«Gault Millau»: Die Zürcher Gewinner und Verlierer

Der neue «Gault Millau» ist da. Auf Stadtzürcher Boden gibt es mehrere Gewinner. Und ein paar wenige, die aus der Gourmetfibel rausgeflogen sind.

Neu im Gastroführer mit dabei ist das Garden Restaurant des Dolder Grand: Das Brunchbuffet.

Neu im Gastroführer mit dabei ist das Garden Restaurant des Dolder Grand: Das Brunchbuffet. Bild: zvg

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Drei Restaurants in der Stadt Zürich sind neu in den Gastroführer «Gault Millau» aufgenommen worden – und werden im Volksmund wohl künftig leicht salopp als Gourmettempel bezeichnet: Da ist das Cacio e Pepe im Kreis 3, ein Lokal, das sich der römischen Küche verschrieben hat und auch in Mailand und Rom existiert, wohlgemerkt betrieben von den gleichen Gastgebern. Der «Gault Millau» nennt das Essen dort «unaufgeregt, aber köstlich». Ein Urteil, dem jeder zustimmen wird, der das kleine Juwel an der Zurlindenstrasse schon einmal betreten hat. Vergeben werden dafür 12 Punkte, die unterste Schwelle, um bei den 840 besten Restaurants der Schweiz mitzutun.

Neu dabei ist ebenfalls das Zweitrestaurant im The Dolder Grand, das Garden Restaurant. Es bekommt 13 Punkte, weil «mit grösster Sorgfalt gearbeitet wird», wie die rote Kulinarikfibel konstatiert. Und weil Küchenchef Patrick Hetz sich, so heisst es weiter, in den letzten Monaten aus dem Schatten von Starkoch Heiko Nieder gelöst habe. Letzerer arbeitet ja bekanntlich im gleichen Hotel und zeichnet mit beachtlichen 18 Punkten weiterhin verantwortlich für die am höchsten benotete Küche der Stadt.

Der dritte Neuzugang befindet sich wiederum im Kreis 3: Es ist das Maison Manesse, gleich mit 14 Punkten geehrt – beachtlich für einen Neueinsteiger. Die Tester fanden einen vom australischen Küchenchef Fabian Spiquel siebenfach pochierten Oktopus mit Artischockenherz, Gazpachoschaum und falscher Olive «umwerfend», eine bei Niedertemperatur gegarte Auster mit gelben Tomaten und Champagneressig «fantastisch». Man darf gespannt sein, ob für die verspielt-ambitionierte Küche dort, die auch vor avantgardistischen Kochmethoden nicht zurückschreckt, im nächsten Jahr noch eine Steigerung drin liegt.

Insgesamt weniger Punkte auf Stadtboden

Das Gros der Gastlokale in und um die Stadt wird gleich hoch bewertet wie bisher, allen voran Rico Zandonellas Kunststuben in Küsnacht und Hans-Peter Hussongs Wirtschaft zum Wiesengrund in Uetikon am See mit je 18 Punkten. Innerhalb der Stadtgrenzen darf indes noch von weiteren Aufsteigern berichtet werden, die einen Punkt dazu gewonnen haben: Das Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof hat seinen letztes Jahr kurzzeitig verlorenen 13. Punkt zurückerobert. Ebenso viel wert ist dem Kritikerteam um «Gault-Millau»-Herausgeber Urs Heller das spanisch angehauchte Monte Primero in Hottingen. Auf je 14 Punkte haben sich das italienische La Zagra im äusseren Seefeld, der Heugümper gleich beim Paradeplatz, das ökologisch orientierte Equitable im Sankt Meinrad und die sympathische Brasserie Bernoulli an der Hardturmstrasse gesteigert.

Besonderes Augenmerk verdient derzeit aber vor allem das Spice im Rigiblick, wo der 30-jährige Dennis Puchert in seinem dritten Dienstjahr die Tester mit seiner Konstanz und seiner Präzision überzeugt hat. Ihm gebührt ein beachtlicher 16. Punkt für sein, wir zitieren, «Versprechen für die Zukunft».

Zürich mit 24 Punkten weniger

So gut das alles klingt – isst man in der Stadt Zürich gesamthaft schlechter als vor einem Jahr? Man könnte es glauben, zählt man nur die auf Stadtboden vergebenen Punkte zusammen: Statt gesamthaft 740 im Vorjahr sind es heuer nur noch deren 716. Dies lässt sich aber mit denjenigen Gaststätten erklären, die sich aus dem roten Ringier-Büchlein verabschiedet haben: Dazu gehört das vor einigen Monaten geschlossene Münsterhöfli (ehemals 16 Punkte); das «Eden au Lac», wo man den Küchenchef Sebastian Diegmann ziehen liess (vorher 15 Punkte). Dann der Florhof, der einen Stabswechsel hinter sich hat und gerade aufgefrischt wird; schliesslich das Tao’s, wenige Meter neben der Bahnhofsstrasse, das schon letztes Jahr Tadel einstecken musste. Davon abgesehen ist und bleibt Zürich – Gault hin, Millau her – ein sicherer Hafen für Geniesser.

Erstellt: 06.10.2014, 12:04 Uhr

Winterthur – 68 statt 82 Punkte

Auch auf Winterthurer Boden findet man weniger Punkte als bisher, statt 82 sind es nur noch 68. Dies hat in erster Linie damit zu tun, dass im „Gault Millau“ das Restaurant Concordia (vormals mit 13 Punkten gelistet) nicht mehr auftaucht. Dies wohl deswegen, weil sich der ambitionierte Küchenchef Michael Weber im Frühsommer vom Betrieb verabschiedet hat. Im Übrigen hat auch das Restaurant Strauss einen Punkt verloren und kommt jetzt auf 12 Punkte: «Man muss sich wieder Mühe geben!», schreibt der Gastroführer deutlich. Weiterhin dabei sind Al Giardino mit 13, Pearl mit 16, Bloom mit 13 und der Taggenberg mit 14 Punkten. (boe)

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