Gewerkschaften wollen 1.-Mai-Slogan nicht am Umzug sehen

«So nicht», sagen die grossen Zürcher Gewerkschaften Unia, VPOD, Kommunikation und Comedia: Sie meinen ihre künftige Zusammenarbeit mit dem 1.-Mai-Komitee.

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Für die Gewerkschaften ist klar: Mit seinem «verfänglichen und verantwortungslosen» diesjährigen Slogan «Verlieren wir die Beherrschung» spielt das Komitee - es vereinigt diverse Organisationen - mit dem Feuer. Dies kommt laut einer Mitteilung der Gewerkschaften von heute Freitag nur den politischen Gegnern des 1. Mai entgegen.

Die Zürcher Gewerkschaften seien bei der Erarbeitung des Slogans nicht beteiligt gewesen. «An der 1.-Mai-Demonstration ist er nicht erwünscht». Die Gewerkschaften distanzierten sich nämlich «klar und unzweideutig von jeglicher Gewaltausschreitung» rund um die Demonstration zum Tag der Arbeit.

Zweideutigkeiten «nicht akzeptabel»

Das Gleiche erwarten sie vom 1.-Mai-Komitee. Zweideutigkeiten gegenüber solchen Ausschreitungen «sind nicht akzeptabel», heisst es in der Mitteilung. Die Arbeitnehmenden und ihre Familien hätten ein Recht darauf, auch in Zürich ihre Anliegen «ohne störende Nebengeräusche» zum Ausdruck zu bringen.

Um zu einer Deeskalation beizutragen, hätten die Gewerkschaften in den letzten zwei Jahren auf einer zeitlichen und räumlichen Trennung von Demonstration und Fest bestanden, schreiben die Gewerkschaften weiter. Dies müsse auch dieses Jahr so sein.

Das 1.-Mai-Komitee wehrt sich gegen die Auflage der Stadt, das Fest im Zeughausareal erst um 20 Uhr beginnen zu lassen - Stunden nach der Schlusskundgebung auf dem Bürkliplatz. Es hat bisher noch nicht entschieden, ob es diese Einschränkung akzeptiert. Auch die SP möchte schon am Nachmittag beginnen.

Zusammenarbeit in Frage gestellt

Für die Organisation künftiger Tage der Arbeit müsse man «über die Bücher», sagte Remo Schädler von der Unia. Man werde sicher nicht mehr mit Organisationen zusammenarbeiten, die sich nicht klar und ausdrücklich von Gewalt distanzierten.

Diese Distanz müsse auch in einem Slogan zum Ausdruck kommen. Es gehe nicht an, dass man überlegen und sich winden müsse, um ihn zu interpretieren. Bisher habe man es hinbekommen, dass die Gewerkschaften und Organisatoren nicht mit den gewalttätigen Ausschreitungen in Verbindung gebracht worden seien. Das sei mit dem diesjährigen Komitee-Slogan in Frage gestellt.

Am 1. Mai 2010 gehe es um den Protest gegen die zunehmende Ungerechtigkeit in der Gesellschaft, wie die Gewerkschaften schreiben: Eine kleine Kaste von Abzockern reisse immer grössere Teile des erarbeiteten Reichtums an sich, während sich eine grosse Mehrheit der Bevölkerung um die Früchte ihrer Arbeit geprellt sehe. Zudem werde die soziale Sicherheit demontiert. (cim/sda)

Erstellt: 16.04.2010, 10:48 Uhr

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