Hitzestau beim Zürcher Hauptbahnhof

Der Europaplatz an der Europaallee wird zum neuen Hotspot der Stadt. Allerdings anders, als er es gerne wäre.

Schatten? Gibt es nicht auf dem Europaplatz beim Ab- und Aufgang zum Hauptbahnhof.

Schatten? Gibt es nicht auf dem Europaplatz beim Ab- und Aufgang zum Hauptbahnhof. Bild: Andrea Zahler

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Auf der Gessnerbrücke steigt eine erfrischende Brise von der Sihl hoch, vor der Sihlpost kühlt der Schatten etwas ab. Doch dann, beim Betreten des Europaplatzes, ist die Hitze gnadenlos. Und es gibt kein Entrinnen.

Zwischen den hohen Gebäuden staut sie sich, der schwarz asphaltierte Boden heizt sich zusätzlich auf. Kein Wunder, haben es die Leute eilig, den Platz zu überqueren. Die provisorischen Holzbänke, die ihn abgrenzen, sind leer. Nur am violetten Eisenhut in der Blumenrabatte ist Leben. Er bewährt sich offensichtlich als Bienenweide.

Das bleibt nicht so, oder?

Weiter vorne giessen Bauarbeiter gerade neuen, heissen Asphalt aus. Die sind noch ärmer dran als die Passanten, die mit Rollkoffern von der Sihlquai-Passage des Hauptbahnhofes hochsteigen und über den schwarzen Platz eilen. «Das bleibt nicht so, oder?», sagt einer beim Vorbeigehen.

Es bleibt so: «Es handelt sich um den endgültigen Belag», antwortet SBB-Mediensprecherin Rebecca Spring. Das Areal gehört den Schweizerischen Bundesbahnen. Allerdings werde der Asphalt sich bald aufhellen, wodurch die Aufheizung geringer werde, verspricht Spring.

Asphaltieren bei Gluthitze. Bild: Andrea Zahler

Schatten spendende Schirme oder andere Vorkehrungen gegen den Hitzestau sind nicht vorgesehen. Abgesehen von der Allee mit Ginkgos. Anfang Juli wurden die ersten dieser urtümlichen Bäume eingepflanzt. Die Baumreihe auf Seite der Gleise wird im März 2020 folgen.

Intensiv diskutiert

Allerdings werden sie mit ihren Kronen nur einen kleinen Teil des 6000 Quadratmeter umfassenden Europaplatzes beschatten. So wird der schwarze Platz, der gut ein Drittel so gross wie der Sechseläutenplatz ist, wohl zu einem neuen Hotspot in der Stadt. Allerdings anders, als er das gerne sein möchte.

War denn bei der Planung das Aufheizen dieses Platzes kein Thema? Oh doch! Spring erklärt: «Der Belag wurde in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich intensiv thematisiert und gemeinsam geplant.» So sei auch gemeinsam entschieden worden, dass ein Teil des Europaplatzes mit Stein und ein Teil davon mit Asphalt belegt werde.

Wasser am Gustav-Gull-Platz

Tatsächlich ist der Europaplatz nicht einfach nur schwarz. An seinem Rand bilden Granitplatten aus Tessiner Gneis helle Streifen, die vor allem dem Auge guttun und dafür sorgen, dass der Platz nicht ganz und gar wie eine zu breit geratene Strasse wirkt.

Visualisierung des Europaplatzes mit der Ginkgo-Allee. Bild: SBB

Weiter oben, auf dem etwas kleineren Gustav-Gull-Platz, sieht es besser aus. Dort ist ein 400 Quadratmeter grosser Wasserspiegel geplant, der im Sommer kühlt. Er wird im Herbst getestet und soll im Frühling 2020 definitiv in Betrieb genommen werden. Zudem werden hier im Herbst ebenfalls die ersten Ginkgo-Bäume gepflanzt. Der Rest folgt im Frühling.

Die Sache mit den Ginkgos

Insgesamt werden 76 Ginkgo-Bäume die Europaallee säumen. Dieses gestaffelte Eintreffen der Bäume hat wohl auch damit zu tun, dass es gar nicht so einfach ist, eine solche Anzahl Jungbäume mit der geforderten Wuchshöhe von etwa sieben Metern aufzutreiben. Zumal nur männliche Bäume geeignet sind, die keine Früchte tragen. Denn die Früchte stinken bestialisch nach Buttersäure, also Erbrochenem.

Dafür sind Ginkgos unempfindlich gegenüber Luftverschmutzung, und sie vertragen Trockenheit und Hitze. Das wird ihnen auf dem Europaplatz zugutekommen.

Erstellt: 22.07.2019, 16:42 Uhr

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