Grieder wollte das Haus selber kaufen

Das Modehaus unterlag Swatch beim Verkauf seines Stammhauses. Die Uhrenhändler an der Bahnhofstrasse äussern sich nur zurückhaltend zu den möglichen Plänen des Bieler Konzerns.

Macht Swatch daraus einen Uhrentempel? Das Grieder-Haus am Paradeplatz hat den Besitzer gewechselt. Foto: Urs Jaudas

Macht Swatch daraus einen Uhrentempel? Das Grieder-Haus am Paradeplatz hat den Besitzer gewechselt. Foto: Urs Jaudas

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Nach dem Verkauf des Grieder-Hauses durch die Credit Suisse an Swatch spekulieren Insider darüber, dass der Uhrenkonzern in der prominenten Immobilie dereinst ein Uhrenwarenhaus eröffnen könnte. Franz Türler, Inhaber des gleichnamigen Familienunternehmens am Paradeplatz, fühlt sich dadurch nicht bedroht. «Ich rechne nicht mit negativen Konsequenzen für meinen Betrieb.» Türler führt vier Marken des Swatch-Konzerns in seinem Angebot, darunter Blanc­pain. Die edle Uhrenmarke bietet er in einer eigenen Boutique an, die direkt an sein Geschäft grenzt. Türler führt die Firma seit 43 Jahren in vierter Generation. Bereits arbeitet mit seinem Sohn Franz Türler junior die fünfte Generation im Betrieb. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich das Geschäft deutlich verändert, sagt der Patron. Die grossen Konzerne hätten eine Marke nach der anderen gekauft. Dadurch sei deren Marktstärke deutlich gestiegen.

Noch bleiben rund zehn Jahre

Immer mehr Uhrenmarken drängen mit eigenen Shops an die Bahnhofstrasse. Das mögliche Uhrenwarenhaus im Grieder-Gebäude ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Die Uhren- und Schmuckfirma Gübelin mit ihrer Filiale an der Bahnhofstrasse 36 sieht sich ausserstande, dazu Stellung zu nehmen, da Swatch dem Familienunternehmen sieben seiner Marken ohnehin nur noch bis Ende Jahr liefert. Raphael Gübelin, der das Luzerner Unternehmen in sechster Generation führt, hatte die künftigen Umsatzeinbussen Ende August als schmerzhaft bezeichnet. Les Ambassadeurs und Bucherer wollen sich ebenfalls nicht zum Verkauf des Grieder-Hauses äussern. Die Sprecher der Unternehmen sagen, für eine Stellungnahme sei es noch zu früh, da keine konkreten Pläne existierten. René Beyer von der Chronometrie Beyer war nicht erreichbar.

Das Luxuswarenhaus Grieder ist im Besitz der Genfer Familie Brunschwig. Nicolas Brunschwig, der mit seinem Bruder Pierre und zwei Cousins den Betrieb führt, rechnete mit Swatch als möglichem Käufer der Immobilie an der Bahnhofstrasse 30. Auf die Frage, wie lange der Mietvertrag noch läuft, sagt Brunschwig: «Die Summe der verbleibenden Jahre lässt sich ziemlich genau an der Zahl der menschlichen Finger abzählen.» Man hoffe, auch darüber hinaus im Stammhaus an der Bahnhofstrasse bleiben zu können. Deshalb würde er sich gerne mit Vertretern von Swatch treffen. Die Brunschwig-Gruppe wollte das Haus selber kaufen, doch die Swatch Group schwang mit ihrem Angebot oben aus. «Es wäre gut, wenn Grieder auch künftig an der Bahnhofstrasse präsent wäre. Sonst verliert diese an Attraktivität», sagt Brunschwig. Er will nicht spekulieren, welche Ziele Swatch mit dem Kauf der Immobilie verfolgt. «Ich bin kein Uhrenfachmann.»

Sollte Swatch im Grieder-Haus tatsächlich ein Uhrenwarenhaus realisieren bei einer gleichen Anzahl von Uhrengeschäften in der Umgebung, werde die Attraktivität der Bahnhofstrasse leiden, sagt Markus Hünig, Präsident Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse. Sollte aber eine Bereinigung der Uhrengeschäfte stattfinden, sieht Hünig in einem «House of Watches» eine Bereicherung.

Seit mehr als hundert Jahren in Zürich präsent

Die Firma Grieder ist seit mehr als hundert Jahren in Zürich präsent. Adolf Grieder gründete 1889 sein erstes Geschäft an der Fraumünsterstrasse 8. Zusammen mit vier Angestellten verkaufte er dort Seidenstoffe, Spitzen und Samt. Das Angebot wurde erweitert, und das Geschäft verkaufte auch Damen- und Herrenmode. 1913 zog die Firma Grieder an den Paradeplatz in den Peterhof in die neu erstellte Liegenschaft, die seither das Stammhaus der Firma ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2014, 22:03 Uhr

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