Fifa zieht am Hauptsitz den Stecker

Jahrelang erstrahlte die Fassade des Home of Fifa auf dem Zürichberg im farbigen Lichtspiel. Nun verzichtet der Fussballverband auf das exklusive Kunstwerk.

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Sepp Blatter versuchte das Gebäude schon bei dessen Eröffnung kleinzureden: «Es ist ein Privathaus für die Familie», sagte er 2006 über den neuen Hauptsitz beim Zürcher Zoo. Tatsächlich ist die Aussenerscheinung des Home of Fifa alles andere als pompös: Es besteht als grauer Monolith, lediglich drei Stockwerke hoch und harmonisch ins anliegende Naherholungsgebiet integriert. «Wir wollen ja nicht imponieren», sagte der damalige Fifa-Präsident. Umso mehr stellt sich die Frage, wie in diesem Bau 300 Arbeitende, ein Archiv, Konferenzräume sowie eine Ausbildungsstätte und ein Logistikzentrum untergebracht sein sollen?

Die Antwort: Im Untergrund, wo sich das Gebäude über weitere fünf Stockwerke in den Boden gräbt. Im Gebäudeinnern relativiert sich die vermeintliche Bescheidenheit. Die insgesamt 37'500 Quadratmeter Nutzfläche sind garniert mit kostbaren Glasarbeiten, Schiefersteinen aus Brasilien und edlem amerikanischem Nussbaumholz. 240 Millionen Franken kostete der Bau der Zürcher Architektin Tilla Theus inklusive Landkauf an exklusiver Lage.

Wie ein UFO über Zürich

Exklusiv ist auch das Lichtkonzept. Es stammt vom amerikanischen Künstler James Turrell – einem der weltweit renommiertesten Künstler in diesem Bereich. Bei Nacht wird der schwebende Bau in ein futuristisches LED-Licht getaucht. Wie ein UFO ragt dann das Home of Fifa über den Dächern von Zürich, jederzeit zum Abheben bereit, wenns brenzlig wird. Doch seit einigen Wochen ist das leuchtende Markenzeichen verschwunden, das Licht ist aus. In der Nacht sind nunmehr bloss die Umrisse des Monoliths erkennbar.

Die Fifa bestätigt eine Meldung der Quartierzeitung «Fluntermer», wonach die Anlage ausser Betrieb sei. «Einzelne Komponenten der Anlage sind defekt und müssen erneuert werden», sagt ein Sprecher zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Ob die Anlage je wieder in Betrieb genommen wird, ist allerdings fraglich. Angeblich verzichtet die Fifa auf eine Erneuerung, da die Instandsetzungs- und Stromkosten zu teuer seien. Der Fifa-Sprecher möchte diese Angaben aus dem «Fluntermer» weder bestätigen noch dementieren.

Exklusives Kunstwerk

Sparmassnahmen bei der Beleuchtung würden zum aktuellen Kurs der Fifa passen. Zuletzt erhielten 36 Mitarbeiter eine Kündigung, weil das Fifa-Museum defizitär war. Das Argument der hohen Energiekosten erschiene allerdings in Zeiten rekordtiefer Strompreise sonderbar.

Würde die Fifa auf eine Erneuerung der Beleuchtung verzichten, wäre dies aus einem weiteren Grund erstaunlich: James Turrell ist ein Künstler von Weltrang. Er liefert keine Kunst ab Fliessband, sondern konzentriert sich auf exklusive Grossprojekte. Wer eines seiner Werke besitzt, gehört zu einem erlauchten Kreis. Vergleichbar mit jemandem, der eine Skulptur von Jean Tinguely im Garten stehen hätte. Diese würde von seinem Besitzer auch nicht einfach so verrostet werden lassen.

«Roden Crater»: Ein ehrgeiziges Kunstprojekt. (Video: Kunstspektrum/Youtube)

James Turrell reagierte bis jetzt nicht auf sein defektes Kunstwerk in Zürich. Das erstaunt nicht. Der 74-Jährige ist trotz seines fortgeschrittenen Alters ein vielbeschäftigter Mann. Das Projekt, das ihn nach wie vor am stärksten umtreibt, heisst «Roden Crater». Es ist das vermutlich grösste Werk eines zeitgenössischen Künstlers.

1974 erwarb Turrell einen riesigen Vulkan in der Wüste von Arizona. Seither ist er damit beschäftigt, ein gigantisches Netz von Gängen und Zimmern in den Vulkanbauch hineinzufräsen. Bis heute ist «Roden Crater» nicht offiziell eröffnet. Wer Turrell in der Schweiz bestaunen will, der löse ein Zugticket nach Zug. Dort erscheint nämlich der Bahnhof seit 2003 im wechselnden Licht des Künstlers.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.04.2017, 12:07 Uhr

Finanzielles Debakel bei der Fifa

Die Fifa weist für letztes Jahr einen Rekordverlust von 391 Millionen Dollar aus, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Dieses Jahr soll der Verlust gar bei 489 Millionen Dollar liegen. Schuld am Debakel sind die explodierenden Kosten für Rechtshändel, das Fifa Museum und die Zuwendungen für Fussball-Entwicklungsprojekte in aller Welt. Mittlerweile sei es so, dass bei der Fifa die Kosten für die Juristen gleich hoch sind wie die gesamten Personalkosten. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht hat die Fifa auch noch offene Rechnungen aus der WM in Brasilien. (mrs)

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