«Hier sind Leute über den Tisch gezogen worden»

Die Parkplätze auf dem Zürcher Münsterhof sollen in die Seitenstrassen verschwinden. Dieser Kompromiss sei ein notwendiges Übel, meinen die einen. Andere sehen darin «eine billige Milchbüchleinrechnung».

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Nach langen Verhandlungen zwischen der Stadt Zürich und einer Delegation der Vereinigung Münsterhof wurde heute Mittwoch eine Kompromisslösung für die Parkplatzsituation im Geviert rund um das Fraumünster präsentiert: 41 Parkplätze an der Fraumünsterstrasse werden in das neue Parkhaus Opéra beim Bellevue verlegt, an ihrer Stelle werden in verdichteter Bauweise die 55 Parkplätze des Münsterhofs erstellt. Der grösste Platz der Zürcher Altstadt wird somit autofrei.

«In der City braucht es keine oberirdischen Parkplätze»

Die Nachricht vom Durchbruch im jahrelangen Streit um einen autofreien Münsterhof wird mit wenig Euphorie aufgenommen. «Wir hätten auch in den Seitenstrassen lieber weniger Parkplätze gehabt», sagt Gian von Planta, Fraktionspräsident der Grünliberalen im Zürcher Gemeinderat. Im Sinne einer raschen Lösung sei dieser Kompromiss als ein erster Schritt in die richtige Richtung zu verstehen. «Man muss sich aber überlegen, wie man in ein paar Jahren auch die Seitengassen entlasten kann, damit es für die Fussgänger und Velofahrer mehr Platz hat», so von Planta, denn: «In der Innenstadt braucht es eigentlich keine oberirdischen Parkplätze mehr.»

Auch SP-Fraktionspräsidentin Min Li Marti bewertet den Vorschlag als positiven Schritt. «Es ist ein lange gehegtes Anliegen, dass der Münsterhof autofrei wird», betont sie gegenüber Tagesanzeiger.ch. «Auf der anderen Seite scheint es mir so, als ob die Gewerbetreibenden einen fast schon ideologischen Kampf um jeden Parkplatz führen. Dieses ständige Tauziehen ist sehr unbefriedigend.»

Zu eng bemessene Parkplätze?

Ganz und gar nicht zufrieden mit dieser Lösung ist SVP-Fraktionschef Mauro Tuena. «Dieser Kompromiss ist gar keiner. Das ist eine billige Milchbüchleinrechnung», sagt er auf Anfrage. «Hier sind Leute, namentlich Lorenz Schmid von der Vereinigung Münsterhof, über den Tisch gezogen worden.»

Faktisch würden in dieser Gegend 41 Parkplätze verschwinden. «Dabei wollen dort viele Leute mit dem Auto hin, um in den umliegenden Läden einzukaufen und in den Restaurationen einzukehren», so Tuena. Das Parkhaus Opéra liege hierzu viel zu weit weg. Hinzu komme laut Tuena, dass die neuen Parkplätze an der Fraumünsterstrasse viel zu eng bemessen seien. «Ich glaube nicht, dass das in der Praxis funktionieren wird.»

Münsterhof frühestens 2013 autofrei

Ob das nun vorliegende, überarbeitete Strassenbauprojekt und die neuen Verkehrsvorschriften für das Geviert um den Münsterhof realisiert werden können, liegt noch nicht fest. Die Planauflage findet zwischen dem 26. August und dem 26. September 2011 statt. «Im Idealfall wäre der Münsterhof in der zweiten Hälfte 2013 autofrei – immer unter der Bedingung, dass keine Einsprachen erhoben werden», erklärt Stefan Hackh, Leiter Kommunikation beim Tiefbauamt Zürich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2011, 12:59 Uhr

Die Verschiebung der Parkplätze

Die Veränderung der Parkplatzsituation auf dem Zürcher Münsterplatz ist eng mit der Entstehung des Parkhaus Opéra beim Bellevue verbunden. Bei der Abstimmung über das neue Parkhaus am 18. Mai 2003 wurde eingeplant, «die oberirdischen öffentlichen Parkplätze auf dem Münsterhof zu verschieben, sofern sie alle links der Limmat und in Gehdistanz von 400 Metern um den Münsterhof kompensiert werden können.»

Anfang Mai 2012, wenn das Parkhaus Opéra mit seinen 249 Parkplätzen eröffnet wird, ist diese Kompensation möglich. Dann werden ebenso viele oberirdische Parkfelder aufgehoben. Darunter auch die 41 Parkplätze im Bereich der Fraumünsterstrasse. Sie werden im Rahmen des historischen Kompromisses ins Parkhaus Opéra verlegt. «Das erlaubt uns, den frei werdenden Raum an der Fraumünstergasse neu zu nutzen», erklärt Stefan Hackh vom Zürcher Tiefbauamt. «Die Parkfelder werden verdichtet, sodass die 55 Parkplätze des Münsterhofs dorthin verlegt werden können.»

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