Gepäckwägeli verschwinden aus dem HB

Weil viele Passagiere heute Rollkoffer benützen, verschwinden die beliebten Gepäckwägeli bis 2014 aus den Bahnhöfen. Einzige Ausnahme sind die Flughafenbahnhöfe Kloten und Genf.

Seit Jahrzehnten gehören sie zum Bild eines Bahnhofs, laut den SBB braucht es sie nicht mehr: Gepäcktrolli an einem Bahnhof.

Seit Jahrzehnten gehören sie zum Bild eines Bahnhofs, laut den SBB braucht es sie nicht mehr: Gepäcktrolli an einem Bahnhof. Bild: Reto Oeschger

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200 Gepäckwägeli, die sich mit Ein- oder Zweifränklern von der Kette lösen lassen, stehen heute noch am Hauptbahnhof Zürich. Jedes Perron hat fünf Stationen, zusätzlich gibt es markierte Depots in den Unterführungen. Bei den Taxiständen und Tramhaltestellen befinden sich die Rückgabestellen. Auf den Schweizer Bahnhöfen gibts derzeit noch 1400 Rollis.

Das vertraute Bild der Gepäck schiebenden Bahnpassagiere soll bis Ende 2014 aus den Schweizer Bahnhöfen verschwinden, wie die «Eisenbahn-Revue» in ihrer neusten Ausgabe berichtet. Hauptgrund: Die meisten Reisenden würden heute Rollkoffer verwenden, die sich einhändig relativ bequem ziehen lassen. Der SBB-Sprecher Daniele Pallecchi erklärt zudem, dass der Zugang zu den Zügen dank Rolltreppen und Liften bequemer geworden sei und es immer mehr direkte Verbindungen gebe.

Diebstähle und Schabernack

Am HB Zürich verschwinden die 40 Rolli-Stände bereits Mitte 2014. Im neuen unterirdischen Durchgangsbahnhof, der ebenfalls im Sommer 2014 eröffnet wird, fehlen die Gepäckwägeli von Beginn weg. Pallecchi argumentiert weiter, dass die Rollis häufig gestohlen, an den unmöglichsten Orten stehen gelassen oder missbräuchlich verwendet würden – als Sofasitz, Hausbar oder für Gepäcktransporte durch die ganze Stadt.

Ein einzelnes Wägeli kostet 800 Franken. Die Bewirtschaftung ist aufwendig, weil die Rollis von den Taxiständen – oder wo immer sie sonst stehen gelassen werden – wieder zurück auf die Perrons gekarrt werden müssen. Zudem stehen die Rolli-Stationen auf den Perrons häufig im Weg, beim Ausbau des HB Zürich beispielsweise beim Bau der neuen Liftschächte für den unterirdischen Durchgangsbahnhof. Aus mittelgrossen Bahnhöfen wie Baden, Schlieren oder Dietikon sind die Rollis bereits verschwunden. SBB-Sprecher Pallecchi betont jedoch, dass an den meisten Bahnschaltern zwei bis drei Wagen zur Verfügung stehen. Auf Anfrage könnten Passagiere diese ausleihen.

Die Taxifahrer am HB Zürich halten die Abschaffung der Wägeli für keine gute Idee. Alte und schwache Personen oder Reisende mit mehreren Koffern würden die Rollis auch heute noch gerne benützen, erzählen sie. Und vor allem Familien mit Kindern, die besonders viel Gepäck mitschleppen und ihren Nachwuchs im Bahnhof an der Hand führen wollen. Ein älterer Taxifahrer am HB kritisiert die Argumente der SBB als unlogisch. «Dann müssten auch Coop und Migros ihre Einkaufswägeli abschaffen.» Zudem: Rollkoffer gibt es schon seit Jahrzehnten – und nicht erst seit den Märkliaktionen von Coop.

Pro Bahn: «Kalter Abbau»

Nur in den beiden grossen Flughäfen bleiben die Rollis. In Kloten werden nur Gepäckwagen der Flughafen Zürich AG eingesetzt, wie Sprecherin Jasmin Bodmer sagt. Passagiere dürfen diese im ganzen Terminal benützen – von der Gepäckausgabe bis zum Bahnperron. Im Gegensatz zu den SBB-Rollis sind die Flughafen-Wägeli zudem gratis. Die Wägeli werden auf den Bahnperrons von SBB-Mitarbeitern eingesammelt, im Terminalbereich ist der Flughafen für Rückführung und Ordnung zuständig.

Die Abbaupläne der SBB werden von der Passagier-Lobby-Organisation Pro Bahn Schweiz heftig kritisiert. «Die Rollis haben sich seit Jahrzehnten bewährt und sind noch immer sehr beliebt», sagt Präsident Kurt Schreiber. Das Argument der SBB, dass es immer mehr direkte Verbindungen gebe, stimme nur sehr bedingt. «Reisende aus Graubünden müssen auf dem Weg zum Flughafen noch immer in Zürich umsteigen – eine Lösung ist nicht in Sicht», sagt Schreiber. Die SBB würden im Bereich der Kundenfreundlichkeit «einmal mehr den Weg des geringsten Widerstandes gehen». Pro Bahn Schweiz werde sich mit der Abschaffung der Rollis nicht abfinden und versuche den kalten Abbau beim Dienst am Kunden noch zu stoppen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2013, 07:37 Uhr

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