Gaukler und Bettler sorgen für Spektakel

Auf dem Münsterhof können sich Besucher heute und morgen beim Mittelalter-Festival auf eine Zeitreise begeben.

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Der Duft von Kräutern vermischt sich mit dem von Lammgigot, Spätzli und Fleischspiess. Ein Hammer jagt auf einen Amboss. Kriegerische Rufe von Soldaten hallen durch den Hof. Ein vorbeiziehender Bettler stösst Gebete und noch lauter Flüche aus. Er stibitzt ein Stück eines Flammkuchens und beisst gierig in eine fremde Wurst. Seine Verwünschungen fahren dem Besucher in die Knochen. Vor dem geistigen Auge baumelt ein Strick.

Kinder, die bei Gauklern Akrobatik üben, lenken von solch schwarzen Gedanken ab. Der Medicus auf der Bühne sucht sich währenddessen einen Patienten, um auf seine Leibeskünste aufmerksam zu machen. Händler bieten Jacken und Schaffelle an, ein Bogenbauer hobelt neben einem Buchdrucker an seiner Waffe.

Die Getränke werden hier am Mittelalter-Spectaculum auf dem Münsterhof in Tonbechern serviert, für die der Besucher einen Aufpreis von drei Frankentalern zahlt. Die Dame im langen Rock von der Gesellschaft zu Fraumünster füllt ihn mit Holunderblütensirup und verlangt drei Taler. Das findet eine Besucherin aus der Neuzeit dann doch zu viel des Guten und winkt leicht erregt ab. Spätzli und Emmereintopf sowie Kabissalat werden am Stand daneben auf Tellern aus Palmblättern angerichtet. Die Fleischspiesse vom Grill gehen selbst für zehn Taler weg wie warme Semmeln an diesem Freitagmittag.

Hochbetrieb bei den Axtwerfern

Armbrustschützen zielen auf die 10 der Scheibe, Kinder fangen mit Spielzeugratten kleine Bälle, Männer werfen mit Eisenkugeln auf Eier, die auf Baumstrünken liegen - Eiertütschis wie anno dazumal. Ein leeres Riesenrad, das diesen Namen eigentlich nicht verdient, lockt zur Fahrt. Die Handleserin und der Märchenerzähler in ihren Zelten und die Gaukler vom Axt- und Speerwerfen ihrerseits haben Hochbetrieb. Eine junge Russin wirft die Axt elegant und scheinbar gekonnt ins Ziel.

Die anderen Besucher schmunzeln. Sie träumen, stellen Fragen und tun vor allem eines: staunen. Und sie flüstern mehr, als dass sie laut reden. Die Gesellschaft zu Fraumünster ist für dieses liebevoll inszenierte Ambiente verantwortlich.

So muss es auf einem Marktplatz im Mittelalter ausgesehen haben. In jener Zeit, die sich als eine allen anderen Zeitaltern überlegene Epoche verstand, die erst mit dem Jüngsten Tag enden wird.

Abends dann, als sich die Nacht langsam über den Platz legt, ziehen Schauspieler für das Stück «Der Ablasskrämer» auf den Münsterhof. Dieser verwandelt sich nun gänzlich in eine Bühne. Einzig das mit den vielen Talern tagsüber erinnerte den Besucher an das 21. Jahrhundert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2008, 08:18 Uhr

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