Für den Notfall am Prime Tower gerüstet?

In 240 Metern Höhe über New York hingen Fassadenarbeiter nach einem Unfall. Wie Zürich für so einen Fall vorbereitet ist.

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Die Bilder aus New York gehen um die Welt: Am neuen World Trade Center hängen zwei Fassadenarbeiter in 240 Metern Höhe hilflos in ihrer Gondel in Schieflage. Diese hat sich aus ihrer Verankerung gelöst. Erst nach zwei Stunden können Feuerwehrleute die Männer retten, indem sie ein Loch in die Glasfassade des Wolkenkratzers schneiden.

Kein Zürcher Hochhaus kommt auch nur annähernd an die 541 Meter Höhe des neuen New Yorker Wahrzeichens heran. Aber auch eine Rettung von Fassadenarbeitern am Prime Tower (126 Meter), an den Bullinger-Hochhäusern (72–95 Meter) oder am Hochhaus Hagenholzstrasse (88 Meter) würde die Rettungskräfte vor grosse Herausforderungen stellen. Die Fassade des Prime Towers zum Beispiel wird einmal jährlich gereinigt. Abhängig vom Wetter kann sich die Reinigung über bis zu zwei Monate hinziehen, wie Facility-Manager Guido Arnold sagt. Die Gondel der Fensterputzer hängt am Kranarm der Fassadenbefahrungsanlage auf dem Dach.

Für Notfälle ist die Anlage am Prime Tower gut vorbereitet. Sollten die Fassadenreiniger die Gondel wegen eines technischen Defekts nicht mehr steuern können, kann die Steuerung vom Dach aus übernommen werden. Im Fall eines totalen Stromausfalls können Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Gondel mechanisch absenken. Dass sich die Halteseile wie in New York lösen könnten, kann sich Arnold nicht vorstellen. Die Anlage entspreche höchsten Sicherheitsvorschriften und werde jährlich gewartet, sagt er. Aber vollständig ausschliessen könne man ein derartiges Unglück nie.

Rettung von unten oder von oben

In diesem Fall käme eine Spezialtruppe von Schutz & Rettung Zürich zum Einsatz: Die Höhenretter sind dafür ausgebildet, Rettungen in grossen Höhen und Tiefen auszuführen. Für die Bergung von Fassadenarbeitern gebe es kein festes Szenario, sagt Höhenretter Gregor Nigg. Das genaue Vorgehen werde jeweils in einer Lagebeurteilung vor Ort bestimmt.

Bis zu einer Höhe von rund 53 Metern kommt normalerweise der Hubretter zum Einsatz, ein Fahrzeug mit einem ausfahrbaren Hebelarm. Befinden sich die Verunfallten in grösserer Höhe oder lässt sich der Hubretter auf dem Boden nicht platzieren, muss die Rettung von oben erfolgen. «Unsere Einsatzkräfte würden sich vom Dach des Prime Towers abseilen und die Verunfallten bergen.» Grundsätzlich sei es einfacher, Verunfallte nach unten abzuseilen als hochzuziehen, sagt Nigg. Befänden sich die Fassadenreiniger jedoch unweit des Dachs, würden sie hochgezogen. Die Fläche unterhalb der verunglückten Gondel müsste grossräumig abgesperrt werden, damit herunterfallende Gegenstände niemanden verletzen.

Die Seile der Höhenretter sind 200 Meter lang, reichen also für jedes Hochhaus in der Schweiz aus. Bei Bedarf könnten sogar zwei mit Knoten verbunden werden. Die grösste Gefahr bei einer solchen Bergung sei das Wetter, sagt Nigg: «Wenn es zu stark windet, müssen wir uns mit einer Gebäudeöffnung behelfen.» Am Beispiel des Prime Towers würde dies bedeuten, die Fensterfront aufzuschneiden – genau wie in New York.

Die Höhenretter feiern ihr 10-jähriges Bestehen

Erst im vergangenen April führten die Höhenretter in Zürich eine spektakuläre Bergung an einem Hochhaus durch: Am Mobimo-Tower sassen zwei Fassadenarbeiter auf 50 Metern Höhe fest – gerade noch erreichbar für das Hubrettfahrzeug. Trotzdem seilten sich zwei Retter ab, um die Arbeiter an Seilen zu sichern, bis das Fahrzeug platziert war.

Die Höhenretter von Schutz & Rettung Zürich gibt es seit genau zehn Jahren. Zürich ist eine der wenigen Schweizer Städte, die über eine solche Spezialeinheit verfügen. Einsatzanfragen erhalten die Retter darum weit über den Kanton Zürich hinaus. Das Jubiläum werde Ende November zusammen mit den Einsatzpartnern gefeiert, sagt Mediensprecher Roland Portmann.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2014, 13:03 Uhr

Ganz schön hoch: Das neue World Trade Center in New York. Video: Pia Wertheimer

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