Heiliger Gral: Finanzjongleur soll für vier Jahre ins Gefängnis

Ein 63-Jähriger steht vor dem Zürcher Obergericht. Er wollte den angeblichen heiligen Gral vermarkten und ertrog damit innerhalb eines Jahres 7,4 Millionen Franken.

Blank poliert: Der mysteriöse Kessel aus dem Chiemsee.

Blank poliert: Der mysteriöse Kessel aus dem Chiemsee. Bild: zvg

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Ein Zürcher soll mit dem mysteriösen Chiemseekessel und weiteren krummen Geschäften über 20 Millionen Franken ertrogen haben. Während die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren forderte, verlangte die Verteidigung gestern Mittwoch vor dem Zürcher Obergericht Freisprüche.

Der elf Kilogramm schwere Goldpokal wurde im September 2001 im bayrischen Chiemsee entdeckt. Der Kessel mit rund 50 Zentimeter Durchmesser ist verziert mit keltischen Motiven.

Zum Spottpreis eingekauft

Archäologen vermuteten, es handle sich um eine Fälschung aus den Dreissigerjahren, eine Nachbildung des Heiligen Grals, jenes Kelches also, der das Blut Christi aufgefangen haben soll. Man brachte ihn in Verbindung mit der «Hohen Schule» der NSDAP, einer Kaderschmiede, welche die Nazis unweit des Fundortes am Chiemsee geplant hatten. Und dann waren da natürlich jene, die behaupteten, der goldene Kessel sei tatsächlich der Gral und verhelfe seinem Besitzer zu ewigem Leben.

Er wurde im Mai 2005 vom heute 63-jährigen Beschuldigten für rund 300'000 Euro erworben. Der Finanzjongleur sprach von einer archäologischen Sensation und wollte den angeblich heiligen Gral vermarkten. Er überredete diverse Investoren zu so genannten Partizipationsverträgen. Dabei flossen seiner Firma aufgrund eines geschickten Marketings innerhalb eines Jahres rund 7,4 Millionen Euro zu.

Fehler ohne strafrechtliche Relevanz

Gemäss Staatsanwaltschaft verwendete der Unternehmer die Gelder jedoch für andere Zwecke. So stopfte er damit alte finanzielle Löcher. Im ersten Prozess vor dem Bezirksgericht Meilen kassierte der nicht geständige Beschuldigte wegen gewerbsmässigen Betrugs eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Beide Parteien legten Berufung ein. Der Beschuldigte sprach zwar von Fehlern, wies aber jegliche strafrechtliche Verantwortung von sich. Die Verteidigung eröffnete ein längeres Plädoyer und forderte erneut Freisprüche. Das Urteil wird voraussichtlich am Donnerstagabend erwartet. (pia/sda)

Erstellt: 16.08.2012, 07:44 Uhr

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