Fall EWZ: Gleichstellungsbüro bleibt in der Kritik

Der Zürcher Gemeinderat hat den Bericht zu den sexuellen Belästigungen im EWZ akzeptiert – gegen den Willen der Linken.

Kritik von links am Bericht der Geschäftsprüfungskommission: Die Vorgesetzten des EWZ, welche Frauen während zweier Jahre sexuell belästigten, wurden kaum erwähnt. Foto: Steffen Schmidt / Keystone

Kritik von links am Bericht der Geschäftsprüfungskommission: Die Vorgesetzten des EWZ, welche Frauen während zweier Jahre sexuell belästigten, wurden kaum erwähnt. Foto: Steffen Schmidt / Keystone

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Zur Debatte stand am Mittwochabend im Zürcher Stadtparlament der Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) zu den Vorkommnissen in der Abteilung Verteilnetz des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich: Vorgesetzte hatten Frauen während zweier Jahre sexuell belästigt. Am Ende der langen Unter­suchung standen drei Frauen ohne Job da; ein Vorgesetzter kündigte.

Die GPK kam unter anderem zum Schluss, dass die Fachstelle für Gleichstellung, an die sich die Frauen gewandt hatten, «nicht nachvollziehbar» handelte. So leitete diese eine Administrativ­untersuchung ein ohne vorherigen Versuch einer Vermittlung. Die GPK empfahl deshalb zu prüfen, ob in Fällen sexis­tischer Belästigung künftig die verwaltungsexterne Ombudsstelle einzuschalten sei und nicht mehr das Gleich­stellungsbüro. Diese und 17 weitere Empfehlung wurden von der elfköpfigen GPK einstimmig beschlossen, inbegriffen die Mitglieder der SP, Grünen und AL.

Viele offenen Fragen

Gestern im Rathaus verlangten die SP- und die AL-Fraktion die Rückweisung und Überarbeitung des Berichts. Für sie sind viele Fragen unbeantwortet geblieben, zum Beispiel die Schwere der Fälle und die Verantwortung des EWZ-Kaders.

Die GPK habe eine grosse und schwierige Arbeit zu bewältigen gehabt, sagte SP-Fraktionspräsidentin Min Li Marti, da sei es ihr offenbar auch schwergefallen, alles richtig zu würdigen. Namentlich die kausale Verantwortung der Fachstelle für Gleichstellung sei zu einseitig formuliert. Esther Straub (SP) kritisierte konkret, dass die Täter im Bericht kaum vorkommen. Das Wort «Mann» komme nicht vor, das Wort «Frau» aber 87-mal – «ein fatales Ungleichgewicht».

Auch Karin Rykart Sutter von den Grünen rechnete vor: Die Rolle der Fachstelle nehme im Bericht dreimal mehr Platz ein als die Rolle der EWZ-Führung. Die GPK habe aus dem Fall «EWZ» einen Fall «Fachstelle für Gleichstellung» gemacht. Deshalb beantragten die Grünen, den Bericht «ablehnend» zur Kenntnis zu nehmen.

«Lobbying» für die Fachstelle

Nach den Worten von Renate Fischer (SP), der Präsidentin der Untersuchung, waren im Verfahren zu viele Stellen mit unterschiedlichem Wissensstand beteiligt. Wichtig sei für künftige Fälle, dass es ein klares Verfahren mit zentraler Führung gebe. Michael Schmid (FDP), Präsident der GPK, bezeichnete den Bericht als klar und widerspruchsfrei. Die SP ­behaupte nur deshalb das Gegenteil, weil ihr das Ergebnis bezüglich der Fachstelle nicht passe. Doch diese trage eine Mitverantwortung für die Eskalation.

Bernhard im Oberdorf (SVP und GPK-Mitglied) sprach gar von Lobbying, das die SP jetzt für das Gleichstellungsbüro betreibe. Peter Küng (SP), ebenfalls GPK-Mitglied, attestierte der Fachstelle generell eine gute Arbeit, doch in diesem Fall habe sie Fehler begangen. Entscheidend sei jetzt, dass in solchen Fällen künftig eine Vermittlung stattfindet.

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) sprach der Fachstelle, die ihr untersteht, das Vertrauen aus. Vermittlung sei in diesem Fall bald nicht mehr möglich gewesen. Stadtrat Andres Türler (FDP), verantwortlich für das EWZ, nannte den Bericht «sorgfältig und umsichtig». Massnahmen seien eingeleitet worden. Nach zweistündiger Diskussion lehnte die Mehrheit Rückweisung und Ablehnung des Berichts ab und stimmte mit 65 gegen 48 Stimmen für Kenntnisnahme.Neben den Bürgerlichen akzeptierte auch die GLP-Mehrheit den Bericht.

Erstellt: 03.12.2014, 22:59 Uhr

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