Heimatschützer unterliegt im Streit um Villa

Das Bezirksgericht sprach die Villa nach bizarrem Streit einer Stiftung zu. Der Heimatschützer kündigte derweil an, das Urteil weiterzuziehen.

Objekt der Begierde: Um diese Immobilie am Zürichberg drehte sich der Streit.

Objekt der Begierde: Um diese Immobilie am Zürichberg drehte sich der Streit. Bild: Sophie Stieger.

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Der Streit bahnte sich schon zu Lebzeiten von Henrietta Moser* an. Die alte Dame wollte verhindern, dass ihr Wohn- und Elternhaus, eine Villa mit riesigem Garten an der Susenbergstrasse, nach ihrem Tod abgerissen würde. Dafür erwog sie einerseits die Gründung einer Stiftung, die Künstler in der Villa beherbergen sollte. Anderseits spielte sie mit dem Gedanken, das Anwesen an den Heimatschutz, genauer gesagt an dessen ehemaligen Präsidenten Bruno Kläusli, zu vererben.

Unglücklicherweise hielt die Frau beides testamentarisch fest. 1997 schrieb sie die Idee einer Stiftung nieder. 2007 widerrief sie das alte Testament und bestimmte, dass Kläusli alles erben sollte. 2008 hielt sie wiederum schriftlich fest, es solle nun doch eine Stiftung gegründet werden, und zwar unter der Leitung ihres Finanzverwalters Kurt Stocker*. Weder 2007 noch 2008 informierte sie jeweils die Enterbten.

Es kam, wie es kommen musste: Kurz nach dem Tod der alten Frau Ende 2009 brach ein Streit darüber aus, welches Testament das gültige sei. Es war ein Konflikt, der teils bizarre Züge annahm und mit harten Bandagen ausgetragen wurde. Mehrfach trafen sich die beiden Parteien vor Gericht. Kläusli warf Stocker vor, widerrechtlich Briefe und sogar Schmuck aus dem Nachlass entfernt zu haben. Dieser beschuldigte Kläusli im Gegenzug der üblen Nachrede.

«Erbunwürdig und unfähig»

Gestern trafen sich die Kontrahenten vor Gericht zur vorerst letzten Verhandlung. Beide verlangten, jeweils das Testament für ungültig zu erklären, das den anderen bevorzugte. Stockers Anwalt warf Kläusli vor, sich bei der Dame eingeschmeichelt zu haben, nur um als Alleinerbe eingesetzt zu werden. Er sei «erbunwürdig und unfähig, den Willen Mosers zu vollstrecken». Kläuslis Anwalt machte geltend, die alte Dame habe 2008 das Testament zugunsten Stockers nicht selbst verfasst. Es stamme vielmehr aus der Feder Stockers; sie habe es nur abgeschrieben und unterzeichnet, um ihn los zu werden. Stocker habe sie bedrängt: «Sie wollte ihn abwimmeln.» In Briefen und gegenüber Zeugen habe sie immer davon gesprochen, die Villa an Kläusli zu vererben.

Die Richterin liess diese Einwände nicht gelten. Henrietta Moser habe genau gewusst, was sie tat, als sie das Testament 2008 aufsetzte: «Hätte sie es nicht gewollt, hätte sie es ohne Weiteres widerrufen können. Damit hatte sie Erfahrung, das hatte sie ja zuvor schon getan.» Kläusli will das Urteil weiterziehen, wie er sagte.

*Namen geändert (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2013, 10:22 Uhr

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