Gewerbler wehren sich für Nachtleben an der Langstrasse

115 Anwohner des Langstrassen-Quartiers beklagen sich beim Stadtrat über erhöhten Lärm und Abfall von Partygängern. Durch eine Petition soll das Partyleben an der Langstrasse nun erhalten bleiben.

Soll auch in Zukunft belebt sein: Die Zürcher Langstrasse.

Soll auch in Zukunft belebt sein: Die Zürcher Langstrasse. Bild: Ueli Christoffel/Keystone

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Nach der Drogenszene und dem Strassenstrich sorgt nun das Partyvolk an der Langstrasse für Aufruhr. 115 Anwohnerinnen und Anwohner des Quartiers klagen über massiv erhöhten Lärm und Abfall, verursacht durch den allnächtlichen Partybetrieb. In einem eingeschriebenen Brief an den Stadtrat forderten sie die Behörde zum Handeln auf. Als Antwort auf diese Klage hat das «Kult Magazin» unter der Leitung von Pete Stiefel gestern Nachmittag eine Gegenpetition gestartet. Für ihn steht fest: Die Langstrasse ist eine Kultur- und Ausgangsmeile und soll es auch bleiben. Dafür kämpft er mit der Unterschriftensammlung.

«Mit der Petition wollen wir die 115 Anwohnerinnen und Anwohner der Langstrasse keineswegs mundtot machen», erklärt Stiefel. Ihm sei aber wichtig, auch den Gewerblern und Gastronomen Gehör zu verschaffen und den Stadtrat davor zu warnen, mit noch mehr Regeln das Leben im Langstrassen-Quartier zu ersticken.

Bezüglich des erhöhten Lärms und Abfalls gibt Stiefel den Anwohnern recht. «Es ist leider ein Zeichen der Zeit», sagt Stiefel. Er appelliert an die Partygänger, Respekt für die Anwohner zu zeigen. Erstaunt über die Zunahme der Reklamationen ist er jedoch nicht: «Einige Ausgehquartiere wurden zu Wohnquartieren – etwa das Niederdorf.» Dass sich die ganze Partyszene und somit auch der Lärm auf die Langstrasse verlagert habe, sei zu erwarten gewesen. «Schliesslich muss es in einer Stadt eine Möglichkeit geben, das Nachtleben zu erhalten», sagt er. Solange es sich um legale Aktivitäten wie beispielsweise eine Bar in einem Hinterhof handle, müssen das die Anwohner dulden.

Stiefel zeigt sich enttäuscht über deren geringe Toleranz. Die Anwohner sollten sich bewusst sein, dass sie in keiner ruhigen Idylle wohnen. «Das ist schon seit über 40 Jahren so», sagt Stiefel. Vor allem Neumieter drohten vermehrt mit der Polizei – was für die bereits langjährigen Barinhaber unverständlich sei. «Die Langstrasse ist nun mal eine Ausgangsmeile, da gehört ein gewisser Lärmpegel dazu», meint Stiefel.

Stiefel will verhindern, dass eine ähnliche Entwicklung, wie er sie im Niederdorf beobachtet, auch an der Langstrasse eintritt: Während im Niederdorf vor rund 20 Jahren das Ausgangsvolk von Bar zu Bar zog, sei es heute zu einem ruhigen Wohnquartier geworden. «Wir sind nicht einverstanden, dass eine weitere Wohlfühloase entsteht», sagt Stiefel. Es reiche, dass aus dem Niederdorf ein kleines Ballenberg Museum geschaffen wurde und dass das Seefeld heute ein Wohnquartier für Gutverdienende sei.

Mit seiner Meinung ist Stiefel nicht alleine: Neben den schon über tausend gesammelten Unterschriften zeigt die Kommentarspalte der Onlinepetition auf, dass nicht nur Partyvögel das Nachtleben der Langstrasse erhalten wollen. «Bemerkenswert ist, dass einige Anwohner des Langstrassen-Quartiers explizit erwähnen, dass sie ihren Wohnsitz bewusst wegen der Atmosphäre wählten», sagt Stiefel.

Erstellt: 29.04.2015, 16:58 Uhr

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