Fiala und Leutenegger liebäugeln mit dem Zürcher Stadtpräsidium

Die FDP wird bei den Zürcher Stadtratswahlen 2014 mit zwei Kandidaten antreten. Und auch die SVP will mindestens zwei Kandidaten ins Rennen schicken.

Die FDP-Nationalräte Filippo Leutenegger und Doris Fiala überlegen sich, gegen Corine Mauch anzutreten: Medienkonferenz in Zürich (Archivbild).

Die FDP-Nationalräte Filippo Leutenegger und Doris Fiala überlegen sich, gegen Corine Mauch anzutreten: Medienkonferenz in Zürich (Archivbild). Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mehr als zwanzig Jahre lang war die FDP mit zwei oder drei Sitzen in der Zürcher Stadtregierung vertreten. 2011 und vor einer Woche verlor sie je einen Sitz und ist jetzt nur noch mit Andres Türler vertreten. Das soll sich bald wieder ändern. «Wir werden vermutlich mit zwei Kandidaten antreten», sagt Parteipräsident Michael Baumer. Für ihn ist klar: «Die Parteibasis muss stark einbezogen werden.» Nach den Nebengeräuschen um eine Frauenkandidatur bei der jüngsten Wahl will die Partei offenbar geeint in die Gesamterneuerungswahlen im Februar 2014 antreten.

Namen will Baumer keine nennen. In der Sonntagspresse kommen aber zwei Persönlichkeiten ausführlich zu Wort: die beiden Zürcher Nationalräte Doris Fiala und Filippo Leutenegger. Die 56-jährige Fiala und der 60-jährige Leutenegger äussern sich fast identisch: «Bevor über Namen diskutiert wird, braucht es eine Auslegeordnung», sagt Leutenegger. Die Partei habe bei den letzten Wahlen auf die Person gesetzt, bevor die Wahlkampfinhalte bestimmt wurden, dies müsse sich ändern.

Gegen rot-grüne Dominanz

Seine Ratskollegin Doris Fiala doppelt nach: «Die FDP muss zuerst eine genaue Analyse vornehmen.» Angefragt, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könne, sagt Fiala: «Wenn professionell analysiert ist, wer die grössten Wahlchancen für die Partei hätte und diese geschlossen hinter der Kandidatur stünde, dann würde ich mir eine Kandidatur ernsthaft überlegen.» Zudem müssten von den verbündeten bürgerlichen Parteien SVP und CVP positive Signale kommen. Auch Leutenegger schliesst eine Kandidatur nicht aus. Es müsse aber zu einem direkten Duell mit der amtierenden SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch kommen. Die Wählerinnen und Wähler müssten eine Alternative haben.

Dieser Ansicht ist auch Fiala. Es gehe nicht darum, Mauch abzuschiessen, aber der Freisinn müsse den Mut haben, nach zwanzigjähriger rot-grüner Dominanz auch das Stadtpräsidium anzugreifen. Sie wünscht sich, dass eine bürgerliche Person kandidiere, die über Kantons- und Landesgrenzen hinaus das Image des Standorts Zürich steigern kann. Und Leutenegger will den Wählern eine Alternative zu Verschuldung und überbordenden Staatsaufgaben und Bürokratie – Stichworte: Krippen und Horte – bieten.

«Es müssen die fähigsten Kandidaten sein»

Obwohl die beiden prominenten möglichen Kandidaten einen FDP-Angriff auf das Stadtpräsidium wünschen, für Parteichef Baumer ist dies zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh: «Ich kann dazu noch nichts sagen.»

Die SVP, die seit dem Rücktritt von Kurt Egloff 1990 nicht mehr in der Stadtzürcher Regierung vertreten ist, tritt mindestens mit zwei Kandidaten an. Dies sagt Parteipräsident Roger Liebi. Ziel sei, die rot-grüne Mehrheit zu brechen. Damit sei natürlich auch eine Stadtpräsidiumskandidatur notwendig. Auf die Frage, ob die SVP bei so prominenten Kandidaten wie Fiala und Leutenegger auf einen eigenen verzichten würden, sagt Roger Liebi: «Wir verzichten nicht a priori, im Grundsatz will die SVP antreten.»

Man sei offen für die Ideen der anderen bürgerlichen Parteien, erwarte aber von ihnen dasselbe. Dass eine der zwei oder gar drei SVP-Kandidaten eine Frau sein muss, ist für Liebi nicht zwingend. «Es müssen einfach die fähigsten Kandidaten sein.»

FDP-Frauen wollen eine Frau

Auch für Doris Fiala ist die Genderfrage, also die Geschlechterfrage, nicht vordringlich. Wenn die Partei zwei Männer ins Rennen schicken würde, die den aufgrund der Auslegeordnung gestellten Anforderungen entsprechen würden und am wählbarsten wären, sei dies für sie auch in Ordnung.

Für die FDP-Frauen dagegen sollte die Partei mit einem gemischten Team, bestehend aus Stadtrat Türler und einer FDP-Frau ins Rennen steigen. Das sei ein erfolgreiches Modell und repräsentiere auch die Bevölkerung, sagt Ursula Uttinger, Gemeinderätin und Präsidentin der FDP-Frauen. «Wir dürfen die Frauen nicht vergessen.» Sie verweist auch auf Ursula Gut und Thomas Heiniger im Regierungsrat, die sehr gute Arbeit leisteten. Seit dem Ausscheiden von Kathrin Martelli wünschten sich die FDP-Frauen wieder eine FDP-Frau im Stadtrat.

