Hahnenwasser trinken hilft

Wer im Restaurant für ­Leitungswasser bezahlt, unterstützt damit Projekte in Sambia. Das ist die Idee der Organisation Wasser für Wasser.

Glugg, glugg, glugg: Leitungswasser löscht den Durst zuerst in Zürich und dann in Lusaka. Foto: Jens Meyer (AP Photo)

Glugg, glugg, glugg: Leitungswasser löscht den Durst zuerst in Zürich und dann in Lusaka. Foto: Jens Meyer (AP Photo)

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Wie viel ist eigentlich ein Glas Wasser wert? Je nachdem, wem und/oder wo man diese Frage stellt, wird die Antwort anders ausfallen. Im Kontext der Gastronomie gerne auch mal polemisch.

Lior Etters Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Ein ganzes Leben.» Und nach einem Moment fügt er an: «Sofern es sich um ein Glas sauberes Wasser handelt.» Diesen Wert will Etter mit seinem Projekt Wasser für Wasser sichtbar machen.

Damit Wasser einen Wert hat, braucht es einen Preis. Einen sichtbaren Preis. Und so stellt Lior Etter diese Frage nach dem Wert Gastronomen leicht abgewandelt: Wie viel ist Ihnen eine Karaffe Hahnenwasser wert? Auf der Antwort, auf dem genannten Betrag, beruht die Grundidee der Organisation Wasser für Wasser: Es ist nämlich der Betrag, der in Hilfsprojekte in Sambia fliesst. Wasser für Wasser startete 2012 mit 12 Restaurants in Luzern, heute sind es über 250 Betriebe – und seit gestern machen auch Zürcher Gastronomen mit.

Lior Etter hat gemeinsam mit seinem älteren Bruder Morris die Organisation Wasser für Wasser gegründet. Ein Todesfall in der Familie hatte die beiden auf die existenzielle Frage zurückgeworfen: Was wollen wir eigentlich mit unserem Leben?

750'000 Franken gesammelt

Lior hatte einen Vertrag als Profifussballer beim FC Luzern, galt als Talent, verdiente relativ gut. Nach dem Tod des mittleren Bruders und einer langen gemeinsamen Reise entschieden sich Lior und Morris dafür, etwas zu verändern, statt wieder in die «Komfortzone Schweiz», in ihr altes Leben zurückzukehren. Statt Fussballer ist Lior heute Geschäftsführer einer Hilfsorganisation, die in Sambia Projekte realisiert, damit dort mehr Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben.

Seit 2012 sind rund 750'000 Franken für solche Projekte gesammelt worden. Um den Verein zu finanzieren, den ­inzwischen fünf Angestellten einen ­bescheidenen Lohn zu zahlen, setzt ­Wasser für Wasser auf Gönner und Sponsoren. «Uns ist wichtig, dass die Gastronomen wissen: 100 Prozent der Einnahmen fliessen in Projekte», sagt Etter. In einem zweiten Schritt stellt Wasser für Wasser die Frage nach dem Wert auch Unternehmen. Sie sollen darauf verzichten, Wasser in Flaschen auf ihre ­Sitzungstische zu stellen, und stattdessen sollen sie auf Leitungswasser setzen und einen fixen Betrag an Wasser für Wasser überweisen.

«100 Prozent der Einnahmen fliessen in Projekte.»Lior Etter

Wichtig: Wasser für Wasser verfolgt nur eigene Projekte. Das brauche es, um glaubwürdig und effizient zu sein, sagt Etter. So hat die Organisation in einem ersten Schritt in Slums der sambischen Hauptstadt Lusaka 33 Wasserkioske gebaut, an denen Wasser aufbereitet und verkauft wird – und dank deren mehr als 30'000 Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhalten. Zudem werden vor Ort derzeit 150 Sanitärinstallateure ausgebildet. Es wird also eine Wasserversorgung aufgebaut, die später ohne Hilfe auskommen soll. Um es im Jargon zu ­sagen: Das Engagement von Wasser für Wasser ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Am Kiosk schliesst sich der Kreis: Denn auch in Lusaka stellt sich die Frage nach dem Wert eines Glases Wasser. Auch in Sambia braucht Wasser einen Preis, damit es einen Wert hat.

www.wasserfuerwasser.ch

Erstellt: 08.07.2016, 19:39 Uhr

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