Gute Noten für Leupis Partykonzept

Junge Zürcher können seit fünf Monaten bei der Polizei ohne grossen bürokratischen Aufwand eine Partybewilligung einholen. Die Jungsozialisten fordern, dass die Stadt die Regeln überdenkt.

Wollten Partymachen und durften nicht: Die Zürcher Jungsozialisten.

Wollten Partymachen und durften nicht: Die Zürcher Jungsozialisten. Bild: Keystone

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31 Partygesuche sind seit letztem April bei der Stadt Zürich eingegangen, 21 Partys konnten effektiv durchgeführt werden: Das sagte Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) heute Mittwoch vor den Medien. Er ist mit dem fünf Monate andauernden Pilotprojekt «Jugendbewilligungen» zufrieden: «Die neue Praxis wurde von den Jugendlichen gut aufgenommen. Konflikte aufgrund der Freiraumdiskussion, wie wir sie im vergangenen Jahr hatten, gab es in diesem Sommer keine», sagt der Zürcher Polizeivorsteher. Über die Zukunft des Projekts wird der Stadtrat voraussichtlich Anfang 2013 entscheiden.

Von den 31 Gesuchen, welche Jugendliche eingereicht hätten, seien nur drei nicht bewilligt worden: «Zwei aufgrund eines ungeeigneten Ortes, eines wegen der Werbung auf einer Social-Media-Plattform und des kommerziellen Charakters des Anlasses», sagt Patrick Pons, Pressesprecher des Zürcher Schul- und Sportdepartements. Sieben bewilligte Partys fanden aufgrund des schlechten Wetters nicht statt.

Nulltoleranz für illegale Veranstaltungen

Während der letzten fünf Monate konnten junge Zürcher im Rahmen des Pilotprojekts «Jugendbewilligungen» legale Outdoor-Partys veranstalten. Das Pilotprojekt war die Antwort des Polizeivorstehers Daniel Leupi auf die Jugendkrawalle im vergangenen Spätsommer. Damals hatten jugendliche Vandalen mehr Freiraum und unkommerzielle Partys gefordert und in der Innenstadt Sachschäden in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken hinterlassen.

Die Bemühungen mittels Jugendbewilligungen sollen jungen Erwachsenen mehr Freiraum gewähren, ohne die behördliche Kontrolle zu verlieren. Zwar sollen dadurch die behördlichen Hürden für Veranstalter von Outdoor-Partys tiefer sein. Gleichzeitig führt die Polizei aber eine Nulltoleranz-Politik gegenüber illegalen Veranstaltungen ein.

Eine «weltfremde Haltung»

Die Juso gehören zu jenen drei Gesuchsstellern, denen die Stadt keine Bewilligung erteilt hatte: Die Jungpartei wollte unter der Kornhausbrücke feiern. Trotzdem begrüssten die Juso die Idee der erleichterten Partybewilligungen, sagt Fabian Molina, Co-Präsident der Zürcher Juso. Allerdings befürchte er in der Praxis eine Überreglementierung: «Wenn durch die vereinfachten Partybewilligungen mehr Freiräume geschaffen werden, dann soll das Projekt weitergeführt werden.» Aber wenn auf diesem Weg immer mehr Bedingungen und Voraussetzungen eingeführt werden, sei das Partykonzept eine Mogelpackung, die nicht funktionieren werde, sagt Molina.

So sei es beispielsweise nicht einleuchtend, dass ein Partygesuch abgelehnt wird, weil Einladungen über Facebook verschickt werden: «Das ist eine weltfremde Haltung, schliesslich können über Massen-SMS ebenso viele Leute erreicht werden wie über eine offene Facebook-Einladung.» Auch Altersschranken und die Bedingung, die Partyveranstalter müssten in Zürich wohnhaft sein, müssten überdacht werden, fordert Molina.

Solange es innerhalb der Stadtgrenzen ein Partyverbot gebe, würden illegale Veranstaltungen weiterhin bestehen, ist Molina überzeugt. Schliesslich sei es nicht logisch, dass die Partyindustrie am Wochenende ganze Quartiere einnehme, in denen laut gefeiert und auf deren Strassen Abfallberge hinterlassen würden, Jugendlichen aber gleichzeitig verboten werde, eigene Partys durchzuführen.

Anforderungen an die Partyveranstalter

Jugendbewilligungen können all jene Partyveranstalter beantragen, die zwischen 18 und 25 Jahren alt, in Zürich wohnhaft sind und keine kommerziellen Ziele verfolgen. Ein Anruf bei der Polizei mindestens acht Tage vor der Veranstaltung genügt im Prinzip, um sich den Segen der Behörden zu holen.

Ganz ohne Auflagen geht es aber nicht: Zuerst einmal müssen die Veranstalter eine Ansprechperson für die Polizei stellen und die Verantwortung für die Party übernehmen. Die Party darf nicht für mehr als 400 Personen ausgerichtet sein, Facebook-Werbung ist verboten, Masseneinladungen per SMS offenbar nicht. Nach der Fete müssen die Jugendlichen putzen.

Die Veranstalter sind aber nicht nur für die Aufräumarbeiten zuständig; sie müssen auch den Jugendschutz gewährleisten. Ferner darf der öffentliche und private Verkehr nicht behindert und dürfen Anwohner nicht gestört werden. Zwar verzichtet die Polizei auf Lärmkontrollen, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich Anwohner von einem Haufen feiernder Jugendlicher in der Nachtruhe gestört fühlen. Und dann schreitet die Polizei wie bei jeder illegalen Party ein.

Erstellt: 26.09.2012, 14:51 Uhr

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