Globus verliert den Standort am Bellevue

Die Immobilienbesitzerin PSP lässt das Gebäude totalsanieren – deshalb muss die Warenhausgruppe bald ihren Zürcher Prestige-Standort räumen.

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«Globus am Bellevue» steht in grossen Lettern auf dem Dach des Warenhauses gegenüber vom Sechseläutenplatz in Zürich. Es ist kurz vor neun Uhr abends, und der Schriftzug ist hell erleuchtet. Nur das «am» ist erloschen. Nicht nur um die Leuchtschrift, auch um Globus stand es schon besser. Die Warenhauskette kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen. Im vergangenen Juni verkündete die Eigentümerin Migros, sie wolle sich von der Luxusmarke trennen. An seinem Paradestandort beim Bellevue trifft es Globus schon bald mitten ins Herz.

Recherchen des TA zeigen: Globus muss dort raus. Die Immobilienbesitzerin PSP Swiss Property bestätigt, dass eine Komplettsanierung der Liegenschaft an der Theaterstrasse 12 ansteht. Der Mietvertrag läuft darum 2022 aus. Die Arbeiten sollen voraussichtlich ein Jahr später beginnen und einige Monate andauern.

Liegenschaft aufwerten

Während der Sanierung sei das Gebäude nicht nutzbar. «Wir haben festgestellt, dass die Technik veraltet ist», sagt PSP-Sprecher Vasco Cecchini. Zudem wolle man die Gebäudehülle erneuern. Die Massnahmen sollen die Liegenschaft aufwerten und sie dem Sechseläutenplatz und der Umgebung anpassen.

Für Globus dürfte der Rausschmiss ein herber Verlust sein. Neben der Bahnhofstrasse gilt der Standort beim Bellevue als hoch frequentiert. Der nahe gelegene Bahnhof Stadelhofen, das Bellevue als Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs sowie das Opernhaus spülen täglich mehr als zweitausend Hungrige in die «Food Hall» im Erdgeschoss des Warenhauses. Der Jahresumsatz des Gastroparadieses belief sich vor fünf Jahren auf gut zwölf Millionen Franken.

Kundschaft in Scharen

Nach dem Umbau von 2003 wurde die neu geschaffene ­Globus-«Food Hall» unter dem Slogan «Fastfood für die Goldküste» eröffnet. Vormieterin war die Globus-Tochter ABM gewesen. Diese befand sich mit ihren Warenhäusern damals gerade in Abwicklung. Sie hatte es versäumt, sich und ihr Angebot dem sich wandelnden Umfeld anzupassen. Globus übernahm den Standort an Toplage.

Mit dem neuen Gastrokonzept kehrte die Kundschaft in Scharen zurück. Um die Mittagszeit beginnt die Schlange vor der Salattheke oft schon am Eingang. Um die Sitzplätze wird hart gekämpft. Das Food-Geschäft im Bellevue-Globus läuft so gut, dass seit zwei Jahren das Restaurant «Tatar» mit Gault-Millau-Koch Nenad Mlinarevic im ersten Stock die Verkaufsfläche wiederbelebt.

Insgesamt belegt Globus mit seinem Verkaufs-, Gastronomie- und Foodangebot drei Etagen des grossen grauen Betonklotzes. Weitere Mieter im Gebäude sind unter anderem Mobilezone und Activ Fitness. Bei allen wird der Mietvertrag nicht verlängert.

Die «Food Hall» macht 30 Prozent Rendite, schätzt die «Bilanz» – viel für einen Zürcher Gastrobetrieb.

Ob sie nach Abschluss der Sanierungsarbeiten einen neuen Vertrag abschliessen und wieder einziehen können, steht noch in den Sternen. «Es ist zu früh, etwas Konkretes zu sagen», sagt Cecchini von PSP. «Wir stehen mit den Mietern in Kontakt, und einige sind durchaus interessiert, nach der Sanierung wieder in das Gebäude zu ziehen.» Auch mit Globus werde man beizeiten weiterschauen.

Noch-Globus-Eigentümerin Migros gibt «aufgrund der gegenseitigen Vertraulichkeit» mit der Vermieterin PSP keine Auskunft über ihre Pläne. Klar ist, dass der Mietvertrag «in der heutigen Form» ausläuft. Das weiss die Migros bereits seit drei Jahren. Auf die Suche nach einem Käufer für Globus habe das allerdings keinen Einfluss. Dieser soll frühestens 2020 feststehen. Was danach mit der Luxusmarke passiert, ist unklar. Ebenso, ob der neue Besitzer den Standort am Bellevue wieder beziehen will und – falls ja – mit welchem Angebot.

Teuer, aber bezahlbar

Die PSP beschreibt den Standort als «prominent, mit einer hohen Frequenz in einem bedeutenden Umfeld». Ein Immobilienex­perte schätzt den jährlichen Mietzins pro Quadratmeter Retailfläche auf Erdgeschossebene an dieser Lage auf zwischen 1400 und 2000 Franken. In den oberen Stockwerken seien Quadrat­meterpreise zwischen 750 und 1000 Franken im Jahr realistisch. Teuer, aber bezahlbar. Zumindest, wenn man den Standort mit der Bahnhofstrasse vergleicht, wo der Quadratmeter pro Jahr bis zu 9000 Franken kostet.

Die Fläche der gesamten Bellevue-Immobilie beläuft sich auf knapp 6600 Quadratmeter. Ein Drittel davon ist Bürofläche, der Rest wird als Verkaufsfläche vermietet – über 2000 Quadratmeter davon nutzt Globus. Die Fläche, die in etwa ein Drittel eines Fussballfelds ausmacht, kostet im Jahr also schnell einmal über drei Millionen Franken. Mit Sicherheit werde die Qualität des Standortes durch die Investitionen unterstrichen, sagt ein Branchenkenner.

Im Vergleich mit anderen Standorten komme der Globus am Bellevue aus Umsatzperspektive nicht unter die Top 5 der Globus-Warenhäuser, heisst es auf Anfrage. Was jedoch der relativ kleinen Grösse und dem limitierten Warenhaussortiment geschuldet sei. Die Rendite der «Food Hall» macht hingegen rund 30 Prozent ihres Umsatzes aus, wie die «Bilanz» 2014 schätzte. Für einen Gastrobetrieb in Zürich sei das hoch.

Seit 2014 kämpfen die «Magazine zum Globus», wie das Unternehmen formell heisst, mit schrumpfenden Einnahmen. Zuletzt erwirtschaftete die Luxusmarke 808 Millionen Franken – 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr – und schrieb Verluste.

Bellevue, blinkend

An der Theaterstrasse 12 stehen Veränderung bevor. Doch bevor Globus in drei Jahren vor die Tür gesetzt wird, verköstigt das Warenhaus in der «Kantine der Goldküste» weiterhin seine zahlreichen Gäste mit Salaten, Sushi oder Thai-Gerichten.

Selbst an einem kühlen Abend im August sind die zehn Tische im Freien fast voll besetzt. An der Fassade des Warenhauses steht der gleiche Schriftzug wie am Dach: «Globus am Bellevue». Und er leuchtet hell. Nur das Wort «Bellevue» blinkt hektisch in der Dämmerung. Als würde es sich gegen das drohende Ende wehren.

Erstellt: 14.08.2019, 22:00 Uhr

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