Gratis-Badi für alle?

Zürcher sollen gratis Sport treiben dürfen. Das fordert eine neue Volksinitiative. Interessant sind die Absender.

Gratis in die Zürcher Badi: Die PdA-Initiative will, dass Eintritte wie hier in der Letzibadi wegfallen.

Gratis in die Zürcher Badi: Die PdA-Initiative will, dass Eintritte wie hier in der Letzibadi wegfallen. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Eigentlich ist der Zürcher Anwalt Marcel Bosonnet für seinen Einsatz für so prominente wie umstrittene Klienten bekannt: Whistleblower Edward Snowden, PKK-Anführer Abdullah Öcalan, Linksaktivistin Andrea Stauffacher oder «Carlos», der Terrorist der 70er-Jahre, sowie «Carlos», der jugendliche Schläger aus Zürich. Jetzt will Bosonnet aber in der Lokalpolitik etwas erreichen, nämlich die Gratis-Badi für alle: «Der Zugang zu den städtischen Sport- und Badeanlagen ist kostenlos», heisst es im Initiativtext der Vorlage «Sportstadt Züri», welcher heute Mittwoch im Amtsblatt veröffentlicht wurde.

Bosonnet ist Mitglied des Initiativkomitees. Hinter der Idee steckt die Partei der Arbeit (PdA). «Wichtige Bedürfnisse wie Sport müssen allen zur Verfügung stehen und nicht vom Geld abhängen», sagt Bosonnet zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Deshalb wolle die PdA mit der Initiative erreichen, dass alle Sport- und Badeanlagen der gesamten Bevölkerung und den kleinen Vereinen gratis zur Verfügung stehen. Ein Eintritt in ein Hallen- oder Freibad kostet derzeit bis zu 8 Franken. «Das kann für eine Familie schnell einmal über 20 Franken werden», rechnet Bosonnet vor.

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Erst vor einigen Wochen hat die PdA Zürich angekündigt, dass sie bei den Gemeinderatswahlen im nächsten Jahr wieder antreten will. Als Wahlkampf-Instrument will Bosonnet die Initiative aber nicht verstanden wissen: Zweifellos könne man das so sehen, doch es handle sich weder um einen billigen Gag noch um Propaganda. Vielmehr stehe die Initiative für die Kontinuität der Partei. Auf kantonaler Ebene habe die PdA mit einer Initiative versucht, die Umverteilung von Geld voranzutreiben; sie sei aber als verfassungswidrig eingestuft worden.

Will die Gratis-Badi: Der Zürcher Anwalt Marcel Bosonnet. Bild: Nicola Pitaro

Während Umverteilung klar nach einem kommunistischen Anliegen klingt, riecht die Gratis-Badi weniger nach Klassenkampf. Bosonnet sagt aber, dass durch die Initiative eben genau die Armen profitieren würden. Es gehe den Initianten um die Gesundheit der Bevölkerung. «Studien zeigen, dass ärmere Bevölkerungsschichten viel weniger Sport betreiben», sagt er. Deshalb sollen die Eintritte nun wegfallen, für alle städtischen Sportanlagen.

Kostenpunkt: 17,5 Millionen

Weiter sollen auch Sportvereine profitieren. Neben dem freien Eintritt für Einzelpersonen fordert die Initiative, dass beispielsweise Fussballclubs, die weniger als 100'000 Franken einnehmen, der Stadt keine Miete mehr für Sportplätze bezahlen müssen. «Obwohl rund ein Viertel der Bevölkerung im Kanton Zürich in einem Sportverein ist, sind viele der Vereine defizitär», sagt Bosonnet. Würde die Miete wegfallen, würde das Budget entlastet. «Das Budget der Stadt würde durch unsere Initiative hingegen um 0,2 Prozent belastet», sagt Bosonnet. «Das sollte die Gesundheit unserer Bevölkerung wert sein.» 0,2 Prozent des städtischen Budgets entsprechen aktuell rund 17,5 Millionen Franken. Die PdA hat jetzt sechs Monate Zeit, um die 3000 Unterschriften für die Initiative zu sammeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2017, 10:51 Uhr

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