Höchste Zeit für eine Entschuldigung

In der Affäre Mörgeli hat die Universitätsleitung für einmal ein Lob verdient: dafür, dass sie zu ihren erschütternden Fehlern steht.

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Gleich zwei Gutachten zur Affäre rund um das Medizinhistorische Institut der Uni Zürich haben am Montag der leidigen Geschichte neuen Schub verliehen. Was bisher, je nach Gusto, zur Affäre Mörgeli, Ritzmann oder Aeppli stilisiert wurde, darf jetzt wahlweise auch als Affäre Universität oder Affäre Staats­anwaltschaft gesehen werden.

Gemäss dieser Gutachten – das eine ist vom Datenschützer, das andere wurde vom Unirat in Auftrag gegeben – hat die Universität Tausende von Telefon- und E-Mail-Verkehrsdaten ihrer Mitarbeitenden und Studierenden unrechtmässig ausgewertet. Unrechtmässig war auch die Weitergabe der Daten. Und die Staatsanwaltschaft orderte im Stile einer Rasterfahndung Unmengen von Daten, wofür offenbar eine Rechtsgrundlage fehlte.

Schönfärberische Kommunikation

Es überrascht nicht, dass die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten zu verschiedenen Beurteilungen der Gutachten führen. Die Staatsanwaltschaft hält ihr Vorgehen für verhältnis- und rechtmässig. Dafür startet die SP eine Interpellation zu den fragwürdigen Ermittlungsmethoden, weil sie sich damit gleichzeitig schützend vor ihre angeschossene Regierungsrätin Regine Aeppli stellen kann. Und auch der Universitätsrat schiebt in einer schönfärberischen Pressemitteilung die Schuld der Staatsanwaltschaft zu und reklamiert für sich einen Pflichtenkonflikt.

Da darf man für einmal die Universitätsleitung ­loben. Sie anerkennt, dass sie mit den Personendaten hätte «sensibler» umgehen müssen. Sie «bedauert», die Verhältnismässigkeit der Datenherausgabe «nicht sorgfältiger geprüft» zu haben, und «entschuldigt sich» dafür bei allen Betroffenen.

Erschütternd willfährig

Dafür besteht auch Anlass. Es lässt sich wohl nur mit einem ausgeprägten Strafverfolgungswunsch erklären, dass die Universität der Staatsanwaltschaft willfährig alle möglichen Daten herausrückte, für deren Speicherung sie zum Teil nicht einmal eine Rechtsgrundlage besass. Und dass sich die Universität, als sie sich beim Staatsanwalt nach der Rechtmässigkeit ihres Tuns erkundigte, mit einem Hinweis aufs Arbeitsrecht abspeisen liess, ist schlicht erschütternd.

Erstellt: 07.07.2014, 21:45 Uhr

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