Heisswasser aus Schwamendingen für Zürich-West

Das Kehrichtheizkraftwerk Josefstrasse wird 2020 stillgelegt. Ab dann soll die Fernwärme über eine Leitung für 130 Millionen Franken vom Hagenholz kommen.

Neue Heisswasserleitung: Künftig soll Fernwärme vom Hagenholz an die Josefstrasse geleitet werden.

Neue Heisswasserleitung: Künftig soll Fernwärme vom Hagenholz an die Josefstrasse geleitet werden. Bild: Keystone

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8000 Haushalte im Kreis 5 zwischen Hauptbahnhof und Hardturm werden mit Fernwärme aus der Josefstrasse beheizt. Das Kehrichtheizkraftwerk dort verbrennt jedes Jahr etwa 110'000 Tonnen Abfall, wovon das meiste aus Süddeutschland stammt, angeliefert mit grossräumigen Lastwagen. Täglich fahren im Schnitt 18 Wagen vor. In sechs Jahren ist damit Schluss, dann wird die Kehrichtverbrennung an der Josefstrasse eingestellt. Eine Verbrennungslinie ist bereits 2010 stillgelegt worden, die andere erreicht 2020 ihr technisches Lebensende.

Wie die Fernwärmeversorgung in ­Zürich-West ohne den Ofen an der Josefstrasse weiterbetrieben werden kann, wird seit langem studiert, und dabei hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert: der Anschluss ans Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz in Schwamendingen, das schon die Fernwärme für Zürich-Nord produziert. Geplant ist eine Heisswasserleitung mit einem Durchmesser von 40 bis 50 Zentimetern, die zuerst den bestehenden Energiekanal Hagenholz–Hochschulquartier benützt und dann ab Strickhof in einem neuen Tunnel zum Wipkinger Viadukt und weiter zur Josefstrasse führt. Wie die Limmat gequert wird, ist noch offen. Im Vordergrund steht eine Leitung unter der Brücke und nicht unter dem Fluss durch.

Planungsbeginn noch in diesem Jahr

Für die Projektierung hat der Stadtrat bisher knapp 1,4 Millionen Franken bewilligt, jetzt beantragt er dem Gemeinderat, den Kredit um 7 Millionen zu erhöhen, damit ein detailliertes Bauprojekt mit Kostenvoranschlag ausgearbeitet werden kann. Weil die Leitung 2020 stehen muss, möchte ERZ Entsorgung + Recycling Zürich im Departement von Filippo Leutenegger (FDP) noch dieses Jahr mit der Detailplanung beginnen. Das Parlament hat jedoch im Budget 2014 die Investitionsausgaben der Fernwärme gekürzt, weshalb der Stadtrat einen zusätzlichen Budgetkredit von 500'000 Franken beantragt. Die Kosten für die Verbindungsleitung, inbegriffen eine Energiezentrale am Standort Josefstrasse, werden derzeit auf 130 Millionen Franken geschätzt.

Die Kreditvorlage soll nächstes Jahr dem Gemeinderat unterbreitet werden, anschliessend den Stimmberechtigten. Wobei das Volk dem Projekt zwar zustimmen, danach aber kein Geld ausgeben muss. Der Bau der Leitung wird mit betrieblichen Mitteln der Fernwärme finanziert, die sich aus Einnahmen speisen. Steuergelder braucht es dafür nicht.

Ausbau im Hagenholz

Die Heisswasserleitung aus Zürich-Nord schafft die Möglichkeit, weitere Gebiete im Westen an die Fernwärme an­zu­schlies­sen, Wipkingen zum Beispiel oder Gebiete in Aussersihl und am Sihlquai. Da auch die kantonale Abfallplanung langfristig vom Ausbau der Fernwärme ausgeht, ist im Hagenholz der Bau einer dritten Verbrennungslinie zwischen 2025 und 2030 vorgesehen, die rund 200 Millionen Franken kosten soll. Nach 2020 wird ERZ 40 Prozent des Areals an der Josefstrasse weiterhin benötigen. Was aus dem anderen Teil wird, ist offen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 20:09 Uhr

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