Für Zürich hat sich die EM trotz böser Überraschung gelohnt

Die öffentliche Hand muss für den Leichtathletik-Anlass mehr zahlen, als erwartet, aber weniger als befürchtet. Der Stadt ist es das Geld wert, weil sie bekommen hat, was sie sich erhoffte.

Solche werbewirksamen TV-Bilder gingen an ein Millionenpublikum: Der EM-Marathon durch die Zürcher Innenstadt.

Solche werbewirksamen TV-Bilder gingen an ein Millionenpublikum: Der EM-Marathon durch die Zürcher Innenstadt. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Seit kurzem ist klar, wie gross das Defizit der Leichtathletik-EM in Zürich wirklich war – und mit wie viel Geld die öffentliche Hand folglich aushelfen muss: Es sind je rund 3,5 Millionen Franken von Bund, Kanton und Stadt Zürich. Das ist etwas mehr, als ursprünglich im schlimmsten Fall erwartet, aber doch weniger, als im Sommer nach Ende des Anlasses befürchtet. Damals kündigten die Organisatoren eine unerwartete zusätzliche Finanzierungslücke von 2 Millionen an. Diese haben sie nun nach eigenen Angaben auf gut die Hälfte reduzieren können.

Der Zürcher Stadtrat wird deshalb jene Krediterhöhung um 400’000 Franken, die er im August beschloss, nur zur Hälfte ausschöpfen müssen. Sportamtsdirektor Urs Schmidig bedauert, dass die finanziellen Aspekte die «an sich sehr erfolgreiche EM» überschatten. Er wolle nichts bagatellisieren, aber mit Blick aufs Ganze sei der Beitrag der öffentlichen Hand vertretbar. Denn es sei fast alles erreicht worden, was sich der Stadtrat vom Anlass versprochen habe.

Zum einen habe die einheimische Bevölkerung am Anlass teilhaben können, etwa dank des Festivals auf dem Sechseläutenplatz und der Langstreckenläufe durch die Innenstadt. Zum anderen habe der Sport einen Impuls erfahren – sogar einen unerwartet grossen dank des Triumphs von Kariem Hussein, der für den Leichtathletik Club Zürich läuft.

358 Millionen TV-Zuschauer

Vor allem aber zeige sich jetzt, dass auch der Werbeeffekt für Zürich im erwarteten Rahmen liegt. Laut den Veranstaltern ergaben Erhebungen der Europäischen Rundfunkunion, dass 358 Millionen TV-Zuschauer die Bilder aus Zürich gesehen haben, wobei Nachrichtensendungen nicht eingerechnet sind. Das ist laut Schmidig ein guter Wert, der im Rahmen vergangener Austragungen liegt. Insbesondere die Aufnahmen der Stadt während des Marathons seien bestes Standortmarketing gewesen.

Auch Martin Sturzenegger, der Direktor von Zürich Tourismus, unterstreicht, dass die Werbewirkung gross war und die Übertragungen ein positives Bild von Zürich transportiert haben. Das trage zur steigenden Popularität der Stadt als Tourismusdestination bei. Schon in diesem Jahr habe die EM dafür gesorgt, dass ein neuer Rekord erzielt worden sei: Noch nie zuvor hätten die hiesigen Hotels in einem Monat über 300’000 Logiernächte verbucht – eine Marke, die laut dem Bundesamt für Statistik im August geknackt wurde. «Dieser Erfolg ist zum Teil sicher der Leichtathletik-EM zu verdanken», sagt Sturzenegger. (hub)

Erstellt: 13.11.2014, 16:11 Uhr

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