Für E-Mobilität nicht sinnvoll

Formel E hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Eine Replik.

Impression vom Formel-E-Rennen in der Zürcher Innenstadt. Foto: Urs Jaudas

Impression vom Formel-E-Rennen in der Zürcher Innenstadt. Foto: Urs Jaudas

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«Technologiefeinde» wollten künftige Formel-E-Rennen in Zürich verhindern, schrieb Lorenzo Petrò am Dienstag in dieser Zeitung. Das sei «schädlich für die Stadt», und die Kritiker über­sähen, dass «das Formel-E-Spektakel ein Fest nicht nur des Automobils, sondern der elektrischen Mobilität» sei.

Genau darum geht es. Sich an Autorennen zu freuen, soll niemandem verwehrt werden. Dabei aber so zu tun, als hätte die Sache etwas mit sinnvoller Mobilität, gar mit Nachhaltigkeit zu tun: Das ist ärgerlich und falsch.

Gewiss: Die Frage nach der Mobilität der Zukunft ist auch eine technische. Aber es ist in erster Linie die Frage eines sinnvollen Umgangs mit Technik. Wer Rennautos zu Botschaftern einer künftigen Mobilität stilisiert, suggeriert, man könne gesellschaftliche Fragen lösen, indem man nur die richtigen Geräte bereitstelle.

«Was sollen Autorennen zur Entwicklung elektrischer Lieferwagen oder autonomer Personenshuttles beitragen?»

Petrò schreibt, Autos würden «noch sehr lange zum Stadtbild gehören». Aber was sollen Autorennen zur Entwicklung elektrischer Lieferwagen oder autonomer Personenshuttles, die Petrò als Beispiele künftiger Autos nennt, beitragen? Jede Technik hat ihre spezifischen Eigenschaften. Autorennen bauen auf die Stärke des Verbrennungsmotors: auf seine (für die Erfordernisse des täglichen Verkehrs grotesk hohen) PS-Zahlen. Die Stärken der Elektromotoren sind andere, und es wäre ein Schildbürgerstreich, mit dem Verbrennungsmotor entstandene Verkehrssysteme elektrisch nachbilden zu wollen, so wie die Formel E die Formel 1 nachahmt.

Aber vielleicht gehören die Autos ja gar nicht mehr so lang zum Stadtbild. Das suggerieren jedenfalls die Zukunftsvisualisierungen, die ein Formel-E-Sponsor als ganzseitige Inserate in den Zürcher Zeitungen schaltete. Da sind nur noch einzelne autoähnliche Fahrzeuge im Hintergrund zu sehen. Selbst Autofreunden gefällt das Stadtbild offenbar besser, wenn es nicht von Autos zugemüllt ist – egal, ob benzin­getrieben oder elektrisch.


Marcel Hänggi ist freier Umweltjournalist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2018, 23:21 Uhr

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