Hintergrund

Ex-Boxer will Stadtrat werden

Heute Abend entscheidet die SP-Leitung, wen sie ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Martin Waser schickt. Auf der Shortlist figurieren der frühere Boxchampion Thomas Marthaler und Christine Seidler.

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Die Geschäftsleitung der Stadtzürcher SP teilt heute Abend mit, wen sie ihren Delegierten als Nachfolgerin oder Nachfolger des abtretenden Stadtrats Martin Waser vorschlägt. Davor fühlt sie den Papabili auf den Zahn.

Die Favoriten sind nach wie vor Min Li Marti und Raphael Golta. Sie ist Fraktionspräsidentin im Gemeinderat, er übt dieselbe Funktion im Kantonsrat aus. In der internen Ausmarchung bekommen sie es nun mit einem harten Brocken zu tun. Kantonsrat Thomas Marthaler ist nicht nur ein langjähriger Politiker, sondern auch zehnfacher Schweizer Meister im Schwergewichtsboxen.

Friedensrichter, der auch aneckt

Auf Anfrage bestätigt Marthaler sein Interesse. Der 2-Meter-Mann und Rechtsanwalt mit Executive MBA sass von 1998 bis 2011 im Gemeinderat. Seither politisiert er im Kantonsrat, wo er in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben sitzt. Seine politischen Themen drehen sich um Soziales und Arbeit. Letztes Jahr setzte sich Marthaler mit zwei Ratskollegen aus SVP und FDP für ein Kongresshaus auf dem Carparkplatz oder beim Bahnhof Tiefenbrunnen ein. Dem Standort Geroldareal stand er skeptisch gegenüber.

Marthaler war acht Jahre Stadtammann und Betreibungsbeamter im Kreis 3, seit 2009 ist er Friedensrichter für die Kreise 3 und 9. SP-intern ist er beliebt, eckt aber auch an, weil er seine Positionen auf eine ziemlich direkte Art vertritt. Auch greift er Themen wie Sozialmissbrauch auf, über welche die SP lieber nicht zu viel redet. Aufgefallen ist Marthaler vor zwei Jahren, als er sich bereit erklärte, seinen Platz auf der Nationalratsliste zu räumen, um der ausgebooteten Nationalrätin Anita Thanei Platz zu machen.

Seidler: «Sehr liberal»

Marti, Golta und Marthaler sind in der internen Ausmarchung nicht allein. Gemeinderätin Christine Seidler hat sich heute auf Facebook geoutet: In den allgemeinen Informationen schreibt sie selbstsicher in der Rubrik «Derzeit Kandidat für»: «Stadträtin Zürich». Und unter «politische Einstellung» eine Floskel, die vor allem den Freisinnigen gefallen muss: «sehr liberal». Die Ingenieurin FH sitzt seit 2003 im Stadtparlament. Man munkelt, dass sich eine weitere Frau ebenfalls auf der Shortlist der SP befindet. Nach den Hearings mit der 17-köpfigen Geschäftsleitung, in der auch die vier amtierenden Stadtratsmitglieder – allerdings ohne Stimmrecht – sitzen, können sich die Kandidierenden immer noch zurückziehen.

Es wird erwartet, dass die Partei ihrer Basis mindestens zwei Personen vorschlägt. Vielleicht schickt sie auch gleich alle fünf ins Rennen. In der SP gilt der interne Kampf um die Nomination als fast härter als die Wahl selbst. Gescheiterte SP-Stadtratskandidaten gibt es seit längerem nicht. Die Delegierten entscheiden am 10. September im Kirchgemeindehaus Schwamendingen. Die Gesamterneuerungswahlen für den Stadt- und Gemeinderat sind im Februar 2014.

Erstellt: 27.06.2013, 14:53 Uhr

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