. Foto: Thomas Burla

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Geht es bei der Zusammenarbeit mit Schönheitschirurgen um Botox oder grössere Eingriffe?
Es geht über Botox hinaus. Es finden über den ganzen Körper Gespräche statt, und wir weisen die Kundinnen zu den Praxen. Über Ästhetik wird überall geredet. Man hat mit Prominenten, mit Schauspielern zu tun. Wenn wir gefragt werden, geben wir eine Empfehlung. Früher mussten wir unsere Kundinnen ins Ausland schicken, in die USA, nach Brasilien und Asien, wo es diesen Trend schon in den 80er-Jahren gab.

Erhält der Coiffeur eine Provision, wenn er eine Kundin vermittelt?
Unser erster Lohn ist die Zufriedenheit der Kundin. In der Regel ist es ein Geben und Nehmen. Man schaut das nicht als Provision an. Naturalien, Gutscheine, manchmal auch Geld, Gefälligkeiten. Auch wir bekommen viele Kunden, die uns von Schönheitschirurgen vermittelt werden. Da gibt es keine festen Preise.

Kommen die Schönheitskliniken von sich aus auf Coiffeursalons zu?
Ja, da melden sich Kliniken, vom Haartransplantationschirurgen über den Schönheitschirurgen bis hin zum Dentalchi­rurgen. Alle wollen mit uns zusammenarbeiten. Wir empfehlen aber nur gute Leute, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten. Ich kann es mir nicht leisten, meinen guten Ruf zu ruinieren. Wir machen aber nur Empfehlungen für Eingriffe, von denen wir finden, sie bringen etwas. Anfragen von unbekannten Schönheitskliniken und Personen nehmen wir aus Risikogründen nicht an. Wir haben zum Teil Anfragen aus ganz Europa. Die gehen sehr aggressiv mit Provisionen vor. Wir haben sicher zehn bis zwölf Anfragen pro Jahr sowohl aus der Schweiz als auch aus dem benachbarten Ausland.

Umfrage

Friseure, die zur Schönheits-OP raten: Das ist ...





Wissen Sie von anderen Coiffeuren in Zürich, die mit Schönheitschirurgen zusammenarbeiten?
Nein, dieses Thema wird bei uns in Zürich diskret behandelt. Wir sind aber ­sicher nicht die Einzigen, die das machen. Und es sind sicher eher prominente Coiffeure als der Dorfcoiffeur.

Wie machen Sie der Kundin eine verschönernde OP schmackhaft, ohne sie zu beleidigen?
Wir machen nie den ersten Schritt. Wenn die Kundin jedoch fragt, geben wir Referenzen an. Wir pflegen die Beziehung zum Kunden, bauen langjährig Vertrauen auf. Eine Zufriedenheit vonseiten des Kunden muss da sein, nur so entsteht ein Dialog über die eigene Schönheit. Nur bei Haarproblemen, unserem Kerngebiet, erlauben wir uns, Ratschläge in Sachen Haartransplantationen zu machen. Das ist erlaubt.

Nutzen Ihre Kundinnen das Verschönerungsangebot?
Mehr denn je. Das Bedürfnis nach Schönheit und Vollkommenheit hat extrem zugenommen. Vor 20 bis 25 Jahren waren es älter werdende Menschen, die sich liften liessen. Heute fragen schon die unter 20-Jährigen nach Verschönerungsmöglichkeiten, und das geht bis ­hinauf zu den 60-Jährigen. Es gibt keine Altersgrenze mehr. Die Schönheitsindustrie ist auch bei uns tabuloser geworden, normaler. Ich sage aber immer: «Je später, umso besser!» Man muss bei allem, was man macht, Vorsicht walten lassen. Obwohl Schönheit unser Geschäft ist, wollen wir den Schönheitswahn nicht unterstützen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2017, 21:02 Uhr

Zur Person

Valentino

Der 56-Jährige gründete mit 19, nach einer Coiffeur-Anlehre, seinen ersten Salon. Heute führt er ein Beauty-Imperium und gilt als der Starcoiffeur in Zürich schlechthin.

Artikel zum Thema

Ein neuer Beauty-Trend erreicht Zürich

Nach dem Haarschnitt noch eine Schönheits-OP gefällig? Wie Friseure ein neues Geschäft entdecken. Mehr...

Wie die Ärzte im Mittelalter

Kommentar Die Zusammenarbeit von Coiffeuren und Schönheitsärzten birgt eine besondere Ironie. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Blogs

Never Mind the Markets Die Eurozone bleibt instabil
Mamablog Ein Smartphone mit 10?
Outdoor Das Hallenbad ist nicht die Hölle

Die Welt in Bildern

Wintereinbruch: Schafe grasen im Schnee nahe Loch Tay Perthshire, Schottland, Grossbritannien (10. Dezember 2017).
(Bild: Russel Cheyne) Mehr...