Hier möchten 2500 Menschen einziehen

Nur dank Metallstützen steht die Fassade der ehemaligen Spinnerei in der Manegg noch. In den kommenden zwei Jahren werden dort 38 Lofts entstehen. Schon heute ist das Interesse daran riesig.

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Es geht was in der Manegg. Wo sich früher Industriebetriebe aneinanderreihten, entstehen laufend neue Wohnsiedlungen. Gerade wurde das letzte Gebäude der neuen Überbauung Sihlbogen der Baugenossenschaft Zurlinden in Leimbach fertiggestellt. Die Vermietung der 1,5- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen und Wohnateliers hat inzwischen begonnen.

Nur wenige Meter weiter in Richtung Stadt Zürich entsteht bereits das nächste Projekt – ein weitaus grösseres. Unter dem Namen Greencity wird auf der ehemaligen Industriebrache Sihl-Manegg in den kommenden vier Jahren ein neues Quartier entstehen. Mit eigenem Schulgebäude und Hotel sowie Bürohäusern und Wohnungsbauten mit insgesamt 740 Wohnungen. Rund ein Drittel davon sind Genossenschaftswohnungen, 290 Wohnungen werden im Stockwerkeigentum verkauft.

Fabrikhaus mit eigenem Wasserkraftwerk

Die Abbrucharbeiten auf dem acht Hektaren grossen Areal wurden gestern abgeschlossen. Ein Haus hat den Abrissbirnen in den vergangenen acht Monaten jedoch getrotzt. Wie ein Mahnmal längst vergangener Zeiten erhebt sich die Gebäudehülle einer ehemaligen Spinnerei mitten in der Baugrube. Mächtige Metallverstrebungen stützen das denkmalgeschützte Haus. Das Stützgerüst sichert die Fassade zwar schon seit einigen Jahren, doch erst seit die übrigen Bauten des Areals verschwunden sind, werden die Dimensionen fassbar.

1857 als Weizenhaus gebaut, wurde das Gebäude vier Jahre später zu einer Keramikfabrik erweitert und 1875 als Spinnerei umgenutzt. 1904 übernahm die Sihl Papier die Fabrik. 2007 stellte sie die Produktion ein. Noch im selben Jahr erklärte der Zürcher Stadtrat das Spinnereigebäude für schützenswürdig, woraufhin das einsturzgefährdete Haus mit dem Gerüst gesichert wurde. Im untersten Stockwerk der Spinnerei befindet sich ein Wasserkraftwerk, das durch einen Sihlkanal gespeist wird. Es ist noch immer betriebstüchtig und soll dereinst auch Greencity mit Strom versorgen.

1,7 Millionen für eine Loft

In dem fast vollständig entkernten Spinnereigebäude entstehen in den kommenden zwei Jahren 38 Lofts mit Wohnflächen von 72 bis über 190 Quadratmetern. Die Preise reichen von 590'000 Franken bis rund 1,7 Millionen Franken. Das Interesse an der aussergewöhnlichen Wohnform ist riesig. «Bis heute haben sich auf unserer Website rund 2400 Personen mit Namen und Adresse registriert», sagt Emily Unser, Mediensprecherin der Generalunternehmung der Total- und Generalunternehmung Losinger Marazzi, die das Areal entwickelt.

Obwohl die Hochbauarbeiten und auch die Vermarktung für die Miet- und Alterswohnungen erst noch beginnen, gehen auch bei der Investorin Swiss Life bereits Anfragen ein. Ähnlich sieht es bei den drei Genossenschaften aus, die in der Greencity bauen werden. Wohnungssuchende müssen sich jedoch gedulden. Die Rekursfrist für die letzte Baubewilligung sei noch nicht abgelaufen, sagt der Informationsbeauftragte der Genossenschaften, Hans Conrad Daeniker. Er geht davon aus, dass diese ungenutzt verstreichen wird. Vor Baubeginn dürften allerdings kaum Wohnungen vergeben werden. «Nachher, nehme ich an, wird es aber schnell gehen.»

In vier Jahren ist Greencity gebaut

Auf dem Areal der künftigen Greencity geht es ab April weiter mit dem Erstellen der Infrastruktur. Anschliessend starten auf drei Baufeldern die Bauarbeiten. Das Spinnereigebäude ist gemäss Emily Unser voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2017 bezugsbereit. Dann sollten auch die Genossenschafts- und Mietwohnungen fertiggestellt sein. Die ersten Besitzer der Eigentumswohnungen können 2018 einziehen. Ziel sei es, das Quartier Greencity etappenweise bis 2019 fertigzustellen, sagt Unser.

Um das neue Quartier besser ans öffentliche Verkehrsnetz anzuschliessen, bekommt Greencity eigene S-Bahn- und Bus-Haltestellen. Auf der Strecke der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) wird die bestehende Haltestelle Manegg auf der gegenüberliegenden Seite des Bahntrassees neu erstellt. Die Station werde behindertengerecht ausgebaut und könne später von der Allmendstrasse durch zwei Übergänge erreicht werden, sagt SZU-Direktor Armin Hehli auf Anfrage. Gemäss heutiger Planung werden diese Bauarbeiten zwischen 2017 und 2018 durchgeführt.

Erstellt: 01.04.2015, 11:57 Uhr

Wo Greencity entstehen wird: Zum Vergrössern bitte anklicken. (Bild: TA-Grafik)

So wird das Areal aufgeteilt

Auf dem acht Hektaren grossen Areal entstehen insgesamt 13 Gebäude, deren Fläche folgendermassen aufgeteilt ist:


  • 85‘400 m2 Wohnen (740 Wohnungen)

  • 55‘000 m2 Büroflächen (3000 Arbeitsplätze)

  • 6‘600 m2 Einzelhandel/Verkauf

  • 10‘000 m2 Hotel

  • 6‘000 m2 Schule

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