Hiltl zwingt Kinder an die Kasse

Im Buffet der Badi Mythenquai ist ein Angebot so verlockend, dass es Gäste zum Missbrauch verleitet. Um das zu verhindern, greift der Geschäftsführer zu aussergewöhnlichen Methoden.

Kinderschalen für die Kleinen: Nicht immer wird das Angebot des Hiltl-Buffets in der Badi Mythenquai auch wie hier für Kinder genutzt.

Kinderschalen für die Kleinen: Nicht immer wird das Angebot des Hiltl-Buffets in der Badi Mythenquai auch wie hier für Kinder genutzt. Bild: Tom Kawara

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Matthes Schaller staunte nicht schlecht, als er kürzlich mit seiner Familie im Strandbad Mythenquai war. «Meine Frau wollte für unsere Kinder im Hiltl-Buffet etwas zu essen holen. Als sie die Kinderschalen bezahlen wollte, hiess es, dass sie dazu die Kinder mit an die Kasse nehmen müsse.» Für Schaller und seine Frau ein Ärgernis. «Sie musste die klitschnassen, sandigen Kinder vom Strand zur Kasse holen, wo derweil das Essen kalt wurde. Das ist grotesk.»

Familie Schaller hat im Restaurant keinen Hinweis auf diese Regelung gesehen, und auch auf der Website des vegetarischen Gastrounternehmens Hiltl ist nur vermerkt, dass Kinder von 1 bis 12 Jahren eine Kinderschale zum Pauschalpreis von 5 Franken am Buffet erhalten. Dass die Eltern beim Bezahlen ihre Kinder quasi als Beweis mitbringen müssen, steht nirgends.

Erwachsene schaufeln Kinderschale voll

Rolf Hiltl, der Geschäftsführer der Hiltl AG, bestätigt diese Regelung jedoch gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Mit dem Spezialangebot wolle er es Eltern mit wenig Geld ermöglichen, ihren Kindern in der Badi gesundes Essen zu kaufen. «Leider wird dieses Angebot aber oft missbraucht. Gäste füllen die Kinderschalen randvoll mit Essen und sagen dann, dass ihre Kinder draussen auf sie warten, obwohl das nicht stimmt. Deshalb haben wir die Massnahme eingeführt.» Das Ganze habe auch Vorteile: «Die Kinder können so selbst auswählen, was sie essen möchten, und die Eltern können darauf achten, dass die Nahrung ausgewogen ist.»

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Trotzdem bedauert es Hiltl, dass er zu solchen Methoden greifen muss, um Missbrauch zu verhindern. «Gerade wenn es viele Leute hat, ist es für Eltern und Kinder kein Schleck, in der Schlange anzustehen. Wir sind deshalb immer offen für Vorschläge, wie wir das Problem anders lösen könnten.»

Künftig Chicken-Nuggets und Pommes?

Matthes Schaller hat Verständnis für Hiltl und findet es «eine Sauerei», dass Gäste unter falschem Vorwand eine Kinderschale für sich selbst vollladen. «Aber die nun geltende Regelung ist der falsche Weg. Damit gibt man jedem Gast das Gefühl, dass man ihm misstraut.» Schaller schlägt eine andere Variante vor: «Die meisten Kinder wollen Pommes frites und vielleicht noch ein paar Chicken-Nuggets. Wenn man das als Kinderschale anbieten und jedes weitere Gericht regulär nach Gewicht bezahlen würde, dürfte die Rechnung aufgehen.»

Für Hiltl wäre diese Idee durchaus eine Option für die Zukunft – dann allerdings mit vegetarischen Nuggets. Hauptsache, die Kinderschale muss nicht abgeschafft werden. «Wir verdienen an diesem Spezialangebot nichts dazu. Wir verstehen es als Angebot an die nächste Generation. Deshalb möchten wir an unserer Vision festhalten, das Essen auf diese Weise zu demokratisieren.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2017, 14:51 Uhr

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