Heiratswillige Frauen mit Jobs vermittelt – 5000 Franken kassiert

Zwei Bangalen taten für Landsleute alles, damit diese in der Schweiz bleiben konnten. Dafür werden sie des Landes verwiesen.

Illegales Geschäftsmodell: Zwei Bangalen müssen das Land verlassen, weil sie die Behörden getäuscht haben.

Illegales Geschäftsmodell: Zwei Bangalen müssen das Land verlassen, weil sie die Behörden getäuscht haben. Bild: Urs Jaudas

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Eine gewisse Kreativität kann man den beiden aus Bangladesh stammenden, 33- und 40-jährigen Männern wirklich nicht absprechen. Ihr Geschäftsmodell wäre zweifellos beeindruckend, basierte es nicht auf einem strafrechtlich relevanten Verhalten.

Unabhängig voneinander vermittelten die beiden Männer an insgesamt etwa zwanzig Landsleute heiratswillige Frauen, zumeist aus Spanien oder Portugal. Vorteil dieser Frauen: Sie stammten aus einem EU-Land.

Damit war es natürlich noch nicht getan. Nun erklärten sie den Paaren, wie sie am einfachsten heiraten können – nämlich auf der dänischen Insel Aero. Auf dem dortigen Standesamt werden nämlich kaum Papiere verlangt. Das berichtete der «Blick» Mitte Dezember.

Laut Angaben der Grenzwache heirateten in Dänemark im Jahr 2016 insgesamt 13'000 Paare, die nicht im Land leben. Allein auf Aero stieg die Zahl heiratender Ausländer laut Angaben des «Blicks» innert zehn Jahren von 500 auf 4500.

Doch auch damit war das Rundum-sorglos-Paket der beiden Bangalen noch nicht fertig geschnürt. Es fehlte eine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz. Die Männer organisierten bei einem Take-away-Betrieb fiktive Arbeitsverträge für die vermittelten «Ehefrauen». Denn mit einem Arbeitsvertrag erhält ein EU-Bürger in der Schweiz ein Aufenthaltsrecht. Und damit – dank der Heirat – auch der Ehemann der aufenthaltsberechtigten Frau.

5000 Franken pro Ehepaar

Für ihr ganzes Servicepaket – das Vermitteln der Frauen und der Arbeitsverträge sowie das Vermitteln von Know-how im Umgang mit den Schweizer Behörden im Zusammenhang mit der Erlangung eines gültigen Aufenthaltstitels – kassierten die beiden Männer pro abgeschlossene Ehe 5000 Franken. Zehn Prozent davon erhielt der Take-away-Betreiber für die Ausstellung des Arbeitsvertrages.

Täuschung der Behörden heisst der Straftatbestand im Ausländergesetz. Wer die Behörden täuscht, indem er falsche Angaben macht oder wesentliche Tatsachen verschweigt und dadurch die Erteilung einer Bewilligung erschleicht, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen, wenn er in der Absicht handelt, sich damit unrechtmässig zu bereichern.

Genau dies warf die Staatsanwaltschaft den beiden Männern auch vor: Die Arbeitsverträge waren fiktiv, und die Ehen bestanden nur auf dem Papier. In einem sogenannten abgekürzten Verfahren wurden die Männer von zwei verschiedenen Abteilungen des Bezirksgerichts Zürich je zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Franken verurteilt. Weil die Täuschung der Behörden in Bereicherungsabsicht eine sogenannte Katalogtat ist, wurden die beiden auch für jeweils sieben Jahre des Landes verwiesen.

Dänemark erhöht Hürden

Und was ist mit den verheirateten Paaren? Die meisten sind nicht mehr zusammen und haben die Schweiz in verschiedene Richtungen verlassen. Wer sich noch hier aufhält, muss mit einem Strafverfahren rechnen.

Das Tun der beiden Männer war zuerst dem Migrationsamt aufgefallen. Männer aus Bangladesh, die mit Frauen aus dem EU-Raum verheiratet sind, wobei alle Frauen scheinbar beim gleichen Take-away angestellt sind? Ein Tipp an die Strafverfolgungsbehörden genügte, um das ganze Verfahren in Gang zu bringen.

Dass die Insel Aero für Scheinehen missbraucht wird, ist in Dänemark inzwischen registriert worden. Das bisher relativ unbürokratische Heiraten wurde erschwert. Laut einer dänischen Nachrichtenagentur soll verhindert werden, dass die liberale Gesetzgebung als Zugang zur EU missbraucht wird. Seit Anfang Jahr werden die Papiere der Heiratswilligen nicht mehr von den Gemeinden, sondern von einer zentralen Behörde überprüft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2019, 14:49 Uhr

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