Gefragt, ob der Hausfrieden innerhalb der Partei nach dem Streit um die Nichtnomination von Carmen Walker Späh wieder gekittet sei, sagt Uttinger: «Es hat mit der Parteileitung eine Aussprache stattgefunden. Jetzt schauen wir vereint nach vorne.»

Erstellt: 29.04.2013, 07:38 Uhr

Corine Mauch
Die 52-jährige SP-Politikerin ist seit 2009 Stadtpräsidentin von Zürich. Sie hat schon bekannt gegeben, dass sie 2014 wieder antritt. (Bild: Dominique Meienberg)

Wahlen 2014

Parteien-Fahrplan
Von den bürgerlichen Parteien treten am 9. Februar 2014 mit Sicherheit CVP-Stadtrat Gerold Lauber (Schul- und Sportdepartement) sowie FDP-Stadtrat Andres Türler (Industrielle Betriebe) wieder an. Die FDP wird ihren Mitgliedern am 14. Mai das Auswahlverfahren vorstellen, die Nomination findet nach den Sommerferien statt. Die SVP wird im September den Delegierten die zwei oder drei Stadtratskandidaten vorschlagen. Bei den Grünen wird sich die gesundheitlich angeschlagene Stadträtin Ruth Genner (Tiefbau- und Entsorgungsdepartement) bis Ende Mai entscheiden, ob sie nochmals antreten will. Wieder ins Rennen steigen will Polizeivorsteher Daniel Leupi. Die Mitgliederversammlung der Grünliberalen wird ihren Kandidaten Anfang Juli nominieren. Die SP wird im Juli die Bewerber vorstellen. Die Nominierung der vermutlich vier Kandidierenden findet am 10. September statt. (hoh)

Kommentar

Vielleicht bleibt nur der Trostpreis
ach der Wahl ist vor der Wahl. Das gilt umso mehr, wenn es bis zur nächsten Wahl nur neun Monate dauert. Und das gilt umso mehr für die Stadtzürcher Freisinnigen, die vor einer Woche bei der Ersatzwahl für ihren Finanzvorstand Martin Vollenwyder eine Schlappe eingesteckt haben, die landesweit Schlagzeilen macht.

Aufgeschreckt von der Niederlage (und der Sonntagspresse) meldet sich jetzt die nationale Parteielite. Parteipräsident Philipp Müller und die beiden prominentesten Stadtzürcher FDP-Politiker, Doris Fiala und Filippo Leutenegger, geben ihrer Zürcher Sektion den Kurs durch: den Kampf ums Stadtpräsidium lancieren! Denn die sozialdemokratische Stadtpräsidentin Corine Mauch sei, weiss Müller, «nicht gerade eine sehr starke Figur». Fiala und Leutenegger bringen für diese Taktik gleich sich selber ins Spiel. Sie würden, so sagen sie, einen Ruf der Partei erhören und in die Hosen steigen. Damit erfüllen die beiden den sehnlichen Wunsch vieler FDPler nach einem «politischen Schwergewicht» im Zürcher Wahlkampf, der Kernstadt des Wirtschaftsfreisinns.

Gerade der geborenen (Wahl-) Kämpferin Fiala ist ein starker Auftritt zuzutrauen. Sie bringt Gewicht aus Bern und Weltläufigkeit aus dem Europarat mit. Eine Kandidatur Fiala verspricht einen substanziellen Wahlkampf, bei dem die Siegerin nicht von Anfang an feststeht.

Die glühende Europa-Politikerin, gerade erst zur Co-Präsidentin der parlamentarischen EU-Gruppe gewählt, muss sich aber auch auf eine Totalniederlage einrichten. Oder darauf, als Trostpreis das einflusslose Schuldepartement übernehmen zu müssen. Wie einst eine andere Frau, die mit Vorschusslorbeeren das Stadtpräsidium angriff: Die LdU-Politikerin Monika Weber, die zwar beim Schulhauseinweihen ganz zufrieden wirkte, aber ihre nationale Ausstrahlung verlor. (ese)

Artikel zum Thema

Stadtratswahlen: Wolff gewinnt, Mauch gratuliert

AL-Kandidat Richard Wolff gewinnt die Stadtratswahl knapp vor FDP-Mann Marco Camin. Auf bürgerlicher Seite regt sich bereits kurz nach der Wahl Protest gegen das Resultat. Mehr...

Mit einem Ex-Politiker will die FDP Martin Vollenwyders Sitz verteidigen

Zürichs FDP-Finanzvorsteher Martin Vollenwyder tritt im Mai 2013 zurück. Als Nachfolger schlägt die Partei den unbekannten Ex-Gemeinde- und Kantonsrat Marco Camin vor. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

«Mir als Zürcherin blutet das Herz»

FDP-Nationalrätin Doris Fiala liebäugelt mit einer Kandidatur für das Zürcher Stadtpräsidium. Die «einseitige linke Dominanz» ist ihr ein Dorn im Auge. Im Gespräch für das Amt sind aber auch weitere FDP-Grössen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...