Felix Gutzwiller beendet seine Polit-Karriere

Der 66-jährige freisinnige Zürcher Ständerat tritt im Herbst 2015 nicht mehr zur Wahl an. Kronfavorit für seine Nachfolge ist der 53-jährige Parteikollege und Nationalrat Ruedi Noser.

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Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Der freisinnige Ständerat Felix Gutz­willer bestätigte gestern Rücktrittsgerüchte: «Es ist richtig, ich trete nicht mehr zur Wahl an.» Er habe diesen Entscheid schon vor einiger Zeit getroffen, obwohl er seinen Job immer noch mit Begeisterung mache.

Damit ist klar: Im Herbst 2015 ist ein Zürcher Ständeratssitz neu zu vergeben. Noch bedeckt hält sich die 65-jährige Ständerätin Verena Diener. Die Grünliberale will erst im Januar sagen, ob sie nochmals antritt. Sie betonte allerdings kürzlich, dass sie intensiv mit der Reform des Initiativrechts beschäftigt sei, «eine grosse Arbeit, die noch mehrere Jahre dauern kann». Dies lässt auf eine Wiederkandidatur schliessen. Felix Gutz­willer hat Ständeratskollegin Diener in seine Zukunftspläne eingeweiht.

Vollständiger Rückzug

Gutzwiller ist 1999 in den Nationalrat gewählt worden, ohne dass er vorher ein Parlamentsmandat in der Stadt Zürich oder im Kantonsrat gehabt hätte. Zu jener Zeit war er Professor und Direktor am Institut für Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Zürich – ein Job, den er bis letztes Jahr ausübte. 2007 haben die Stimmberechtigten Nationalrat Gutzwiller mit Verena Diener in den Ständerat gewählt. Die beiden setzten sich gegen Ueli Maurer (SVP) durch. Vier Jahre später wurde das Duo von Alt-Bundesrat Christoph Blocher herausgefordert. Beide mussten gegen den SVPler in einen zweiten Wahlgang, wurden aber gewählt – Gutzwiller sogar mit der höchsten Stimmenzahl, die ein Zürcher Ständeratskandidat je bekommen hat.

Gutzwiller plant einen vollständigen Rückzug aus der Politik. Er bezeichnet ihn als wichtigen Schritt in seiner Lebensplanung. In erster Linie will er wieder selber über seine Agenda bestimmen können. Konkrete Pläne hat Gutzwiller noch nicht. Er will sich aber vermehrt kulturell und karitativ engagieren – am liebsten im Ausland. Unter ­anderem ist Gutzwiller Präsident des Schweizerischen Tropeninstituts in Basel. «In dieser Funktion würde ich gerne einmal eines unserer Projekte vor Ort besuchen, etwa in Tansania.» Dort ist das Institut an der Entwicklung eines Malaria-Impfstoffes beteiligt.

Hohe Hürden bei der FDP

FDP-Präsident und Nationalrat Beat Walti bedauert Gutzwillers Rückzug. «Zürich verliert mit ihm einen ausgezeichneten Standesvertreter», sagte er gestern. Walti will nun parteiintern rasch Gutzwillers Nachfolge klären. Als Kronfavorit gilt Nationalrat Ruedi Noser, der erst kürzlich die operative Leitung seines IT-Unternehmens abgegeben hat und sich beim Bund stark für einen Innovationspark auf dem Flugplatz-Areal in Dübendorf einsetzt. Noser hielt sich gestern bedeckt. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass er gerne Ständerat würde. Gutzwiller sagte gestern über Noser: «Es ist natürlich einfacher, zu gehen, wenn ein so exzellenter Mann für die Nachfolge bereitsteht.» Beat Walti bestätigte gestern ebenfalls, dass Noser ein valabler Kandidat wäre. Laut Walti soll ein Gutzwiller-Nachfolger wenn möglich Erfahrung in der Bundespolitik oder aus dem Zürcher Regierungsrat mitbringen. «Somit ist die Auswahl an Kandidaten nicht allzu gross.»

Kein Interesse am Ständeratsjob hat Nationalrätin Doris Fiala, wie sie gestern sagte. Sie sei in Bern zur leidenschaftlichen Aussenpolitikerin geworden und wolle dabei bleiben, sagte die Europa­rätin. Sie bezeichnet Gutzwiller als ihren «treuesten politischen Verbündeten».

Wegen Mandaten kritisiert

Gutzwiller gilt als integerer und kompromissfähiger Politiker. Allerdings ist er 2004 wegen seiner vielen Ämter in die Schlagzeilen geraten. Der Regierungsrat kritisierte damals, seine vielen Nebenbeschäftigungen seien «kaum vereinbar» mit seinem 80-Prozent-Job an der Universität und einem Nationalratsmandat. Gutzwiller bekleidete damals 23 Nebenmandate in Stiftungen und Verwaltungsräten. Einen Teil davon gab er anschliessend ab.

Um die Gutzwiller-Nachfolge wird sich voraussichtlich nicht nur die FDP bewerben. Die SVP erwägt eine Kandidatur, Kronfavoritin ist Ex-Regierungs­rätin Rita Fuhrer. Auch SP-Nationalrat Daniel Jositsch hat sein Interesse angemeldet, und die Grünen werden womöglich einen Kandidaten oder eine Kandidatin ins Rennen schicken.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2014, 21:40 Uhr

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