Grünes Licht für Swissmill-Turm

Der Zürcher Gemeinderat spricht sich für einen Turm neben dem Prime Tower aus. Das Swissmill-Getreidesilo soll aufgestockt werden. Die Quartierbevölkerung ist entsetzt.

Umstrittenes Prestigeprojekt: Wegen des Schattenwurfs wird die Aufstockung des Swissmill-Getreidesilos kritisiert.

Umstrittenes Prestigeprojekt: Wegen des Schattenwurfs wird die Aufstockung des Swissmill-Getreidesilos kritisiert.

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Der Zürcher Gemeinderat will neben dem Prime Tower einen zweiten Turm in Schweizer Rekordhöhe im Kreis 5. Mit 104 zu 10 Stimmen bei 3 Enthaltungen hiess das Parlament den Privaten Gestaltungsplan «Kornhaus Swissmill» gut.

Das heute 40 Meter hohe Getreidesilo des Getreideverarbeiters Swissmill soll auf 120 Meter erhöht werden. Die zusätzliche Speicherkapazität ist nötig, da der Speicher in Basel im Zusammenhang mit der dortigen Stadtentwicklung geschlossen wird. Er fasst rund 60'000 Tonnen Getreide, die künftig in Zürich Platz finden. Der 120 Meter hohe Turm wäre das zweithöchste Gebäude der Schweiz - sechs Meter niedriger als der Prime Tower, der in der Nähe bereits im Bau ist.

Erinnerung an Hochkamine

Am Standort am Sihlquai im früheren Industriequartier wird seit über 150 Jahren Getreide verarbeitet. Der Siloturm soll laut Kommissionssprecherin an die einstigen Hochkamine im Quartier erinnern.

Die Aufstockung des Speichervolumens führt gemäss stadträtlicher Weisung nicht zu einer Produktionssteigerung. Wie bis anhin erfolgt die Anlieferung des Getreides über bereits bestehende Gleise per Bahn. Die Erhöhung des Speicher-Fassungvermögens an einem zentralen Standort mache deshalb auch ökologisch Sinn, sagte die Kommissionssprecherin.

Kritik wegen Schattenwurf

Der von der Quartierbevölkerung monierte Schattenwurf des Turms auf die benachbarte Flussbadeanstalt Unterer Letten sei zwar bedauerlich - das Bauvorhaben liege aber im übergeordneten Interesse einer ausgewogenen Stadtentwicklung und der gesamten Bevölkerung.

Gerade dies stellte die einzige gegnerische Fraktion, die AL, in Abrede - in Wirklichkeit wäre eine Lebensqualitätseinbusse im Quartier die Folge. Man wende sich nicht gegen Swissmill oder gegen Industrie in der Stadt, sagte ein AL-Sprecher, sondern verlange bessere Lösungen.

Im Übrigen schaffe die Aufstockung keinen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz. Angesichts der bereits getätigten hohen Investitionen in den Standort sei zudem nicht zu befürchten, dass Swissmill aus Zürich auszöge, sollte der Gestaltungsplan abgelehnt werden.

Industrie im Trendquartier

Stadtrat André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements, erinnerte daran, dass sich die Stadt für die Förderung zukunftsträchtiger Industriebetriebe ausgesprochen habe. Es sei positiv, dass im Trend- und Ausgeh-Quartier Zürich West weiterhin eine industrielle Produktion erfolge.

Der Turm sei nicht einfach ein «hohler» Getreidespeicher, sagte Odermatt. Er enthalte komplizierte Einrichtungen, die für die Herstellung der unterschiedlichen Produkte wichtig seien. (miw/sda)

Erstellt: 15.09.2010, 22:01 Uhr

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