Hintergrund

FC Zürich vs. Stadtpolizei

Die Stadtpolizei verlangt vom FC Zürich für ein Testspiel ein «einfaches Sicherheitskonzept», der FCZ spricht von «nicht verhältnismässigen» Massnahmen und verlegt das Spiel in den Aargau. Wer hat recht?

Offenes Gelände: Sportanlage Heerenschürli in Zürich-Schwamendingen. Gespielt worden wäre auf dem Kunstrasenplatz in der Mitte des Bildes.

Offenes Gelände: Sportanlage Heerenschürli in Zürich-Schwamendingen. Gespielt worden wäre auf dem Kunstrasenplatz in der Mitte des Bildes. Bild: Nicola Pitaro

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Spiele von Clubs der obersten Ligen sind seit der Verschärfung des Hooligan-Konkordats bewilligungspflichtig. Auch Testspiele, wie nun klar geworden ist. Gestern Mittwoch teilte der FC Zürich mit, dass er das Testspiel vom Freitag gegen den zweitklassigen FC Biel nach Baden verlegt. Grund: Die Stadt Zürich habe zu hohe Auflagen gemacht. Konkret sollten die Fans der beiden Clubs kanalisiert ins FCZ-Trainingsgelände Heerenschürli in Schwamendingen eingelassen und die Sektoren der Fans getrennt werden. Zudem sei ein Sicherheitsdienst nötig, so der Stadtclub. Der FCZ erwartete gerade mal 200 Fans fürs Testspiel.

«Wir waren überrascht und erachten die Auflagen als nicht verhältnismässig», sagt heute FCZ-Sprecher Patrick Lienhart gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Das Problem seien nicht hohe Kosten gewesen, sondern die Tatsache, dass das Heerenschürli von allen Seiten zugänglich und nicht abzusperren ist. «Wir haben schon oft auf dem Heerenschürli getestet. Es war uns nicht bewusst, dass dies nun ein Problem ist», sagt Lienhart und erinnert daran, dass Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) und die Städte vor der Abstimmung versichert hatten, das Hooligan-Konkordat «mit Augenmass» umzusetzen. Ausserdem stehe im Konkordat, dass die Behörden Auflagen machen können – nicht müssen. Geplant war ein Match ohne Tickets und Sicherheitspersonal.

«Minimalste Auflagen»

Gemäss Marco Cortesi, Infochef der Zürcher Stadtpolizei, seien nur «minimalste Auflagen» gemacht worden. Die Polizei habe nur ein «einfaches und der Lage entsprechendes» Sicherheitskonzept verlangt. Einige Scherengitter und wenige Security-Männer hätten genügt. «Der Club muss gewährleisten, dass Zuschauer beim Einlass kontrolliert werden können.» Etwa um Alkoholisierte und Pyros vom Spiel fernzuhalten und um Personen mit Stadionverbot erkennen zu können.

Einzelspielbewilligungen mit ähnlichen Auflagen hätten seit letztem August auch die ZSC Lions, der Grasshopper-Club und Young Fellows Juventus erhalten. Sie seien problemlos umgesetzt worden. Gemäss Cortesi hätte der FCZ sein Trainingsspiel auch im Utogrund durchführen können, wo die Infrastruktur geeigneter ist. Von einer Überreaktion der Stadtpolizei könne keine Rede sein. «Ein renommierter Club wie der FCZ sollte in der Lage sein, minimalste Sicherheitsstandards zu gewährleisten.»

Keine Rede von Sektorentrennug

Die Verfügung des städtischen Polizeidepartements (siehe linke Spalte) kommt etwas gar ausführlich daher für ein unbedeutendes Testspiel mit «Risikostufe grün», wie es im Papier heisst. Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass sehr vieles Stehsatz ist, das wohl auch in einer Bewilligung für ein Risikospiel steht. So heisst es etwa: «Der Club setzt bei Bedarf mobile Videokameras ein.» Oder es wird aufgeführt, dass die Polizei Personen «auch unter den Kleidern am ganzen Körper, Körperhöhlen und einsehbaren Körperöffnungen» durchsuchen darf.

Wie bei Spielen gegen den FC Basel heisst es aber weiter, dass der Club das Zutrittsverfahren so gestaltet, dass die Zuschauer «kanalisiert und einzeln einer Zutrittskontrolle unterzogen werden können». Und dass den Personen mit Stadionverbot der Zutritt verwehrt wird. Es ist von einem Sicherheitskonzept die Rede, zum Sicherheitspersonal werden aber keine Auflagen gemacht. Von einer Trennung der Fangruppen und entsprechenden Sektoren steht allerdings nichts. Die Verfügung ist von Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) mit Datum vom 23. Dezember 2013 unterschrieben, Gebühr: 204 Franken.

Klar ist, dass Club und Polizei die Verfügung verschieden interpretieren. Einig sind sich der FCZ und die Stadtpolizei, dass es Gesprächsbedarf gibt. «Der Dialog ist in unserem Sinn», sagt Stapo-Sprecher Cortesi. «Wir müssen wissen, wie es weitergeht. Unter diesen Bedingungen wird es schwierig, im Heerenschürli ein Testspiel zu veranstalten», sagt FCZ-Sprecher Lienhart. Für Meisterschafts- und Cup-Spiele verfügt der FCZ über eine Pauschalbewilligung für die ganze Saison. Seit der Verschärfung des Hooligan-Konkordats seien keine neuen Auflagen dazugekommen, so Lienhart.

Keine Auflagen für GC-Testspiel

Auch der Grasshopper-Club testet morgen Freitag. Um 14.30 Uhr wird der Challenge-League-Club Winterthur auf dem Campus in Niederhasli erwartet – immerhin ein Gegner mit mehr Zuschauerpotenzial als der FC Biel. «Eine Bewilligung oder Auflagen waren bisher kein Thema», sagt GC-Kommunikationschef Adrian Fetscherin. Auch habe es noch nie Probleme gegeben.

GC habe mit der Gemeinde Niederhasli ein Sicherheitskonzept, das je nach Menge der erwarteten Zuschauer angepasst wird. So seien 2012 gegen 1860 München mehr Security-Leute eingesetzt worden als bei anderen Spielen, sagt Fetscherin. Auf dem Campus ist die Infrastruktur Konkordats-verträglicher als in Schwamendingen. Der Zuschauer muss durch ein Tor, das bestens kontrolliert werden kann. GC teilt seine Spieldaten jeweils der Gemeinde Niederhasli mit, die das Polizeiaufgebot danach richtet.

Das verschärfte Hooligan-Konkordat, dem das Zürchervolk mit 85 Prozent zugestimmt hat, ist seit August 2013 in Kraft. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2014, 16:47 Uhr

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Die Polizeiverfügung im Wortlaut (für Grossansicht draufklicken).

Da war die Fussball-Welt noch in Ordnung: Nationalspieler Xherdan Shaqiri am Coca-Cola-Junioren-Turnier im Sommer 2013 auf dem Kunstrasenplatz des FCZ-Trainingszentrums Heerenschürli. (Bild: Doris Fanconi)

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