«Es war allen klar, dass es so enden würde»

Jugendliche wollten sich am Samstag rächen: Die Polizei sei im Sommer zu hart gegen eine illegale Party vorgegangen. Eine Mithelferin jener Veranstaltung erklärt, warum es nie zu einer Einigung mit den Behörden kommen wird.

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Sarah Hunziker*, am Samstag wurde in anonymen SMS zur illegalen Party beim Bellevue aufgerufen – als Racheaktion wegen des harten Durchgreifens der Polizei bei einer Party, an der Sie mitgeholfen haben. Stecken die Organisatoren des damaligen Events hinter der Aktion?
Nein!

Was halten Sie denn von diesem Aufruf?
Ich finde die Grundidee einer friedlichen Party am Bellevue gut. Auch kann ich zur Provokation stehen, die durch die Wahl des Ortes bewirkt wurde. Dass es zu Krawallen kam, ist schade. Aber es war allen klar, dass es so enden würde. Nach all den Aktionen der vergangenen Zeit konnte man sich das ja denken.

Wie meinen Sie das?
Seit diesem Sommer hat sich die Situation in der Stadt Zürich verschärft. Die Polizei greift viel härter durch, wenn solche Partys stattfinden. Die Kontrollen haben zugenommen. Es herrscht Nulltoleranz. Ich habe inzwischen schon öfter erlebt, wie heftig die Polizei einfährt. Bei der Party unter der Duttweilerbrücke, bei der ich mitgeholfen habe, ist mir besonders eingefahren, wie hart, unkooperativ und gewaltsam ein total friedliches Fest aufgelöst wurde. Beim Bellevue war es sogar noch schlimmer. Es waren natürlich auch viel mehr Leute dort und der Ort war viel zentraler. Trotzdem war das harte Durchgreifen der Polizei nicht gerechtfertigt.

Warum nicht?
Das Argument, dass sie Leute aus Sicherheitsgründen vom Tramhäuschen herunterbitten musste, ist fadenscheinig und die Situation wäre ohne dieses Eingreifen der Polizei wahrscheinlich nicht eskaliert. Die Party war ein Versuch zum Protest gegen die Situation in der Stadt. Wenn so viele Leute kommen, dann muss man sich doch fragen, warum sie sich so leicht für dieses Anliegen mobilisieren lassen. Es besteht offenbar ein Bedürfnis, das man beachten sollte.

Und wie sieht dieses Bedürfnis aus?
Wir wollen eine Alternative zu der Partyszene in Zürich bilden. Es werden leider immer mehr Veranstaltungsorte geschlossen, wo man früher hingehen konnte. Stattdessen gibt es mehr Schickimicki-Klubs und immer öfter werden die ‹alternativen Orte› auch unerschwinglich. Es gibt in Zürich vor allem Klubs mit teuren Eintritten und Getränken, kommerzieller Musik, Dresscode und rassistischen Türstehern. Es braucht mehr Platz für Junge und es soll andere Möglichkeiten zum Tanzen geben, als nur das bestehende Angebot. Die Stadt soll freier und offener werden. Es ist uns ein Anliegen, dass jeder – egal, welcher Gesellschaftsschicht er angehört oder welche Hautfarbe er hat – die Möglichkeit hat, am Zürcher Nachtleben teilzunehmen. Es soll abwechslungsreicher sein und auch eine Plattform bieten für junge DJs und neue Musik.

Warum legalisieren Sie die Partys nicht einfach und holen sich eine Bewilligung dafür?
Es ist unmöglich, für unsere Art von Partys eine Bewilligung zu bekommen. Es wäre schlicht zu teuer und administrativ nicht machbar. Aber die Stadt gehört allen. Solange wir niemanden stören, sollten solche Partys auch ohne Bewilligung möglich sein.

Wie wollen Sie denn in der dicht besiedelten Stadt Zürich eine Party durchführen und dabei niemanden stören?
Natürlich ist uns bewusst, dass wir eine Nachtruhestörung verursachen könnten. Aber wir versuchen alles, um das zu verhindern. Wir suchen uns beispielsweise immer einen Platz aus, an dem es möglichst wenig Anwohner hat – wie beispielsweise unter der Duttweilerbrücke. Ausserdem achten wir darauf, dass der Ort mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden kann. Zudem ist es uns ein grosses Anliegen, alles wieder aufzuräumen und grössere Sachschäden zu vermeiden. Trotzdem würde die Stadt uns nie eine Bewilligung erteilen, an diesen Orten eine Party zu veranstalten.

Dann wird es nie zu einer Einigung zwischen Partyveranstaltern und der Stadt Zürich kommen?
Nein, wahrscheinlich nicht. Die Stadt wird es eh nie so machen, wie wir es möchten.

*Name der Redaktion bekannt

Erstellt: 12.09.2011, 14:33 Uhr

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