Hauswarte weigern sich, Spritzen zu beseitigen

Wochenlang liessen die Hauswarte dreier Liegenschaften im Kreis 4 gebrauchte Spritzen im Innenhof liegen. So sollte der Besitzer eines vierten Hauses merken, was seine Mieter alles aus dem Fenster werfen.

In diesen Innenhof werfen Drogenabhängige ihre gebrauchten Spritzen: Liegenschaft an der Magnusstrasse 27.

In diesen Innenhof werfen Drogenabhängige ihre gebrauchten Spritzen: Liegenschaft an der Magnusstrasse 27. Bild: Googlemap

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Die Hauswarte der Gebäude um die Magnusstrasse 27 haben die Nase voll: Mit einem Zettel an der Eingangstüre fordern sie die Mieter auf, Unrat liegen zu lassen. Sie informieren zudem, dass sie Hof und Treppenhaus eine Woche lang nicht reinigen würden. Spuren des «Streiks» sind mehrere gebrauchte Spritzen, die vor der Türe eines der Häuser liegen.

Der Grund für die ungewöhnliche Aufforderung der Hauswarte sind die Bewohner der Magnusstrasse 27: Wie Nachbarn gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagen, werfen diese ihren Müll aus den Fenstern in den gemeinsamen Innenhof, der einer Bar an der Ecke Schöneggplatz/Magnusstrasse gleichzeitig als Fumoir dient.

Unter den Abfällen befänden sich Lebensmittelverpackungen, Medikamentenschachteln, aber auch Spritzen. Kürzlich warf ein Mieter einen Fernseher aus dem Fenster. «Wenn das Gerät auf den Kopf einer meiner Gäste gefallen wäre, hätte das auch schiefgehen können», sagt der Betreiber der benachbarten Magnusbar. Aber seine Gäste seien tolerant und wüssten, dass ein Club im Kreis 4 kein Tearoom am Zürichberg sei.

Hauswarte weigern sich, Spritzen zu beseitigen

Dass sie im Chreis Cheib gewisse Szenarien in Kauf nehmen müssten, wissen auch die jungen Mieter eines der vier Häuser, die sich den Innenhof mit dem Haus an der Magnusstrasse 27 teilen. «Früher lag ab und an eine Spritze im Eingangsbereich. Aber in letzter Zeit ist das fast jeden Tag der Fall», sagt einer von ihnen, der ungenannt bleiben will. Der Innenhof gleiche bisweilen einer Müllhalde, und in der Nacht käme es des Öfteren zu lautstarken Auseinandersetzungen. «Einmal ist ein Mann auf dem Fenstersims an der Hausfassade in ein anderes Fenster hineingeklettert.»

Weil sich die Mitarbeiter des Hausreinigungsservice darüber beschwert hatten, dass sie Nadeln einsammeln müssten, handeln nun die Verwaltungen der umliegenden Häuser. «Wir ziehen eine Anzeige in Betracht. Doch dafür müssen wir Beweise für die Missstände haben», sagt eine der Verwalterinnen, die anonym bleiben möchte. Deshalb habe sie die Hauseingänge und den Innenhof eine Woche lang nicht reinigen lassen und die Zustände fotografiert. «Ausserdem ist es nicht zumutbar, dass ein Hauswart für 25 Franken Stundenlohn eine Müllhalde reinigen und Spritzen entsorgen muss.»

Zu dem Termin, an den deswegen alle Hauseigentümer eingeladen worden seien, erschien just der Besitzer der Magnusstrasse 27 nicht, sagt die Verwalterin. Sie hätte ihm nun für eine schriftliche Stellungnahme eine Frist bis zum 23. Oktober eingeräumt.

Polizeipatrouillen und Razzien

Der Eigentümer des Problemhauses wehrt sich: Der Termin sei ohne ihn vereinbart worden, deshalb sei er dem Gespräch ferngeblieben, sagt er. Die Mieter würden ihm oft vom Sozialamt vermittelt, erklärt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er habe Verständnis für die Sorgen der Nachbarn, möchte sich selbst aber nicht auf der Anklagebank sehen: «Ich habe in letzter Zeit acht Mietern gekündigt und stehe in engem Kontakt mit der Polizei.» So habe er beispielsweise mit den Ordnungshütern vereinbart, dass die kontrollierenden Patrouillen verdoppelt würden und die Polizei bei Razzien gegen Anwesende, die nicht im Haus wohnen, ein Hausverbot aussprechen könne.

«Am liebsten würde ich die Treppenhausfenster zuschrauben lassen, das geht aber aus feuerpolizeilichen Gründen nicht.» Er habe auch schon eine private Sicherheitsfirma aufgeboten, um den Eingang zu kontrollieren. «Aber letztlich kann ich niemanden daran hindern, das Haus zu betreten.» Bei den Streitigkeiten zwischen den benachbarten Hauseigentümern gehe es um die Bezahlung der jährlichen Reinigungskosten des Innenhofs, resümiert der Eigentümer der Magnusstrasse 27. Er sei nicht bereit, diese allein zu übernehmen. «Schliesslich stammt der Müll nicht nur von meinen Mietern.» Bei dem Betrag gehe es um jährlich rund 200 Franken.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2012, 11:54 Uhr

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