Hawaii in der Brunau

Zürcher Surfer lassen nicht locker: Ein neu gegründeter Verein hat ein Projekt für einen künstlichen See in der Allmend Brunau ausgearbeitet. Eine neuartige Technik soll die Welle produzieren.

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Der Traum von der künstlichen Surfwelle geht weiter. Zwar liegt das Projekt für eine künstliche Flusswelle beim Oberen Letten derzeit auf Eis. Doch jetzt warten Zürcher Surfer mit einem neuen Projekt auf. Waveup heisst ein vor kurzem gegründeter Verein, der in Zürich unabhängig von den Limmatwave-Promotoren den Bau eines künstlichen Sees für Surfer vorantreibt.

Künstliche Brandung – dank Unterwasserpflug

«Unsere Vision ist die Errichtung eines Surfparks in der Schweiz, wenn möglich in der Brunau», sagt Vereinsgründer Pascal Brotzer, ein 25-jähriger Marketingfachmann und begeisterter Surfer aus Zürich. In einer künstlichen Lagune in der Grösse eines Fussballfeldes soll mittels eines Wellengenerators eine künstliche Brandung erzeugt werden, die bis zu 50 Surfern gleichzeitig einen Wellenritt ermöglicht.

Und so soll es funktionieren: Ein von Elektromotoren angetriebener Schieber gleitet über den Boden des Beckens dahin und schiebt die Wassermassen gleichzeitig nach oben und nach vorne. «Wie ein Schneepflug unter Wasser», erklärt Brotzer. Dank der Wellen des Unterwasserpflugs sollen auch Kanuten, Bodyboader und Stehpaddler auf ihre Kosten kommen. Im Auslaufbereich der Wellen soll es Bademöglichkeiten geben. Rund um den Surfsee schwebt den Initianten eine Infrastruktur vor, «die einen Hauch von Strandferien-Feeling abseits der Küsten vermittelt».

Ziel: «Nachhaltiges Projekt»

Als Wunschstandort hat der Verein die Allmend Brunau im Visier. Dort möchte er rund 30'000 Quadratmeter Land von der Stadt Zürich pachten. «Der Ort ist ideal gelegen, hat viel Freiraum, ist gut erschlossen, der Allmendsteg lädt zum Zuschauen ein, und der nahe gelegene Fabrikkanal bietet sich hervorragend an, um das Becken zu füllen und den Wasserstand zu regulieren», so Brotzer. Zudem liessen sich Synergien mit dem nahen Skatepark und dem Mountainbiketrail nutzen. Einen weiteren Vorteil sieht er in der Nähe zur Stadt und der guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Brotzer ist überzeugt, dass der Wellensee mit dem Naherholungsgebiet vereinbar wäre und sich die Anlage umweltverträglich realisieren liesse. Sie soll möglichst schonend zwischen den Naturschutzflächen entlang der Autobahn und der Badeinsel in der Sihl eingebettet sein. Auch der Energieverbrauch soll sich in Grenzen halten. Brotzer: «Jede künstlich erzeugte Welle benötigt Energie. Aber der Energieverbrauch des Surfparks ist um ein Vielfaches geringer als derjenige beim Wakesurfen auf dem Zürichsee, bei dem mit einem Motorboot eine Surfwelle erzeugt wird.»

Anlagen in Spanien und England

Ein Wellenbecken für Surfer existiert seit kurzem im nordspanischen Baskenland. Dort hat die Firma Wavegarden nach jahrelangem Experimentieren einen 200-Meter-Pool mit Unterwasserpflug in Betrieb genommen, der bei Profisurfern auf Begeisterung stösst, wie der «Spiegel» berichtete. Ähnliche Surfparks sollen demnächst auch in Wales und Bristol eröffnet werden. Weit fortgeschritten sind auch Pläne für Anlagen an der französischen Atlantikküste sowie in Madrid und Barcelona.

Kosten: Fünf bis zehn Millionen Franken

«Wavegarden ist eine spannende Anlage, aber es gibt inzwischen mehrere Anbieter auf dem Markt. Wir lassen offen, mit wem wir zusammenarbeiten werden», sagt Brotzer. Die Kosten für den Surfpark schätzt er auf fünf bis zehn Millionen Franken, die jährlichen Betriebskosten auf rund eine Million Franken.

Noch ist die Finanzierung für das Zürcher Projekt ungeklärt: «Wir befinden uns noch nicht auf aktiver Investorensuche.» Letzten Endes werde man aber auf finanzkräftige Sponsoren ebenso angewiesen sein wie auf einen Beitrag der öffentlichen Hand.

Derzeit steht das Surfpark-Projekt ganz am Anfang. Dem Verein geht es darum, die Kräfte zu bündeln, die Schweizer Surf-Community hinter das Vorhaben zu scharen und Begeisterung für die Sportart zu wecken. Die ersten Reaktionen in sozialen Medien seien «überwältigend», so Brotzer. Er ist überzeugt, dass ein grosses Bedürfnis nach einer künstlichen Surfwelle besteht. Laut dem Schweizer Surfverband gibt es in der Schweiz rund 10'000 aktive Surfer, Tendenz steigend.

Zurückhaltung bei der Stadt

Erste Kontakte zur Zürcher Stadtverwaltung und zu Politikern hat der Verein Waveup bereits hergestellt. «Allerdings noch eher unverbindlich», so Brotzer. Im Gespräch ist man auch mit den Wellenpionieren von Limmatwave, deren Projekt wegen politischer Widerstände derzeit ruht. Brotzer: «Ein sehr wertvoller Erfahrungsaustausch.»

Beim städtischen Sportamt reagiert man zurückhaltend auf die kühnen Surfpark-Pläne. Da man vom Projekt erst rudimentäre Kenntnis hat, möchte man sich derzeit lieber nicht dazu äussern, heisst es dort.

«Es braucht einen langen Atem»

Trotz vieler Unwägbarkeiten, etwa auch punkto Zonenkonformität, bleibt man bei Waveup optimistisch – und realistisch. «Es braucht einen langen Atem», weiss Brotzer. Gerade in der Schweiz mit ihren langwierigen politischen Prozessen könnte die Realisierung lange dauern. Aber von seiner Vision lässt sich der Surf-Fan nicht abbringen. «Der Surfsport ist kein schnelllebiger Trend, sondern ein Sport mit grossem Potenzial in der Schweiz», ist er überzeugt. Zudem könnte ein Surfpark einiges zum positiven Image und zur touristischen Ausstrahlungskraft von Zürich beitragen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.07.2014, 11:08 Uhr

Umfrage

Braucht Zürich eine künstliche Surfwelle?

Ja

 
67.7%

Nein

 
12.8%

Nur, wenn ohne Steuergelder finanziert

 
19.5%

662 Stimmen


So funktioniert die Welle


Das Video zeigt Schweizer Surfer beim Wellenritt in Spanien.

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