Heimatschutz gibt an der Bahnhofstrasse nicht auf

Der Manor soll als Warenhaus erhalten bleiben. Dafür gelangt der Heimatschutz nun ans Verwaltungsgericht.

«Pionierhafte Säulenarchitektur»: Das Warenhaus Manor an der Bahnhofstrasse in Zürich. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

«Pionierhafte Säulenarchitektur»: Das Warenhaus Manor an der Bahnhofstrasse in Zürich. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Praxisfern» sei der Zürcher Heimatschutz (ZVH), meinte das Bau­rekursgericht vor einem Monat. Die ­Institution hatte vergebens gefordert, das Manor-Haus an der Bahnhofstasse 75 und 79 in seiner Funktion als Warenhaus zu bewahren. Der Heimatschutz wollte den geplanten Umbau des Warenhauses zu einzelnen Boutique-Geschäften und Büros verhindern. Denn damit würden die für ein Warenhaus «typischen durchgehenden Geschossflächen mit ihrer pionierhaften Säulenarchitektur durch kleinteilige Büroeinheiten ersetzt». Das Gericht zog in seinem Entscheid gar einen Vergleich zu Kirchen: Nicht einmal die gottesdienstliche Nutzung des Grossmünsters könnte unter dem Titel des Denkmalschutzes gesichert werden.

Der Heimatschutz glaubt aber nicht an diese Ausführungen. Er zieht den Entscheid des Baurekursgerichts weiter und reicht eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. «Das haben wir im Vorstand demokratisch beschlossen», sagt Martin Killias, ehemaliger Strafrechtsprofessor an der Universität Zürich und seit einer Woche Präsident des Zürcher Heimatschutzes. Er ist zuversichtlich, dass sein Verein Recht bekommt. Dabei gehe es nicht darum, das Gebäude für Manor zu retten, sondern es als Warenhaus zu erhalten. Wer dort wirtschafte, sei nicht entscheidend.

Wichtige Zeugen

Dabei will der Heimatschutz den «wichtigen Grundsatz» geklärt haben, ob die Nutzung eines Hauses geschützt werden kann. Gemäss dem Planungs- und Baugesetz sei es geradezu Sinn und Zweck, nicht einfach Gebautes zu erhalten, sondern solche Bauten zu schützen, die «als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünstlerischen Epoche erhaltungswürdig sind». Das Baurekursgericht war da anderer Meinung: Mit den Mitteln des Denkmalschutzes liesse sich nur Substanz eines Gebäudes bewahren, nicht aber dessen Funktion, beschied dieses.

Die aussergewöhnliche Forderung des Heimatschutzes ausgelöst haben die Pläne der Hausbesitzerin. Der Lebensversicherer Swisslife will aus der Liegenschaft mehr Ertrag herausholen und wollte darum den Vertrag mit der Mieterin Manor nicht verlängern. Dieser war 2014 ausgelaufen, hatte aber eine Option auf eine Verlängerung um fünf Jahre bis 2019. Swisslife möchte die Lokalitäten an der exklusiven Lage für 100 Millionen Franken umbauen und neu vermieten. In den unteren Etagen sollen Läden ­entstehen, in den oberen Stockwerken Büros. Manor ist dabei nicht mehr ­erwünscht. Das Vorgehen des Lebensversicherers hat in der Stadt einige ­harsche Reaktionen ausgelöst: In der ­Öffentlichkeit lief eine medienwirksame Kampagne zur Rettung von Manor, auf politischer Ebene wurden Vorstösse ­lanciert. Auch das Zürcher Mietgericht musste sich mit dem Fall beschäftigen.

«Kathedrale des Konsums»

Die Liegenschaft im unteren Teil der Bahnhofstrasse ist seit über hundert Jahren ein Warenhaus. Im Jahr 1900 öffnete dort das damalige Warenhaus Brann seine Türen. Gemäss Inventareintrag stellt das Gebäude «der Warenwelt eine sakrale Gebäudehülle» bereit. Die Architektur inszeniere hier die Typologie des Warenhauses als eine «Kathedrale des Konsums» und zeuge vom Aufstieg der Stadt Zürich zur wichtigsten Wirtschaftsmetropole der Schweiz. Seit 1984 betreibt Manor das Warenhaus an der Bahnhofstrasse.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.06.2015, 20:26 Uhr

Artikel zum Thema

Muss nach Manor auch Franz Carl Weber raus?

Der Mietvertrag des Spielwarenladens an der Bahnhofstrasse läuft aus. Dadurch könnte Zürichs Einkaufsmeile ein weiteres Traditionsgeschäft verlieren. Mehr...

Der 500-Millionen-Rettungsplan für Manor

Überraschung im Kampf um das Manor-Haus an der Bahnhofstrasse. Die Muttergesellschaft von Manor will es der Swiss Life angeblich abkaufen, um es als Warenhaus zu erhalten. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Andocken: Ein F-22 Kampfjet der US-Luftwaffe tankt während eines Trainings in Norwegen mitten im Flug. (15. August 2018)
(Bild: Andrea Shalal) Mehr...