Falsche Signale nach Bern

Der Kanton Zürich muss den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen nicht vorfinanzieren. Noch nicht.

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Lange hat es gedauert, aber unlängst hat es auch Bern eingesehen: Der Bahnhof Stadelhofen muss dringend um ein Gleis erweitert werden. Und zwar auf Kosten des Bundes. Denn diese Erweiterung kommt nicht nur den Pendlern in der Region Zürich zugute. Wenn im Bahnhof Stadelhofen der S-Bahn-Verkehr blockiert ist, hat auch das Bahnnetz in den umliegenden Kantonen Bauchgrimmen.

Zu Recht hat das Bauprojekt deshalb in Bern erste Priorität. Das ist für Zürcher Bahnausbauten keine Selbstverständlichkeit, man denke nur an die eben erst eröffnete Durchmesserlinie. Hätte der Kanton diese nicht vorfinanziert, wäre sie wohl heute noch erst ein Projekt. Verständlich also, dass etwas ­Misstrauen bleibt, ob der Bund seine Versprechungen in Sachen Stadelhofen auch wirklich wahr mache.

Präventives trötzeln

Dennoch ist es falsch, wenn der VCS und mit ihm die Grünen nun an einer Volksinitiative festhalten, die verlangt, dass der Kanton Zürich auch Stadelhofen vorfinanziert. Das wirkt nicht nur, als traue Zürich dem Bund nicht – und «stämpfele» nun schon einmal präventiv trotzig, noch bevor ein Entscheid gefallen ist. Ganz nach dem Motto: «Wenn ihr uns nicht gebt, was wir wollen, machen wir es halt allein.» Zürich würde auch das Signal aussenden, einmal mehr damit leben zu können, wenn Bern einen Bahnhof auf Pump ausbaut – wobei Zürich erneut das Zinsrisiko trüge.

Das ist voreilig. Wenn der Bund wider Erwarten den Stadelhofen-Ausbau in der Priorität zurückstufen sollte, könnte der Kanton Zürich noch immer eine Vorfinanzierung beschliessen und hätte dabei nichts verloren. Genau das hätte in einem Gegenvorschlag des Kantonsrats verankert werden sollen.

Doch der VCS weigerte sich, seine Volksinitiative zugunsten des Gegenvorschlags zurückzuziehen, und das, obwohl dieser im Kantonsrat wohl eine Mehrheit gefunden hätte. Er will unbedingt seinen Vorschlag vor das Volk bringen – und das ist ein Risiko. Denn ­damit zwingt der VCS etliche Stimmbürger zu einem Nein, denen der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen wichtig wäre. Das wäre kein gutes Signal nach Bern.

Erstellt: 30.06.2014, 22:51 Uhr

Liliane Minor, Zürich-Redaktorin, über den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen.

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