Grosse Zürcher Party nur auf deutschem Sender live

Ein ARD-Kanal zeigte in voller Länge, wie fast eine Million Menschen an der Street-Parade tanzen. Beim Lokal-TV TeleZüri gabs nur Live-Häppchen – was prompt böse Kommentare absetzte.

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Die grösste Party des Jahres ist vorüber. Auch 2014 lockte die Street-Parade wie in den beiden Vorjahren gemäss Veranstalter rund 950'000 Gäste nach Zürich. Die Stadt pulsierte – und das auch in den Tagen und Nächten vor und nach der Parade.

Obwohl es an diesem Wochenende mitten in der City laut und knallbunt zu- und herging, war auf nationalen TV-Stationen nichts davon zu sehen. Lediglich zwei Sender brachten Bilder direkt vom Seebecken: Lokal-TV TeleZüri und EinsPlus, ein digitales Wissens- und Serviceprogramm der ARD, das sich auf ein Zielpublikum unter 30 Jahren ausgerichtet hat.

«Wir erreichen überdurchschnittliche Zahlen»

«Musik hat in der Lebenswelt junger Menschen einen grossen Stellenwert, da darf die grösste Technoparty der Welt nicht fehlen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil viele junge Menschen aus dem süddeutschen Raum jedes Jahr zur Street-Parade nach Zürich pilgern», erklärt EinsPlus-Programmchef Alexander von Harling das Engagement während der Parade. Am vergangenen Samstag schalteten während der neunstündigen Live-Übertragung in Deutschland über 900'000 Zuschauer EinsPlus ein. Bei den 14- bis 29-Jährigen waren es 90'000, was einem Marktanteil von 0,4 Prozent entspricht.

Harling zieht denn auch eine positive Bilanz der diesjährigen Berichterstattung. «Wir sind mit der Übertragung der Street-Parade sehr zufrieden. Wir erreichten mit der interaktiven TV-Berichterstattung rund um das Event überdurchschnittliche Zahlen. Und wir können sehen, dass das Angebot in den sozialen Netzen sehr gut ankam: Tausende von Nutzern teilten ihre Fotos und Kommentare, die fast in Echtzeit im EinsPlus-Fernsehbild ausgespielt wurden.»

Twitter-Kritik lässt TeleZüri kalt

Während Twitterer die Live-Berichterstattung auf EinsPlus mit viel Lob bedachten, musste das Sendekonzept von TeleZüri reichlich Häme einstecken. Der Lokalsender berichtete ab 15 Uhr jeweils zur vollen Stunde während 30 Minuten live von der Street-Parade. Ab 18 Uhr wurde nach den Newssendungen erneut live zum Seebecken geschaltet, und ab 19.20 Uhr gabs einen 24-minütigen Videoclip mit den besten Bildern der Parade, der während des ganzen Abends in der Wiederholung lief.

Das war vielen offenbar nicht gut genug. «Sorry, TeleZüri, aber EinsPlus hat definitiv die interessantere Übertragung» oder «Die Street-Parade findet in der Schweiz statt, aber die TV-Übertragung auf EinsPlus ist um Längen besser als die von TeleZüri» war in den Tweets zu lesen. Vor allem Moderator David Karasek bekam sein Fett weg: «Nehmt Karasek vom Sender», forderte ein Twitterer. «Was Karasek da auf TeleZürich zur Street-Parade von sich gibt, ist aus der alleruntersten Moderationsschublade», lautete die Meinung eines anderen.

Bei TeleZüri gibt man sich unbeirrt. «In den letzten Jahren hat sich unser Konzept bestens bewährt. Das belegen unsere Quoten und die allgemeinen Reaktionen unserer Zuschauer», sagt Claude Winet, Chefredaktor und Produzent von «ZüriNews» und «ZüriInfo». Am Samstag haben insgesamt 441'000 Personen TeleZüri geschaut. Der höchste Marktanteil während der Sendungen betrug bei den 15- bis 49-jährigen Zuschauern im Grossraum Zürich 63,7 Prozent. «Das sind hervorragende Werte. Wir sind damit äusserst zufrieden», so Winet.

Live-Berichterstattung auf 3+ zu teuer

Die Veranstalter der Street-Parade arbeiten seit diesem Jahr wieder eng mit TeleZüri zusammen. «Das ist unser offizieller Live-TV-Partner. Und es ist auch der Sender von Zürich, also passt das wunderbar zusammen», sagt Stefan Epli, Mediensprecher des Vereins Street-Parade, auf Anfrage. EinsPlus sei der Medienpartner im Ausland, da die Street-Parade vor allem auch in Deutschland oder Österreich ein grosses Thema sei.

Anders als im vergangenen Jahr musste der Verein Street-Parade in diesem Jahr auf eine Live-Berichterstattung auf 3+ verzichten. Das Programm des Senders ist zwar schweizweit zu sehen, aber «uns fehlt schlicht das Geld, um die rund 100'000 Franken teure Produktion zu stemmen», so Epli.

Im Jahr 2008 hat 3+ die Live-Berichterstattung der Street-Parade noch selbst produziert. «In den vergangenen Jahren haben wir jeweils den Verantwortlichen der Street-Parade den Sendeplatz auf 3+ zur Verfügung gestellt. Die Produktion – und damit auch die Kosten – der Live-Berichterstattung hat die Street-Parade übernommen», sagt Geschäftsführer Dominik Kaiser. Ob es in Zukunft wieder zu einer Zusammenarbeit kommen wird, ist laut Kaiser derzeit noch nicht klar.

«Die Leute sind an der Parade und nicht vor dem TV»

Auch das damalige Schweizer Fernsehen hat von 2000 bis 2004 während der ganzen Street-Parade live vom Zürcher Seebecken berichtet. Inzwischen verzichtet man beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) auf eine Übertragung des Grossevents. Weil die Produktion sehr teuer war «und wegen stetig sinkender Zuschauerquoten», wie SFR-Mediensprecherin Andrea Wenger auf Anfrage sagt. Am vergangenen Wochenende sei jedoch in der «Tagesschau»-Hauptausgabe am Samstag sowie in diversen Sendegefässen im Radio über die Street-Parade berichtet worden.

«Das Schweizer Fernsehen springt dann auf, wenn es einen neuen Trend bemerkt oder wenn sich etwas Neues abzeichnet», sagt Epli. «Um die Jahrtausendwende war klar, dass die Street-Parade nicht nur das Partyvolk anzieht, sondern allgemein sehr viele Schaulustige.» Dass die Schweizer TV-Stationen inzwischen nicht mehr durchgehend live berichten, findet Epli absolut unproblematisch. «Die Leute sind ja ohnehin alle an der Street-Parade und sitzen nicht vor dem Fernseher.»

Erstellt: 04.08.2014, 13:53 Uhr

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