Freie Sicht auf den Bahnviadukt

Blick von der Waid auf die Stadt Zürich um 1910.

Vorn im Bild das städtische KrankenheimWaid, 1963 abgebrochen; links das Zentrum von Wipkingen, in der Mitte der 1894 erbaute Wipkingerviadukt.

Vorn im Bild das städtische KrankenheimWaid, 1963 abgebrochen; links das Zentrum von Wipkingen, in der Mitte der 1894 erbaute Wipkingerviadukt. Bild: Photoglob (Keystone)

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Zürich – Das war schon damals die faszinierendste Perspektive auf die Stadt Zürich: vom Käferberg Richtung Süden, die Industrie im Vordergrund, die hohen Berge im Hintergrund. Zuvorderst auf dem Foto ist ein stattliches Wohnhaus mit Turm und Uhren zu sehen, einst eine Wirtschaft und ab 1918 das städtische Krankenheim Waid. Es wurde 1963 abgebrochen.

Wipkingen, seit 1893 ein Quartier der Stadt Zürich und keine eigenständige Gemeinde mehr, hatte um 1900 immer noch viele Felder und Reben, doch die Häuser waren nicht mehr bäuerlich niedrig, sondern wuchsen bereits in die Höhe. Es waren Wohnhäuser für Handwerker und für die Arbeiter, die auf der anderen Seite der Limmat in den Hallen der Escher-Wyss Maschinen herstellten, die in alle Welt exportiert wurden: Textilmaschinen, Turbinen, Pumpen, Dampfmaschinen, Dampflokomotiven, ja gar Dampfschiffe.

Wohnungsboom in Gehdistanz

Die Escher, Wyss & Cie. produzierte bis Ende des 19. Jahrhunderts am Neumühlequai, wo heute die kantonale Verwaltung residiert. Dann wurde die Fabrik zu klein, und es fehlte ein Bahnanschluss. Deshalb zog Escher-Wyss zwischen 1892 und 1895 mit Sack und Pack aufs offene Feld, wo sich die Firma ausdehnen konnte, bis sie zeitweise über 2000 Angestellte zählte (rechts im Bild).

Um die Jahrhundertwende gab es noch kaum öffentlichen Verkehr, weshalb die Arbeiter in Gehdistanz wohnen mussten. Das führte in Wipkingen und Aussersihl zu einem Wohnungsbauboom, zu überrissenen Mieten und auch zur Wohnungsnot. Was wiederum – mit einiger Verspätung – den sozialen Wohnungsbau in der Stadt Zürich auslöste.

63 Bögen für Nordostbahn

Der Eisenbahnvidakut mit seinen 63 Bögen wurde von der Schweizerischen Nordostbahn zwischen 1891 und 1894 gebaut. Er ersetzte den Bahndamm von 1855, der wegen seiner Steigung zusätzliche Lokomotiven zum Ziehen oder Schieben erforderte. Wo der Bahndamm gestanden war, gibt es heute die Röntgenstrasse.

Das ganze Gebiet gehörte damals zur einstigen Gemeinde Aussersihl. Erst 1913 wegen einer Neuordnung der Stadtkreise wurden aus dem Teil von Aussersihl, der sich zwischen Limmat und Gleissstrang befindet, das sogenannte Industriequarter und der Kreis 5.

Erstellt: 13.08.2010, 10:08 Uhr

Fotochrom-Postkarten

«Viele Grüsse aus Zürich»

Seit wohlhabende Touristen im 19. Jahrhundert den Zürichsee , seine Umgebung und die Alpen als Ausflugsziel entdeckten, werden von Zürich aus Postkarten in die ganze Welt verschickt. Die schönsten sind bis heute die Fotochrom-Karten geblieben, welche um 1900 ihre Blütezeit erlebten.

Sie zeigten den Empfängern das Bild einer schmucken kleinen Stadt, die sich anschickte, die grösste Wirtschaftsmetropole der Schweiz zu werden; die mittelalterliche Stadtbefestigung war abgerissen, Hauptbahnhof und Bahnhofstrasse gerade erst erstellt.

Fotochrom ist eine Steindrucktechnik, mit der Schwarzweissbilder nachträglich zu Farbfotos gemacht werden können. Entwickelt hat sie 1886 der Zürcher Hans Jakob Schmid, Lithograf bei Orell Füssli. Das Verfahren war aufwendig, aber qualitativ so gut, dass es Orell Füssli lange geheim hielt und zum Patent anmeldete. Die Konkurrenz versuchte meist vergebens, Fotos in gleichwertiger Qualität zu kolorieren.

1889 gründete Orell Füssli die Tochterfirma Photochrome, um die Erfindung finanziell zu nutzen. Der Verlagschef schickte seine Fotografen in die Welt hinaus und liess sie Städte, Landschaften und Sehenswürdigkeiten fotografieren. Zudem gründete er ein zweisprachiges Monatsmagazin, in dem er die Fotos und Reiseberichte veröffentlichte. Die Tochterfirma heisst heute Photoglob und ist der grösste Ansichtskartenverlag der Schweiz. Da man bis dahin nur düster wirkende Schwarzweissfotos kannte, gingen die Lithografen recht grosszügig mit Farbe um, was zu etwas unnatürlich und kitschig wirkenden Bildern führte. Der Erste Weltkrieg versetzte dem Handel mit Fotochrom-Bildern erstmals einen empfindlichen Dämpfer, die Farbfilme für Fotoapparate in den 30er-Jahren waren schliesslich der Todesstoss.

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