Fotoverbot im Restaurant?

Wer mit Blitz fotografiert, fliegt raus. Diese Regel erliess ein Londoner Starkoch. Wie gehen die Zürcher Toprestaurants mit der Dokumentierwut ihrer Gäste um?

Zu schön, um sie nur zu essen: Kreationen wie diejenigen mit Hummer und Erdbeere von Heiko Nieder vom The Restaurant im Dolder Grand befeuern die Dokumentierwut der Gäste.

Zu schön, um sie nur zu essen: Kreationen wie diejenigen mit Hummer und Erdbeere von Heiko Nieder vom The Restaurant im Dolder Grand befeuern die Dokumentierwut der Gäste. Bild: Fabian Häfeli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Heston Blumenthal, das hochbegabte Enfant terrible der Londoner Gourmetszene, ist bekannt für seinen kompromisslosen Kochstil mit Gerichten wie Curry-Glace oder Fischaugen-Cocktail. Und auch bei der Erziehung seiner Gäste ist der Brite nicht zimperlich. Das Fotografieren der Speisen ist in Blumenthals mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant Fat Duck nur noch auf diskrete Art und Weise erlaubt. Will heissen: im Sitzen und ohne Blitz. Wer sich den Regeln widersetzt, muss gehen.

Zu Blumenthals Ärger hatten dokumentierwütige Food-Porn-Fans im Fat Duck Stative aufgestellt oder waren sogar auf Stühle gestiegen, um die Kreationen auf dem Teller für die spätere Verbreitung auf Social-Media-Kanälen besser ablichten zu können. Ein Phänomen, das auch hierzulande verbreitet ist? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat bei Zürcher Gourmetrestaurants nachgefragt.

50 Prozent der Gäste machen Bilder von ihrem Essen

Im Mesa, wo sich Antonio Colaianni 17 «Gault Millau»-Punkte und einen Michelin-Stern erkocht hat, fotografiert laut Restaurantleiter Reinhard Mayrböck schon jeder zweite Gast sein Essen. «Verhält er sich dabei einigermassen unauffällig, darf er das nicht nur mit dem Handy tun, sondern auch mit einer professionelleren Kamera», sagt Mayrböck. «Ästhetische Bilder aus unserem Restaurant sind durchaus eine Form der Werbung, dagegen haben wir nichts. Der Blitz aber ist tabu.»

Es brauche ein gewisses Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem neuen Phänomen. Immerhin sei das Dokumentieren der kulinarischen Erlebnisse den Menschen ganz offensichtlich ein Bedürfnis. «Aber», so betont der Mesa-Restaurantleiter, «es kommen ja auch viele Gäste für ein romantisches Essen zu uns. Ihre Interessen sind genauso zu respektieren.»

Noch keine Stuhlkletterer im Dolder

«Wir spüren im The Restaurant, dass mehr Bilder gemacht werden als vor dem Social-Media-Zeitalter, feste Regelungen haben wir aber deswegen nicht aufgestellt», sagt Vanessa Flack, die PR-Verantwortliche des Dolder Grand.

Dass jemand auf einen Stuhl geklettert sei, um die mit zwei Michelin-Sternen prämierten kulinarischen Kunstwerke von Chef Fine Dining Heiko Nieder zu fotografieren, habe sie – zum Glück – noch nicht gehört. «Die Klientel im The Restaurant sind eher diskrete Menschen.» Das Dolder-Personal würde Gäste, die mit Blitz oder allzu umständlichem Fotogebaren auffallen, nötigenfalls freundlich ansprechen und um Mässigung bitten. Generell gelte, dass die Ambiance und der Gästebetrieb nicht gestört werden dürften.

«Die Leute sollen sich frei fühlen»

Die Betreiber des mit einem Michelin-Stern geadelten Restaurants Maison Manesse im Kreis 3 stehen dem Fotografieren prinzipiell positiv gegenüber. «Bilder unseres Essens auf den Social-Media-Plattformen sind gratis Werbung, das stimmt schon. Zudem wollen wir kein steifes Lokal sein, sondern ein Ort, an dem sich die Leute frei fühlen», sagt Miguel Ledesma, der sich um die Betreuung der Gäste kümmert. «Wenn jemand den Blitz oder eine grosse Kamera benutzt, nehmen wir ihn aber genauso freundlich zur Seite, wie wenn er sich mehr mit dem Fotografieren als mit dem Essen und seinem Gegenüber beschäftigt.»

Erstellt: 19.02.2015, 11:31 Uhr

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Reparaturen am Schiff: Ein Mann arbeitet auf einer Werft entlang des Buriganga Flusses am südlichen Rand der Stadt Dhaka in Bangladesch. (15. Oktober 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/NurPhoto/Getty Images) Mehr...