Fall Mörgeli: «Andreas Fischer flüchtet nicht»

Der interimistische Rektor Otfried Jarren beteuert, Andreas Fischer habe mit seinem Rücktritt zum Wohle der Universität gehandelt. Druck habe es nicht gegeben.

Verlässt die Universität, um sie vor grösserem Schaden zu bewahren: Der ehemalige Universitätsrektor Andreas Fischer.

Verlässt die Universität, um sie vor grösserem Schaden zu bewahren: Der ehemalige Universitätsrektor Andreas Fischer. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Herr Jarren, wie kam es zum sofortigen Rücktritt von Unirektor Andreas Fischer?
Andreas Fischer hat aufgrund der diversen Vorfälle immer wieder geprüft, was er als Person zum Wohl der Universität beitragen kann. Der Entscheid ist also nicht ad hoc gefallen, sondern gereift. Er hat die Universitätsleitung gestern Mittwochmorgen darüber informiert.

Von aussen hat man aber trotzdem den Eindruck, dass er mit dem Entscheid gerungen hat. Die Mitteilung dazu kam gestern Mittwochabend spät.
Bis alle zuständigen Instanzen informiert sind, dauert es seine Zeit. Mit dem Entscheid gerungen hat Andreas Fischer tatsächlich. Alle, die ihn kennen, wissen, wie stark er sich der Universität verpflichtet fühlt. Der vorzeitige, sofortige Rücktritt ist für Andreas Fischer deshalb sehr bitter.

Nimmt er nun die Verantwortung für sein Tun auf sich, oder ist er ein Kapitän, der das sinkende Schiff verlässt?
Andreas Fischer flüchtet nicht. Er will mit seinem Rücktritt einen Beitrag leisten, dass der Schaden für die Universität nicht noch grösser wird. So hat er es auch in der Mitteilung geschrieben. Und wenn Andreas Fischer etwas ist, dann wahrhaftig.

Weshalb nimmt er selber zum Fall keine Stellung mehr?
Der Druck auf Andreas Fischer ist in den letzten Tagen enorm gestiegen. Diesen muss er erst verarbeiten und hat sich deshalb eine Auszeit genommen. Die hat er auch verdient.

Sie haben den Druck angesprochen. Von welchem Druck sprechen Sie? Vom politischen?
Einen politischen Druck haben sowohl Andreas Fischer als auch ich nicht erlebt. Der Druck wurde durch die Medien verursacht.

Es gab aber auch intern Druck durch die oppositionellen Professoren. Ein Teil der Prorektoren soll sich Anfang Woche mit ihnen getroffen haben.
Ich kann sagen, dass wir mit allen involvierten Gruppen in und um die Universität Gespräche geführt haben. Über deren Inhalt haben wir aber mit allen Beteiligten Vertraulichkeit vereinbart.

Man spricht auch von Querelen zwischen dem Rektor und der Universitätsleitung.
Diese Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen und daneben. Wir sind seit Jahren ein eingespieltes Team. Wir haben immer wieder sachliche Differenzen, die wir aber einvernehmlich zu lösen wissen.

Nun übernehmen Sie die Rolle des Rektors. Wie sieht Ihre Strategie aus, um das Vertrauen in die Universität Zürich wieder zu stärken?
Ich werde als Vorsitzender eines Gremiums meinen Beitrag dazu leisten, dass die Problematik, die von aussen an uns herangetragen wird, gelöst wird. Wir haben bedauerliche Konfliktzonen, aber grundsätzlich läuft der Betrieb der Universität Zürich gut, und sie geniesst über die Landesgrenzen hinweg einen guten Ruf.

Der Uni wurde wiederholt kommunikative Führungsschwäche vorgeworfen. Wie werden Sie das ändern?
Kommunikation ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Das sage selbst ich als Kommunikationswissenschafter. Ich werde diesbezüglich also das Beste geben. Ich werde den Dialog mit allen pflegen, um Transparenz zu schaffen, und die Kommunikation der gesamten Organisation aktivieren.

Wie und wann werden Sie die Studenten und die Unimitarbeiter über die Geschehnisse informieren?
Sobald der Unirat den Rücktritt von Andreas Fischer bestätigt hat, werden wir die Mitarbeiter und Studenten via die gewohnten Kanäle informieren.

Nun hat die Unileitung gestern Mittwoch auch mitgeteilt, dass sie im Fall der Mitarbeiterin am Medizinhistorischen Institut in zwei Punkten zurückkrebst: Auf die Rückforderung der Lohnzahlungen wird verzichtet, und die Lehrbefugnis wird der Professorin nicht entzogen. Warum diese Wende?
Sehen Sie die ganze Sache als Teil eines Verhandlungsprozesses. Die Universität hat ihre Maximalforderungen aufgestellt. Im Laufe dieses Prozesses haben wir gelernt, dass diese Forderungen nicht verstanden werden. Wir haben uns gefragt, ob wir die Sache richtig konzipiert und richtig kommuniziert haben. Und wir sind lernfähig. Deshalb sind wir zum Schluss gekommen, dass wir auf diese beiden Punkte verzichten können.

Warum gibt die Universitätsleitung jetzt trotzdem noch ein externes Gutachten in Auftrag? War der erste Entscheid doch überstürzt?
Der erste Entscheid war nicht aus der Hüfte geschossen, auch nicht vom Zeitpunkt her. Die Universitätsleitung hat diesen sorgsam abgewogen. Wir sind aber dennoch offen, dass dieser Prozess nochmals extern überprüft wird, weil wir lernen wollen, und nicht, weil wir auf Zeit spielen.

Anscheinend wurde die Kündigung der Mitarbeiterin ausgesprochen, als es SVP-Anfragen aus dem Kantonsrat gab, Akteneinsicht in den Fall Mörgeli zu erhalten. Inwiefern stimmt das?
Die Universitätsleitung hat immer betont, dass sie ohne politischen Druck gehandelt habe.

Nun wurden auch Details zur Datenweitergabe bekannt. Wie viele Mitarbeiter sind von der Weitergabe der Metadaten betroffen?
«Metadaten» ist in diesem Fall ein völlig irreführender Begriff, da er sofort an die NSA-Abhöraffäre denken lässt. Wir haben konkret geschaut, bei welchen Telefondaten mit definierten Absendern der Universität und Empfängern des «Tages-Anzeigers» eine gewisse Dichte aufgetreten ist, und haben diese der Staatsanwaltschaft auf ihr Verlangen weitergeleitet. Wo die Dichte erhöht war, hat man auch den Inhalt von E-Mail-Daten weitergegeben.

Warum hat die Unileitung nicht früher detaillierter über die Herausgabe informiert?
Erst jetzt liegen Zwischenresultate dieser Untersuchungen vor, die nach aussen auch kommuniziert werden konnten.

Erstellt: 07.11.2013, 17:03 Uhr

Otfried Jarren übernimmt nach dem Abgang von Rektor Andreas Fischer dessen Geschäfte an der Universität Zürich. Jarren hat Publizistik, Politikwissenschaft und Volkskunde studiert und ist Prorektor der Geistes- und Sozialwissenschaften. (Bild: PD)

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